Wenn das Leben eine Quizshow wäre…
Die letzten Wochen vor meinem Examen stehen an. Ich bin nervös und unausgeglichen, habe Angst, suche das Gebet, bin gestärkt und dann doch wieder verunsichert. Schaffe ich das? Will das der Herr für mich? Fragen über Fragen – ich komme mir vor wie bei Günther Jauch auf dem heißen Stuhl. Ich werde keine Million gewinnen, doch das, was mich in drei Wochen belohnt, ist viel mehr wert als eine Million. Es ist meine Berufung!
Meine Schülerinnen und Schüler stehen genau da – vor ihrer Entscheidung, was sie nach der 10.Klasse machen werden. Unser Unterrichtsthema ist: Job, Beruf, Berufung. Also erzählen sie mir viel. Ich höre zu, was sie mir über sich selber und ihre Ideen erzählen und dann denke ich: Das kenne ich doch! Sie suchen nach ihrer Berufung im Leben und es klingt nach der Nadel im Heuhaufen. Und es ist furchtbar anstrengend. Als ich so alt war, dachte ich immer es sei mein Problem sie nicht zu finden. Ich bin einfach zu dumm, ich kann nichts, ich stelle mich doof an. Meine Suche war lang, aber letztendlich doch erfolgreich. Nun sitzt mir eine Klasse „Ichs“ gegenüber und sie suchen ihre Berufung und beginnen wie ich damals zu zweifeln. Schauen wir auf andere, scheint es klar zu sein. Sie hatten das große Glück und haben die Nadel bereits gefunden: Lieber Gott, alles klar, danke, ich habe keine weiteren Fragen! Und dann gibt es meine Klasse und die vielen jüngeren „Ichs“: Lieber Gott, ja könnte sein, muss aber nicht, haste noch was anderes? Und die Frage nach der Selbstberufung treibt uns um. Nein, das geht sicher nicht. Nichts Schlimmeres als sich selbst berufen. Also hören wir auch Gott, der unmissverständlich sagt: Such genauer, wer sucht, der findet, streng dich an!
Heute frage ich mich, wie ich auf dieses Berufungsverständnis kam? Was um Himmels Willen hat mich glauben lassen, dass Gott seine Freude daran hat, mich suchen zu lassen. Dass er eine Freude daran haben könnte, mich ewig suchen zu lassen?! Das tut er nämlich nicht. Ich bin fest davon überzeugt, Gott hat für jeden seine Pläne und er versucht uns, für seine Pläne zu gewinnen, er klopft an, er wirbt und lädt ein. Manchmal stupst er auch an, manche brauchen das! Und er ist uns nicht böse, wenn wir’s nicht gleich kapieren und eben länger brauchen. Es ist eben keine Quizshow, nach dem Motto das wäre ihr Preis gewesen. Wenn wir es nicht verstehen, macht er einen neuen Vorschlag, klopft wieder an, lädt erneut ein und stupst nochmal. Die ein für alle Mal verspielte Chance, kennt er nicht und braucht er auch nicht. Wenn es um Lebensoptionen geht, gehen ihm die Ideen nicht aus.
Was Gott sicher nicht will, das unsere Lebensenergie einfach so im Nichts verpufft. Der heilige Paulus hatte keinen weiteren Fragen, er versteht sich als Mitarbeiter Gottes. Er teilt seine Berufung und seine Energie. Das gefällt mir. Es geht um die Energie zwischen mir und Gott. Berufung darf kein anstrengender Energiefresser sein, denn sie ist ja kein Selbstzweck! Herauskommen soll meine Lebensenergie für Gott, die anderen und nicht zuletzt für mich!
Also schaue ich in die erwartungsvollen Augen meiner Schülerinnen und Schüler und kann ihnen nur immer wieder gut zu raten, die Nadel nicht aufzugeben, sie weiter zu suchen und sich zu fragen, was Gott in ihrem Leben für sie wirken soll und wo sie Gott in seinem Weinberg sehen wird. Egal wie lange die Suche dauern wird.
Wir sind die Showmaster für unser Leben, Gott führt im Hintergrund Regie. Das ist gut zu wissen, denn er ist da und hat das Drehbuch noch nicht fertig geschrieben und ich weiß er lässt mich mitschreiben.
Bleiben Sie behütet und im Drehbuch Gottes geborgen,
herzlichst
Ihre Anja Schmidt
