Liebe Schwestern und Brüder,
in meinem Portemonnaie habe ich immer einen kleinen Rosenkran dabei, der auf dem Bild zu sehen ist. Als ich vor einigen Tagen das Portemonnaie öffnete, bemerkte jemand den Rosenkranz und fragte, ob ich den Rosenkranz immer dabeihabe. Ja, sagte ich. Und weiter sagte ich: Seitdem ich den Rosenkranz im Portemonnaie habe, war es noch nie leer.
Natürlich haben wir beide gelacht …
Der Oktober ist der Rosenkranzmonat. Am letzten Sonntag haben wir die Reihe unser Rosenkranzandachten mit einer feierlichen Andacht mit eucharistischem Segen eröffnet.
Einer der früheren Päpste hat einmal gesagt: Den Rosenkranz beten, bedeutet von Maria zu lernen.
In der Bibel lesen wir beim Evangelisten Lukas, dass der Engel Gabriel zu Maria gesandt wurde. Der Engel trat bei ihr ein und grüßte sie mit den Worten: Sei gegrüßt du Begnadete. Du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst einen Sohn gebären. Ihm sollst du den Namen Jesus geben. Maria hat auf die Botschaft des Engels gehört und hat geantwortet: Mir geschehe, wie du gesagt.
Von Maria zu lernen bedeutet, auf die Botschaft Gottes, das Wort Gottes, zu hören. Vielleicht wird uns dieses Wort nicht wie damals durch einen Engel überbracht, aber wir haben das Wort Gottes, das in der Heiligen Schrift überliefert ist. Ein Buch, das nicht vom Himmel gefallen ist, sondern über viele Jahrhunderte hinweg geschrieben wurde. Ein Buch aus alter Zeit könnte man sagen, aber es ist sehr lebendig. Das wird mir häufig bewusst bei der Vorbereitung einer Predigt. Den Text des Evangeliums des Sonntags lese ich schon am Anfang der Woche. Manchmal ergeht es mir dabei sicher wie Ihnen und Euch, wenn man einen Bibeltext hört. Die Texte sind bekannt. Nach wenigen Sätzen weiß man schon, wie die Sache ausgeht. Man schaltet ab. Aber es kann gerade dann spannend werden, wenn die Gedanken zurückgeholt werden zum Text der Bibel und man wie Maria genau hinhört auf das Wort Gottes und fragt, was es mit mir oder mit der heutigen Zeit zu tun hat. Dann kann aus einem Text, der vor vielen Jahren geschrieben wurde, ein ganz aktueller oder auch herausfordernder Text werden.
Von Maria zu lernen bedeutet, auf das in der Heiligen Schrift überlieferte Wort Gottes wieder neu zu hören, aber auch auf das Wort Gottes, das er zu jedem Menschen sprechen ganz konkret möchte. Gott hat uns ins Leben gerufen. Für jede und jeden von uns hat er einen Plan für das Leben. Er hat eine Aufgabe für uns vorgesehen. Diese Aufgaben werden in den verschiedenen Lebensabschnitten anders sein: in der Ausbildung anders als im Berufsleben und wieder anders im Ruhestand, in gesunden Tagen anders als in Zeiten der Krankheit.
Von Maria zu lernen bedeutet, genau auf das Wort Gottes zu hören, was er mir sagen möchte, welche Aufgabe er mir zugedacht hat und wie Maria zu antworten: Herr, dein Wille geschehe, nicht mein Wille. Mit deiner Hilfe werde ich die Aufgaben angehen, die mir zugedacht sind, auch wenn ich sie in ihrer Bedeutung jetzt noch nicht erfassen kann, auch das können wir von Maria lernen.
Der Rosenkranz in meinem Portemonnaie erinnert mich immer mal wieder daran, auf das Wort Gottes genauer zu hören, auch im Alltag, wenn ich unterwegs bin. Dabei mache ich die Erfahrung, dass das Wort Gottes ein viel größerer Reichtum ist, als man ihn mit Geld kaufen kann, auch daran erinnert mich der Rosenkranz im Portemonnaie – gebe aber zu, dass es beruhigend ist, wenn neben dem Rosenkranz auch noch mindestens 1 Euro zu sehen ist.
Das Rosenkranzgebet ist ein meditatives Gebet. Durch die Wiederholungen muss man sich nicht auf einzelne Wörter konzentrieren, sondern kann sich ganz darauf einlassen, auf das zu hören, was Gott zu mir spricht. Dazu bieten die Rosenkranzandachten an den Sonntagen im Oktober um 17.00 Uhr in unserer Salvator-Kirche eine gute Gelegenheit. Deshalb lade ich dazu noch einmal herzlich ein.
Bleibt unter dem Schutz des lebendigen Gottes und dem Schutzmantel der Gottesmutter Maria geborgen!
Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze
