Liebe Schwestern und Brüder,
es ist Herbst geworden. Die Tage werden kürzer. Die Blätter fallen von den Bäumen. Die Zeichen der Vergänglichkeit werden in der Natur deutlich. Im Monat November gedenken wir unserer verstorbenen Angehören. Wir erinnern uns an die gemeinsame Zeit mit ihnen. Sie sind nicht einfach weg, sondern sind uns vorausgegangen in die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott. Denn Jesus hat gesagt, ich gehe voraus, um euch eine Wohnung zu bereiten, so lesen wir es im Johannesevangelium. Nachdem Jesus dies den Jüngern damals zugesagt hatte, kam sofort die Frage des Apostel Thomas: Herr wir wissen nicht, wohin du gehst, wo wirst du sein und woher sollen wir den Weg dorthin kennen? Er wollte Gewissheit haben.
Auch wir würden es gern genau wissen: Wie ist es nach dem Tod, wie geht es dann weiter?
Wo sind die Verstorbenen? Gibt es berechtigte Hoffnung, dass wir uns wiedersehen?
Welche Gestalt werden wir dann haben? Und vor allem: Wie wird es sein, Gott zu schauen von Angesicht zu Angesicht? Fragen, die uns vielleicht beschäftigen, gerade jetzt, wo das Jahr zu Ende geht und auch wir selbst an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert werden. Das ist nicht immer einfach, denn es bleiben Fragen offen im Hinblick auf ein Leben nach dem Tod aber auch in der Zeit der Trauer: Wie kann es weitergehen, wie kann ich diese Zeit überstehen? Christlicher Glaube verdrängt diese Fragen nicht.
Kopf hoch, wird schon wieder! Meine Erfahrung ist, dass diese Sätze manchmal schon auch eine Hilfe sein können, aber meist nur für einen Moment, wenn überhaupt. Ein tragfähiger Grund sind diese Sätze nicht. Sie vertrösten, aber wirklicher Trost sind sie nicht.
Trost entsteht im Hören auf den anderen und in der Frage: was brauchst du? Aus dieser Frage entsteht die Hilfe, die gebraucht wird. Das können ganz kleine Dinge des Alltags sein, der nicht einfach zu bewältigen ist. Das kann auch das Aushalten der Stille ein, wenn Worte das Unsagbare nicht mehr beschreiben können, oder es kann das helfende Wort und ein Gebet sein verbunden mit dem Glauben und der Hoffnung, dass Jesus gerade in der Zeit der Krankheit und der Trauer dem Menschen nahe sein will. Die Heilige Schrift berichtet uns an vielen Stellen davon: Jesus hat den binden Bettler Bartimäus geheilt, Jesus hat die Tochter des Jairus von den Toten auferweckt. Jesus war traurig, er weinte als sein Freund Lazarus gestorben war und war bei Maria und Martha, den Schwestern von Lazarus.
Jesus war bei den Menschen, die Hilfe brauchten. Er hat sie nicht vertröstet, sondern hat ihnen das gegeben, was sie gebraucht haben. Daraus entstand neue Hoffnung und neues Leben.
Jesus war damals für die Menschen da und er ist es auch heute, denn er hat auch uns zugesagt: seht ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt und dann werdet ihr mit mir zusammen sein. Ich habe für jede und jeden eine Wohnung bereitet, denn ich will, dass ihr bei mir seid.
Bleibt unter dem Schutz des lebendigen und nahen Gottes geborgen!
Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze
