Impuls

Wort zum Freitag, 18.03.2022 Gebet

Bild: pixabay.com

GEBET

Herr, manchmal habe ich den Eindruck, dass Du mich, uns verlassen hast. Ich gebe mir Mühe, ein anständiges Leben zu führen, dem Nächsten zu helfen, so wie ich kann, jeden Tag, den Du schenkst, nach bestem Wissen und Gewissen zu bewältigen. Und doch habe ich den Eindruck: alles scheint umsonst zu sein, so wie es der Psalm rezitiert: „Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Verhängnis, schnell geht es vorbei, wir fliegen dahin“ (Ps 90,10).

In den kleinen Dingen des Alltags gibt es immer wieder Missverständnisse, frustrierte Erwartungen, Spannungen, Diskussionen, die zu beabsichtigten oder unbeabsichtigten Verletzungen führen.

Seit zwei Jahren wütet das Coronavirus. Es hat nicht nur der physischen und psychischen Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt geschadet, sondern die sozialen und familiären Beziehungen, das Gemeindeleben in unseren Glaubensgemeinschaften, den Umgang untereinander zutiefst gestört, wenn nicht sogar zerstört. „Es ist nur vorübergehend. Man muss jetzt halt eine Zeit die Unannehmlichkeiten annehmen, die Zähne zusammenbeißen und alles wird wider gut!“ So habe ich immer wieder gedacht, mir und meinen Mitmenschen Mut gemacht.

Jetzt kommt dieser unsinnige Krieg in der Ukraine, vor unserer Haustür, mit all den Folgen, die unter unser aller Blicke sind: Tote unter Soldaten und Zivilisten, Flüchtlinge, die alles verloren haben, Leiden und Schmerz! Angst und Verunsicherung machen sich breit. Wohin wird das Ganze noch führen?

Die Worte eines Psalms kommen mir in den Sinn. Ich schlage in der Bibel das Buch der Psalmen auf und bete:

1 HERR, höre mein Bittgebet, vernimm doch mein Flehen,
in deiner Treue antworte mir, in deiner Gerechtigkeit!

2 Geh mit deinem Knecht nicht ins Gericht;
denn keiner, der lebt, ist gerecht vor dir!

3 Ja, der Feind verfolgte mich, / trat mein Leben zu Boden,
ließ mich in tiefer Finsternis wohnen wie längst Verstorbene.

4 Daher schwand mir mein Lebensgeist,
mein Herz erstarrt in meinem Innern.

5 Ich gedachte der Tage der Vorzeit, / erwog all deine Taten,
ich sinne nach über das Werk deiner Hände.

6 Ausgebreitet habe ich meine Hände zu dir,
wie erschöpftes Land ist vor dir meine Seele.

7 Eile, HERR, gib mir Antwort,
denn es erlischt mein Lebensgeist!
Verbirg vor mir nicht dein Angesicht,
sonst gleiche ich denen, die hinabfahren in die Grube.

8 Lass mich am Morgen deine Huld erfahren,
denn auf dich vertraute ich!
Lass mich den Weg erkennen, den ich gehen soll,
denn zu dir erhob ich meine Seele!

9 Entreiß mich meinen Feinden, HERR
zu dir nehme ich meine Zuflucht!

10 Lehre mich tun, was dir gefällt, / denn du bist mein Gott!
Dein guter Geist leite mich auf ebenem Land.

11 Um deines Namens willen, HERR, wirst du mich am Leben erhalten, /
wirst du mich herausführen in deiner Gerechtigkeit
aus der Drangsal meiner Seele.

(PS 143)

 

Pfr. Arduino Marra