Impuls

Wort zum Freitag 26.02.2021

„Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn …“  

                       

Liebe Schwestern und Brüder,

 

die auf dem Bild zu sehende Glocke ist uns bekannt. Mit Beginn des Gottesdienstes erklingt sie mal lauter mal etwas zurückhaltender. Vorher spricht der Vorsteher des Gottesdienstes die Worte: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. In der Sakristei antworten die Ministrantinnen und Ministranten, der Diakon und die Küsterinnen und Küster darauf: Der Himmel und Erde erschaffen hat. Sofern der Vorsteher das Mikrofon bereits eingeschaltet hat, können alle in der Kirche seine Worte hören und können in die Antwort mit einstimmen.  

Dann erklingt die Sakristeiglocke, der Einzug beginnt und gleichzeitig beginnt die Organistin bzw. der Organist mit dem Orgelspiel. Der Gottesdienst beginnt.

Diese wenigen Worte scheinen somit einen ganz praktischen Grund zu haben, denn alle in der Kirche wissen: Jetzt geht´s los.

Was so einfach und praktisch aussieht, steht aber in einem viel größeren Zusammenhang. Die Worte „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat“ sind keine Neuschöpfung im Rahmen der Liturgiereform in Folge des letzten Konzils. Die Worte sind aus dem 124. Psalm. Genauer gesagt ist es nach der Einheitsübersetzung der Bibel wörtlich übernommen der Vers 8 des Psalms. Ein genaues Jahr der Entstehung des Psalms kann man nicht benennen. Bibelwissenschaftler gehen davon aus, dass der Psalm um das Jahr 100 vor Christus entstanden ist. Es ist wieder eine Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen wie so häufig in der Geschichte des Volkes Israel. Aber Gott war bei seinem Volk und hat es gerettet. Der Psalm 124 ist ein Danklied. Das Volk Israel dankt Gott für die Rettung aus größter Gefahr. Wenn er nicht geholfen hätte, dann hätten uns die Feinde lebendig verschlungen. Derr Herr sei gepriesen, denn er hat uns den Feinden nicht als Beute überlassen. Derr Her hat geholfen. Die Hilfe kam von ihm. Sein Name steht für diese Rettung, für diese Hilfe.

 

Wenn wir zu Beginn des Gottesdienstes die Worte aus dem Vers 8 des 124. Psalms beten, so sind wir verbunden mit unseren Schwestern und Brüdern jüdischen Glaubens und es wird deutlich, dass wir zur Gemeinschaft der Menschen gehören, die durch alle Generationen hindurch an den einen und wahren Gott glauben, ihm danken, ihn loben und preisen.

Wenn wir die Worte des Psalms zu Beginn jedes Gottesdienstes beten, bringen wir zur Sprache, dass Gott uns in der Feier des Gottesdienstes entgegen kommt. Er ist der, der uns einlädt, er will uns stärken an seinem Tisch des Wortes und des Brotes. Er will uns nah sein, er will uns Hilfe sein, damit wir ein Leben in Freiheit als Töchter und Söhne Gottes führen können. Gott selbst befähigt uns, unser Leben zu führen und Gottesdienst zu feiern. Der Heilige Geist ist letztlich der, der uns befähigt, auf Gott zuzugehen, auf seine Einladung im Gebet zu antworten.

 

Die Worte „Unsere Hilfe“ sind dahingehend gemeint, dass Gott uns hilft. Wir können diese beiden Worte aber auch noch in einer weiteren Deutung sehen: Auch wir sind aufgerufen, anderen zu helfen. Damit ist auch im ganz wörtlichen Sinn unsere Hilfe gemeint, das was jede und jeder einzelne von uns im Namen des Herrn vollbringen kann, damit auch das Leben des anderen gelingen kann.

 

In diesem großen Zusammenhang stehen die wenigen Worte des 124. Psalms, die wir zu Beginn des Gottesdienstes beten. In der Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest möchte ich Sie und Euch einladen, zu Begin des Gottesdienstes dieses Gebet bewusst mitzubeten. Darüber hinaus möchte ich dazu einladen, die Worte an jedem Morgen zu beten. Manchmal ist keine Zeit für ein längeres Morgengebt. Aber bestimmt findet sich ein Weg, diesem kurzen Gebt aus dem Psalm 124 einen festen Platz zu geben. Dann spricht mir darin der Herr seine Hilfe zu für diesen Tag zu und dadurch kann ich für andere da sein und auch ihr bzw. ihm Hilfe sein. Durch dieses Gebet am Morgen wird eine Verbindung deutlich zur gottesdienstlichen Feier in der Kirche und dem täglichen Leben. Dies bringt uns dem Ziel näher, dass letztlich unser ganzes Leben Gottesdienst sein soll.

 

        

Ihr und Eurer Diakon

 

Benno Bolze