Impuls

Wort zum Freitag 22.01.2021

„Hört doch mal rein!“ Freitag, 22.01.21

Das Jahr ist noch jung. Der Weihnachtsbaum ist abgeholt, nur die Krippe darf bei mir bis zur „Darstellung des Herrn im Tempel“, bis (ehemals) Mariä Lichtmess, stehen bleiben. Dies ist ein Fest, das auch vor dem II. Vatikanischen Konzil schon in den Jahreskreis fiel, mit der liturgischen Farbe grün, - das aber durch Brauchtum und durch den starken inhaltlichen Bezug noch ganz eng mit Weihnachten verbunden ist. So endete also auch vor 1969 „nur“ traditionell und nicht nach dem Kirchenkalender die Weihnachtszeit an Mariä Lichtmess.  40 Tage nach Weihnachten wird dieses Fest „Darstellung des Herrn im Tempel“ , in der katholischen Kirche gefeiert. Wir hören nach Lukas, wie der weise Simeon und die Prophetin Hanna im Tempel sind und Gott  und das Gotteskind preisen. Nach einer Vorschrift aus dem Alten Testament galt eine Frau erst 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes wieder als rein -, deshalb hieß ein Teil dieses Festes nach diesem alten jüdischen Brauch auch Mariä Reinigung, Mariä Lichtmess. Zu eben diesem Tag ordnete Kaiser Justinian I. für Byzanz erstmalig im Jahr 542 eine Lichterprozession an. Diese Tradition wurde von der römischen Kirche übernommen. Und so werden deshalb die Kerzen für das neue Jahr noch heute am 2. Februar geweiht. Die Geschichte von Simeon und Hanna geht mir ans Herz, denn bei Lukas 2,29-32 heißt es: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.“ Viele Komponisten haben diesen Text in wunderbar sehnsuchtsvolle, aber auch überaus freudvolle Musik verwandelt, wie Mendelssohn, Rheinberger… , natürlich die Vertreter der musikalischen Romantik, denn ihnen war die Seele und ihre Regungen besonders wichtig. An Weihnachten, am 25.12.20, habe ich Euch Peter Cornelius ans Herz gelegt, eben einen solchen Vertreter der Romantik, der das Simeonslied bei seinen Weihnachtsliedern einordnet. Er vertont diesen Text:

Das Knäblein nach acht Tagen/ward gen Jerusalem/zum Gotteshaus getragen/vom Stall in Bethlehem./Da kommt ein Greis geschritten,/der fromme Simeon./Er nimmt in Tempels Mitten/vom Mutterarm den Sohn;/vom Angesicht des Alten/ein Strahl der Freude bricht./Er preiset Gottes Walten/weissagungsvoll und spricht:/"Nun lässest du in Frieden,/Herr, deinen Diener gehen,/da du mir noch beschieden/den Heiland anzuseh’n,/den du der Welt gesendet,/daß er dem Heidentum/des Lichtes Helle spendet/zu deines Volkes Ruhm!"/Mit froh erstaunten Sinnen/vernimmt's der Eltern Paar./Dann tragen sie von hinnen/das Knäblein wunderbar.

https://www.youtube.com/watch?v=60NBz5VnWGk  gesungen in einer Chorversion vom Mainzer Domchor, mit einer sehr schönen Orchesterbegleitung. Hört doch mal rein, in die Worte „ein Strahl der Freude bricht…“ und in die Worte Simeons: „Nun lässest du in Frieden deinen Diener gehen.“ Mich berühren sie sehr!

Der Tag heute, der 22.01.21, ist der 97. Geburtstag von Frau Prietzel, die die Gemeinde Salvator und auch mich über so viele Jahre begleiten konnte. Ihr widme ich an dieser Stelle in Dankbarkeit den Hinweis auf ihr Lieblingslied: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen!“ von Felix Mendelssohn aus dem „Elias“ gesungen von „voces8“ aus Großbritannien.  https://www.youtube.com/watch?v=dNNWP8L2K9w

Mit diesem Segenswunsch hoffe ich auf einen guten Jahresverlauf für uns alle und besonders für jene, denen es im Moment nicht so gut geht.

Hört doch mal rein!

Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin