Impuls

Wort zum Freitag 11.06.2021

Hört doch mal rein,

Am dritten Freitag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Herz-Jesu-Fest, ein Hochfest.  Es ist dadurch ein Fest, das auch vom Osterdatum abhängt. So wie Fronleichnam noch einmal den Gründonnerstagsgedanken aufgreift, so greift dieses Fest den Karfreitagsgedanken aus der Heiligen Woche wieder auf. Papst Pius IX. führte das Fest in der Mitte des 19.Jahrhunderts ein. „In der Bibel [gilt das Herz] als die Mitte des Menschen, als Sinnbild der ganzen Person, seines Fühlens und Wollens. Das Herz Jesu im Speziellen steht für die unendliche Liebe des Gottessohnes.“ (www.katholisch.de) Das klingt gar nicht so altmodisch. Die Frömmigkeit des Hochmittelalters und verschiedene Visionen der Margareta Maria Alacoque (von einem Christus, der auf sein Herz deutet) waren dafür verantwortlich, dass in den Orden der Zisterzienser, Dominikaner und auch Jesuiten die Verehrung des Herzens Jesu etabliert wurde. Erstaunlich ist, dass es sich um ein ökumenisches Fest handelt, das aber  im 20. Jahrhundert an Bedeutung verlor. Papst Benedikt XVI nahm in seiner ersten Enzyklika DEUS CARITAS EST ausdrücklich auf das Herz Jesu Bezug und rief zu einer Erneuerung der Herz-Jesu-Frömmigkeit  im Monat Juni auf. In Österreich und Südtirol finden am Sonntag nach dem Herz-Jesu-Fest zahlreiche Prozessionen statt und im Raum Bozen werden Herz-Jesu-Feuer entzündet. Der Ursprung liegt im Johannesevangelium, dessen Text wir auch heute lesen, wo beschrieben wird, wie der Hauptmann nach Jesu Tod mit der Lanze die Seite und das Herz durchsticht. Letzten Endes stehen dann das aus dem Herzen Jesu  strömende Blut und Wasser für die Erlösung der Menschen, und hier entspringen die Sakramente der Kirche. Aus diesen Quellen des Heils sollen alle freudig schöpfen. Hier ist der Bezug auf Karfreitag.

Der Antwortpsalm enthält heute Worte aus Jesaja 12, das Danklied der  Erlösten Israels. Ein für mich bewegendes kleines Musikstück ist hier vertont, das ich in vielen Jahren mit dem Chor und der Gemeinde gesungen habe:  „Jauchzet und jubelt, denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels“. Ich mag diese wirklich gelungene Komposition von Heinz Martin Lonquich sehr, und bin sehr froh, dass ich ihn in den ersten Fortbildungen noch persönlich in Köln Altenberg kennenlernen durfte.  In vielen Psalmvertonungen verwendete er musikalische Elemente, die auf den jüdischen Ursprung der Psalmen hinwiesen. Da es keine Vertonung von ihm auf youtube gibt, möchte ich Euch ein anderes Werk ans Herz legen, das es verdient hat, in Muße gehört zu werden: Die H-Moll-Messe von J.-S. Bach. Als ich im Bach-Museum in Eisenach in der nachgestellten multimedialen kleinen Bibliothek von J.S.Bach stand und all die abgegriffenen Quellen sah, mit denen sich Bach beschäftigte, wenn er komponierte (Bibelauslegungen, Predigten und die Bibel selbst) , dann wurde hier schnell offenbar mit welch tiefer Glaubensüberzeugung er arbeitete. Was bedeutet das Herz Jesu für uns heute? Öffnen wir unser Herz für den Glauben an den liebenden Gott, seinen Sohn und die Heilige Geistkraft, die uns immer begleitet – gerade auch im Alltag durch kleine Oasen des Innehaltens im Strom der Zeit. Lassen wir uns berühren, von dem was HERZ ausmacht! Im Hören dieses langen Werkes werden wir quasi entschleunigt und geben für eine kurze Zeit all dem Raum, was Bach angetrieben hat, … dem Glaubenszeugnis. Vielleicht hören wir das Herz Jesu, das Herz Gottes oder das eigene Herz dabei?!

Hört doch mal rein https://www.youtube.com/watch?v=3FLbiDrn8IE

Ihre und Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin