Fahr hinaus!
Liebe Schwestern und liebe Brüder,
auf dem Bild ist der See Genezareth zu sehen. Das Bild ist während einer Reise in das Heilige Land vor fast genau drei Jahren entstanden. Wie wahrscheinlich bei jeder Pilgerin und jedem Pilger, der dort am See ist, war auch mein Gedanke: Ich versuch´ das mal, über das Wasser zu gehen. Leider hat es zumindest bei mir nicht funktioniert. Nach wenigen Zentimetern waren die Schuhe schon nass. Aber vielleicht war es auch nur zu zögerlich und ein großer, mutiger und entschlossener Schritt hätte bewirkt, … dass nicht nur die Schuhe, sondern auch noch die Hose nass geworden wären und das bei kalten Temperaturen wie in diesen Tagen hier in Berlin, naja.
Die Erfahrung am See damals in Galiläa bringt mich zu der Frage: Worauf vertraue ich oder wieviel Vertrauen habe ich in die Frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus.
An diese Frage und den Moment damals am See Genezareth habe ich mich vor einer Woche erinnert beim Lesen der Texte für den letzten Sonntag, der der fünfte Sonntag im Jahreskreis war. Da wir aber am letzten Wochenende unser Kirchweihfest gefeiert haben, hatte ich für die Vorabendmesse und die Eucharistiefeier um 11.00 Uhr einen anderen Text vorgesehen: das Evangelium, in dem es um die Werke der Barmherzigkeit geht. Im Text, der für den fünften Sonntag im Jahreskreis eigentlich vorgegeben ist (Lukas 5, 1-11), geht es um die Berufung der ersten Jünger am See Genezareth.
Einige Fischer waren die ganze Nacht auf dem See, um Fische zu fangen. Jetzt wuschen sie ihre Netze, um sie für die nächste Nacht vorzubereiten. Fische wurden damals mit Schleppnetzen gefangen, die von zwei Booten gezogen wurden. Am Tag konnten die Fische die Netze erkennen und konnten wegschwimmen. Deshalb arbeiteten die Fischer nachts, wenn es dunkel war und die Netze somit für die Fische nicht erkennbar waren. Dennoch haben die Fischer in dieser Nacht nichts gefangen. In diesem Moment kommt Jesus hinzu und verkündet ihnen das Wort Gottes. Nach seinen Worten sagt er zu Simon: Jetzt fahr auf den See und werft dort die Netze aus. Das muss für Simon zunächst mehr als unverständlich gewesen sein. Es war heller Tag, die Fische werden die Netze sehen, das wird nichts. Und außerdem sind hier heute keine Fische. Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und unsere Netze sind leer.
Aber Simon vertraut auf den Herrn: Herr, wenn du es sagst, dann fahren wir noch einmal auf den See und werfen die Netze aus. Und die Netze waren voller Fische.
Simon erkennt, wem er das begegnet und wirft sich Jesus zu Füßen. Jesu sagt zu Simon: fürchte dich nicht. Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Damit wurde Simon, den der Herr später Petrus, Fels, genannt hat, als erster der Jünger berufen.
Aus dem Text aus dem Lukasevangelium wird deutlich, dass es nicht allein auf die Möglichkeiten und Erfahrungen ankommt, die Petrus als Fischer hat. Nur dies reicht nicht aus, um die Netze zu füllen. Entscheidend ist, dass das Vertrauen auf den Herrn dazu kommt. Er allein ist der Meister, wie Simon es bekennt. Und dann werden die Netze voll sein. Dennoch kommt es aber schon auch auf die Fähigkeiten des Simon als Fischer an. Jesus ist nicht allein mit dem Boot auf den See gefahren, um Fische zu fangen. Das haben dann schon Simon und seine Gefährten getan. Zum Vertrauen, das die Fischer hatten, kam Mut hinzu. Sie haben bei Tag ihre Netze ausgeworfen. Sonst haben sie immer nachts gearbeitet. Das war der Standard, nur so ging es, das war die Regel. Die Fischer haben im Vertrauern auf den Herrn die bisherigen Gewohnheiten abgelegt, haben Mut gefasst und ihre bisherigen Arbeitsweisen verlassen, auch wenn es schon immer so war und auch noch so gut begründet war. Sie sind beim Fischen neue Wege gegangen. Neue Wege mit dem Boot zu fahren, dazu hat der Herr sie aufgefordert „Fahr hinaus auf den See!“. Die Fischer sind damals mit dem Herrn im Boot aufgebrochen. Die Netze waren voll, was wohl niemand erwartet hatte.
Dieses Vertrauen auf den Herrn wünsche ich mir noch mehr für unsere Kirche. Im Vertrauen auf und mit dem Herrn neue Weg zu gehen, auf die er uns ruft. Dieses Vertrauen wünsche ich uns allen und damit auch mir. Und vielleicht sollte ich - um auf die Geschichte am Anfang des Textes zurück zu kommen - nicht versuchen, über das Wasser zu gehen, sondern Brücken zu bauen über das Wasser, über die auch Menschen gehen können, die bisher nichts oder wenig vom Wort Gottes gehört haben, so dass auch sie Vertrauen auf den Herrn haben können.
Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze
