Impuls

Wort zum Freitag 23.10.2020

Folge mir nach!

 

Es gibt Abschnitte im Evangelium, die klingen hart. Sie scheinen so gar nicht zur Lehre und zum Leben Jesu zu passen. Jesus der eigentliche Friedensstifter, der der zu grenzenloser Vergebung auffordert. Nennt er in der Bergpredigt nicht die Friedensstifter selig und diejenigen, die keine Gewalt anwenden?

Und doch gibt es Evangelientexte, die anders sind. So wie der gestrige, welcher mich immernoch tief bewegt: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung!“

Wie geht das zusammen: Frieden bringen und Streit entfachen, sich sanftmütig nennen und Spaltung verursachen? Kuscheln ist hier wohl fehl am Platz! Es ist eher eine Herausforderung und regt zum Nachdenken an.

Jesus sagt uns ganz unmissverständlich, dass seine Botschaft Konflikte heraufbeschwören kann, die bis in die Familie reichen. Er sieht voraus, dass es um seinetwillen zu Spannungen und Konfrontation kommt; unter Umständen sogar innerhalb der eigenen Verwandtschaft. Wir dürfen Jesus nicht missverstehen: Es geht ihm nicht darum, Menschen gegeneinander aufzuwiegeln. Er ruft weder im Namen Gottes zu Unfrieden und Gewalt auf noch will er Familienkrach. Aber er verspricht denjenigen, die ihm nachfolgen, kein beschauliches und konfliktfreies Leben. Das ist hart und erfordert viel von mir selbst preiszugeben. Vor allen Dingen erfordert es Entschlossenheit. Entschlossenheit aber, Leben nach Gottes Willen ohne falsche Rücksichtnahme, daran lässt Jesus keinen Zweifel, hat Konsequenzen. Sie kann zu heftigen Auseinandersetzungen führen bis in die eigene Familie hinein. Wo ich konsequent Christus nachfolge, da wird das unter Umständen Ablehnung, Hass und Feindschaft zur Folge haben, eventuell sogar im Kreis meiner nächsten Angehörigen.

 

Entschlossen und Christus nachfolgend, so war meine erste Berührung mit Karol Wojtyla, vielen eher bekannt als Papst Johannes Paul II, dessen Gedenktag wir gestern gefeiert haben. Mit gerade 13 Jahren fuhr ich im August 1991 nach Częstochowa im Süden Polens zum Weltjugendtag. Damals noch als evangelische Christin mit meiner katholischen Freundin. Ich erlebte Tage, die mich verändern sollten, die mir bedingungsloses Christsein zeigten und ich erlebte einen Papst, der mich im Herzen als Jugendliche berührte, wie es niemand zuvor geschafft hatte. Ich war fasziniert von der Entschlossenheit uns aufzurufen uns nicht zu verstecken, sondern das Evangelium zu lieben, zu leben und zu verkünden! In meinem Ohr höre ich ihn noch heute sagen: „Folge mir nach!“ Erst viele Jahre später im Studium erschloss sich dieser Satz mir. Es war nicht sein Satz, sondern der auferstandene Herr selbst hatte ihn Petrus gesagt. „Folge mir nach“ – der Satz, der mich durch meine Jugend begleitete mit dem Bild Johannes Paul II vor Augen als Vorbild, kann der Schlüssel sein zum Verständnis der Botschaft, die vom Leben des verstorbenen Papstes ausgeht. Entschlossen nachfolgend, so habe ich Papst Johannes Paul II damals kennengelernt und noch heute besitzt er eine Vorbildfunktion für viele junge Christen.

„Folge mir nach“ – wie laut ist dieser Ruf noch zu hören? Wie ernst nehmen wir unseren Glauben? Wie konsequent leben wir unser Christsein? Wo bleibt unser Profil als Christen? Leben wir zu angepasst? Funktionieren wir zu reibungslos? Haben wir die christliche Botschaft so entschärft, dass sie nur noch Gebrauchsreligion ist, Dekoration für Weihnachten, Hochzeit, Weißen Sonntag? Wie oft stehen tatsächlich drei gegen zwei und zwei gegen drei? Entschlossenheit und Konsequenz schließen nicht aus, den anderen, der anders denkt und lebt, zu achten.

Jesus hat uns nie ein leichtes Leben versprochen. Aber er hat uns versprochen, dass er unser Leben teilt, so wie es wirklich ist, mit allem, was dazugehört, auch mit allen Spannungen, Konflikten, Sorgen und Dunkelheiten. Er wird uns nie allein lassen. Er wird alle Wege mit uns gehen. Bei ihm ist Trost und Heil. Er schenkt uns Kraft und Mut. Und das ist eine Botschaft, die wir getrost in die Welt tragen können und so ihm nachfolgen.

 

Ihre Anja Schmidt,

Gemeindeassistentin