Impuls

Wort zum Freitag, 15.10.2021 Hört doch mal rein

Bild: Sonja Schek, Ausschnitt des Orgelspieltischs der Seifert Orgel in Salvator-Lichtenrade

Hört doch mal rein

Der Psalm 32, der heute in den Tageslesungen gesungen wird, ist hier mal kein Jubelpsalm, sondern Teil der sieben Bußpsalmen König Davids (Psalm 6, 32, 38, 51, 102, 130, 143) und thematisiert den Segen der Vergebung. „Der Frevler leidet viele Schmerzen, doch wer dem Herrn vertraut, den wird Er mit seiner Huld umgeben. Freut euch am HERRN und jauchzt, ihr Gerechten, jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen.“

Ich bin auf der Suche nach Trost in diesen Tagen, wo Leben und Sterben so eng miteinander verwoben sind -  durch so viele Todesnachrichten in unserer Gemeinde. Ich bin tief erschüttert und traurig und denke an meinen eigenen Verlust durch Tod erst dieses Jahr…

Sicher ist Vergebung auch oft ein Thema, wenn ein geliebter Mensch plötzlich von uns geht und etwas Trennendes nicht mehr geklärt werden kann. Umso tröstlicher ist die Gewissheit der göttlichen Vergebung, die uns geschenkt ist. Wir Menschen bleiben uns gegenseitig Dinge schuldig. Das war schon immer so, auch vor vielen tausend Jahren. In der Lesung des Apostels Paulus an die Römer heute bezieht er sich auf diesen Psalm. Es heißt: „Auch David preist den Menschen selig, dem Gott Gerechtigkeit unabhängig von Werken anrechnet…“. Deshalb erscheint mir der Gedanke, dass Gott zwischen uns Menschen in allen Beziehungen immer der immer anwesende, unsichtbare Dritte ist, als besonders wichtig. Gerne höre ich diesen Aspekt in den Predigten bei Trauungen. Als ich vor vielen Jahren meinen Dienst hier in Salvator antrat, gab uns Pfarrer Klaus Kliesch eben diesen Gedanken aus dem Psalm 32 und der heutigen Lesung oft mit auf den Weg: „Du bist geliebt -  vor aller Leistung und trotz aller Schuld!“  Das ist ein sehr großer Trost, den unser Glaube uns hier schenkt und nicht selten habe ich an diesen Satz gedacht, wenn im Leben „Sand im Getriebe“ war.

In der Barockzeit ist Schmerz sehr schön in Musik verwandelt worden, deshalb passt für mich diese Musik heute sehr gut zu meinen traurigen Gedanken. Außerdem ist die Barockmusik verlässlich, sie löst Dissonanzen immer auf, sie ist recht gut vorhersehbar und doch ist sie im Kleinen wunderbar vielfältig. Das von mir ausgewählte Stück ist der Psalm 32 von Benedetto Marcello (1686-1739, Venedig). Er war Jurist und hat „nebenbei“ immer komponiert und Musik gemacht. Durch diese „Psalmenparaphrasen“ (50 Psalmen sind bekannt) hat er in seiner Zeit europaweiten Ruhm erlangt. Für Fans, die sich in der Barockmusik ein wenig auskennen, klingt der Name bekannt, denn er hat einen berühmten Bruder: Alessandro Marcello, dessen Oboenkonzert in d-Moll durch eine Bearbeitung Johann Sebastian Bachs populär wurde. Hier ist nun eine Version in Zusammenarbeit des britischen Vokalensembles „Voces 8“ mit dem französischen Instrumentalensemble „Les Inventions“ zu hören. Diese Künstler verstehen es wunderbar, die alte Musik wieder zum Leben zu erwecken. Intensiver wird das Stück, wenn der Psalm mitgelesen wird. (Im Anhang gibt es eine zweisprachige Darstellung als Orientierung, die aber von der gesungenen  leicht abweicht.)

https://www.youtube.com/watch?v=kcS832GWLqE

Bleibt gesund, achtet auf Euch und … hört doch mal rein!

Eure / Ihre Sonja Schek, Kirchenmusikerin

 

 

Anhang:

Psalms 32

Freude über die Vergebung

 [Von David. Ein Weisheitslied.]

 

1 Wohl dem, dessen Frevel vergeben / und dessen Sünde bedeckt ist.

1 Blessed is the one whose sins are forgiven, whose transgressions are covered.

2 Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt / und dessen Herz keine Falschheit kennt.

2 Blessed is the one whose sin the LORD does not count against them and in whose spirit is no deceit.

3 Solang ich es verschwieg, waren meine Glieder matt, / den ganzen Tag musste ich stöhnen.

3 When I kept silent, my bones wasted away through my groaning all day long.

4 Denn deine Hand lag schwer auf mir bei Tag und bei Nacht;/ meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers. [sela]

4 For day and night your hand was heavy on me; my strength was sapped as in the heat of summer.

5 Da bekannte ich dir meine Sünde / und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. / Und du hast mir die Schuld vergeben. [sela]

5 Then I acknowledged my sin to you and did not cover up my iniquity. I said, “I will confess my transgressions to the LORD.” And you forgave the guilt of my sin.

6 Darum soll jeder Fromme in der Not zu dir beten; / fluten hohe Wasser heran, ihn werden sie nicht erreichen.

6 Therefore let all the faithful pray to you while you may be found; surely the rising of the mighty waters will not reach them.

7 Du bist mein Schutz, bewahrst mich vor Not; / du rettest mich und hüllst mich in Jubel. [sela]

7 You are my hiding place; you will protect me from trouble and surround me with songs of deliverance.

8“Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst. / Ich will dir raten; über dir wacht mein Auge.“

8 I will instruct you and teach you in the way you should go; I will counsel you with my loving eye on you.

9 Werdet nicht wie Ross und Maultier, / die ohne Verstand sind.

Mit Zaum und Zügel muss man ihr Ungestüm bändigen, / sonst folgen sie dir nicht.

9 Do not be like the horse or the mule, which have no understanding but must be controlled by bit and bridle or they will not come to you.

10 Der Frevler leidet viele Schmerzen, / doch wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.

10 Many are the woes of the wicked, but the LORD’s unfailing love surrounds the one who trusts in him.

11 Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, / jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!

11 Be glad in the LORD and rejoice, you righteous; sing, all you who are upright in heart!