Impuls

Wort zum Freitag 15.01.2021

Vertrauen auf den Menschen durch den Herrn

„ Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Der Satz wird traditionell Lenin zugeschrieben und Sie kennen ihn ganz sicher auch. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn in meinem Leben gehört habe und ich möchte auch nicht meine Kinder fragen, wie oft ich ihn zu ihnen gesagt habe.

Nein, haben Sie keine Angst, ich werde ihn nicht heute zu Ihnen sagen. Er ist mein Einstieg, er ist das erste Wort, aber lange nicht das letzte. Um was geht es? Um Vertrauen! Vertrauen ist gut. Ja, wenn ich auf den Herrn vertraue. Der Psalm 118,8 lehrt mich das: „Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen.“ Dem Herrn vertrauen, steht an erster Stelle. Er lässt sich nur schwer kontrollieren. Und das mag ich viel mehr. In meinem Eingangssatz geht es allerdings um das Vertrauen, dass sich Menschen gegenseitig aussprechen. Damit tun wir uns nämlich echt schwer. Aber ohne Vertrauen geht nichts im Leben. Vertrauen ist wie die Luft, die ich zum Atmen brauch, ohne die ist Leben nicht möglich. Wer vertraut, gibt seinen Menschen einen Vorschuss – den Vertrauensvorschuss. Ich kann mir Vertrauen bei niemandem einfordern, ich kann so handeln, dass Menschen mir Vertrauen schenken und eben mir jenen Vertrauensvorschuss gewähren. Der erste Schritt dafür, ist das ich anderen Menschen mit Vertrauen begegne. Gewährtes Vertrauen schafft neues Vertrauen.

Vertrauen müssen wir in diesen Tagen vielen Menschen, vor allen Dingen unbekannten Menschen. Entscheidungen, die für uns lebensentscheidend sind, werden von Menschen gemacht, denen ich vertrauen muss, ob es will oder nicht. Kontrollieren kann ich es schwer. Bestes Beispiel sind für mich derzeit die USA. Menschen vertrauen zum Teil blind einem Menschen ohne ihn zu hinterfragen. Die Entscheidung, die die Amerikaner treffen, ist für oder gegen eine Person und nicht deren politische Überzeugung oder deren Themen. Sie setzen auf die Option Mensch. Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen. Das ist dann in erster Linie ein Widerspruch und ein Einspruch gegen das optimistische Menschenbild, gegen das Urvertrauen, dass ich in diejenigen setze, mit denen ich zusammen lebe und die mit mir gemeinsam Gottes Welt gestalten. Im angesprochenen Psalm hebelt die Option Gott die Option Mensch aus. So scheint es. Vertrauen will gewagt sein, aber es ist vor Blauäugigkeit zu schützen. Niemand – kein Mensch, keine Technik, keine Institution ist in absoluter Hinsicht vertrauenswürdig. Dennoch: Vertraue, aber schau, wem dein Vertrauen gilt! Vertrauen muss realistisch bleiben, sonst überfordert es und kann nicht mehr geleistet werden.

 

Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und nicht sich verlassen auf den Menschen. Es ist kein Gegensatz, es ist ein Weg! Trotz falscher Erfahrungen und enttäuschten Vertrauens, traue ich den Menschen. Ich setze auf sie. Denn durch den Menschen spricht Gott zu mir. Weil ich vertraue, kann ich glauben. Glauben meint, auf Gott zu setzen, im Vertrauen auf den Heiligen Geist. Glauben heißt auch, sein Leben darauf zu gründen, dass noch etwas aussteht, etwas Größeres – Gott. Und darauf zu vertrauen ist Glauben. Ich habe Gott-Vertrauen, weil Gott Menschen-Vertrauen hat. Klingt kompliziert, isses aber nicht. Denn all mein Vertrauen in die Menschen rührt aus dem Vertrauen, welches Gott tagtäglich uns gegenüber erweist. Den besten Beweis haben wir vor wenigen Wochen selbst gefeiert. Gott ist Mensch geworden. Gott selbst wird in Jesus Mensch. Würde er das wirklich tun, wenn er uns nicht vertraut? Er wird Mensch, weil er uns Menschen vertraut.

 

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die eingangs beschriebene Kontrolle hilfreich sein mag, um Sicherheit zu gewinnen, aber in unserer komplexen unüberschaubaren Welt, kann sie am Ende nichts ausrichten. Vertrauen ist besser, weil sie unser Menschsein ernst nimmt und weil wir es zum Leben brauchen. Es ist gut sich auf Gott zu verlassen und wir können einander vertrauen, weil Gott sich auf uns Menschen verlässt.

 

Im Vertrauen auf den Herrn, wünsche ich Ihnen allen Zuversicht in diesen verworrenen Zeiten, in denen Vertrauen ein hohes Gut für uns alle ist.

 

Herzlichst, Ihre Anja Schmidt.

Gemeindeassistentin