„Vom Suchen und vom Finden“ -
Was die drei Tagestexte vom Sonntag verbindet.
„Suchen Sie Gott, und Sie werden ihn finden.
Suchen Sie Gott in allen Dingen, und Sie werden ihn in allem finden.
Suchen Sie ihn immer, und Sie werden ihn immer finden.“
Dieser Gedanke von Vinzenz Pallotti könnte, so glaube ich, sinnbildlich über den Texten des heutigen Sonntags stehen. Es gehört zwar etwas dazu, um zu dieser Meinung zu kommen, aber Texte können und wollen uns ja auch immer wieder herausfordern.
Es sind drei Texte, die ich gerne miteinander in Verbindung bringen möchte, weil sie eine spannende Sinnlinie im Blick auf unser Suchen und Finden beinhalten.
Die Lesung aus dem Buch Jesaja beschreibt die Größe der Gedanken Gottes. Diese Größe bemisst sich vor allem darin, dass sie die Chance zur Umkehr aufzeigt. Unser Gott ist ein Gott des Erbarmens und des Verzeihens. Meine ganz persönliche Suche und unsere je eigene Suche nach Gott können von so vielen Unwägbarkeiten beeinflusst sein. Doch Umwege oder sogar auch Abwege sind nichts, was mich, was uns von Ihm wirklich trennen werden. Immer wieder wird einer und einem Jeden von uns die Chance geboten, Ihn, Ihn wieder oder Ihn wieder neu zu entdecken und zu finden.
Diesen Gedanken greift der Apostel Paulus, so verstehe ich die Gedanken in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi, auf. Er schreibt uns allen etwas ganz Wichtiges ins Stammbuch: „Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht!“ Paulus schreibt dies im Gefühl eines doppelten Bedrängt-Seins. Ich glaube, dass es in meinem und unserem Leben ein solches Bedrängt-Sein auch immer wieder gibt. Es äußert sich sicherlich auf ganz unterschiedliche Art und Weise sowie in den verschiedensten Situationen. Sei es im Alltag, im Beruf, in Beziehungen und Freundschaften oder sei es im Blick auf eine so grundsätzliche Frage wie die nach dem Sinn des Lebens. Mit all diesen Herausforderungen, denen wir uns stellen können und manchmal auch müssen, können wir aber auf die Nähe Gottes, auf seine Liebe vertrauen. Es ist mehr als nur ein Zugeständnis Gottes, es ist die bedingungslose Liebeserklärung Gottes an jede und jeden Einzelnen von uns, an jeden Menschen und zu jeder Zeit. Ein Leben im Sinne des Evangeliums ist die Einladung, ein Leben zu führen, das uns einerseits ganz persönlich und andererseits als Gemeinschaft mit Gott und untereinander verbindet.
Um dies besser verstehen zu können, erhalten wir im Evangelium einen Einblick in die Abläufe, vielleicht sogar in die Logik des Himmelreichs. Es geht um Unterschiedslosigkeit, um Gerechtigkeit und Gleichheit, vor allem aber um die Liebe. Aus meiner Sicht zeigt das Gleichnis, das Jesus seinen Freund*innen erzählt, auf, dass Gott nicht kleine Zugeständnisse macht, sondern vielmehr aus Liebe handelt. Es wird gegeben, Jeder und Jedem zu gleichem Teil. Es wird nicht auf Unterschiede geachtet. Nein, Jede und Jeder bekommt das Gleiche. Es ist, so glaube ich, ein Sinnbild für die Liebe, die Gott Jeder und Jedem von uns zuteilwerden lässt. Er schaut nicht nach Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder Begabungen. Er schaut auf den Menschen. Dieser Blick der Liebe versinnbildlicht das, was im ersten Schöpfungsbericht grundgelegt ist: Gott hat uns Menschen aus seinem Wesen der Liebe als seine Ebenbilder geschaffen und uns Freiheit geschenkt. Wir dürfen und können mit dieser Freiheit umgehen und uns zugleich seiner Liebe sicher sein. Dies dürfen wir auch, wenn uns unsere Suche nach dem Sinn unseres Lebens und unsere Suche nach Ihm über Um- oder gar Abwege führt.
Es ist dies eine der Sinnlinien der heutigen Tagestexte: Im Vertrauen auf das Erbarmen sowie das Verzeihen Gottes mögen wir versuchen, dem Evangelium Christi entsprechend zu leben, und dürfen uns sicher sein, dass Gott uns immer wieder an- und aufnimmt. Und dies gilt auch und gerade für die Letzte und den Letzten, denen aus Güte und Liebe das Gleiche wie allen zuteil wird.
Ich verstehe das so: In all unserem Warten und Suchen war und ist Gott schon immer anwesend. Er hat auf uns gewartet, er wartet auf uns und wird immer auf uns warten. Es ist vielleicht vergleichbar, wie man auf eine Freundin oder einen Freund wartet, auf einen geliebten Menschen oder einfach nur auf ein gutes Wort, ein Lächeln oder einen kleinen liebevollen Gruß. Versuchen wir es doch einfach mal und lassen uns dabei vom Gedanken Vinzenz Pallottis bewegen, der es so herrlich passend zusammengefasst hat:
„Suchen Sie Gott, und Sie werden ihn finden.
Suchen Sie Gott in allen Dingen, und Sie werden ihn in allem finden.
Suchen Sie ihn immer, und Sie werden ihn immer finden.“
Ich wünsche gelingendes, dauerhaftes Suchen und noch mehr liebevolles Finden und Angenommen-Werden.
In Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes, der uns in jeder Suche auch finden lässt, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:
Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!
Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent
