Impuls

Tagesimpuls 30.04.2020

Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de

„Was mir zur Zeit so auffällt!“-

Von neu entdeckten alten Werten: passt vielleicht.

 

Es gibt so vieles, was mich gerade beschäftigt. Die Zeit der Pandemie lässt mich gerade viel nachdenken und auch reflektieren. Mir fallen viele Dinge auf, einiges stößt mir auch auf, manches lässt mich glücklich sein, anderes macht mich ärgerlich. Ich habe mir die Frage gestellt, ob es richtig sei, dies in einem Tagesimpuls zu beschreiben. Wie Sie merken und ihr merkt, habe ich mich dafür entschieden, aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen.

Menschen, die in unserer Gesellschaft ohnehin immer am Rand stehen, tun dies auch weiterhin, vielleicht gerade auch noch mehr. Wer spricht denn in Zeiten von Corona von Obdachlosen, von Menschen in Flüchtlingslagern, von unbegleiteten Minderjährigen? Themen, die in den Nachrichten immer an erster Stelle gestanden haben, sind plötzlich in den Hintergrund gerückt. Corona ist in aller Munde. Das sorgt auch für eine ganz neue Sensibilität, und das ist die positive Kehrseite dieser Medaille. Die Existenznöte vieler Unternehmerinnen und Unternehmer, die Angst vor Arbeitslosigkeit, die Gefahr von Vereinsamung, die Sorge vor dem Anstieg häuslicher Gewalt und viele andere Themen sind in das Blickfeld von Politik, Gesellschaft und Kirche gerückt. Themen, die allzu oft tabuisiert worden sind, stehen jetzt im Blickfeld des Interesses.

Die herausfordernde Zeit der Corona-Pandemie hat, aus meiner Sicht, Werte wie Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe mit neuem Leben gefüllt. Dabei geht es mir nicht um Rettungspakete der Politik oder ähnliches, sondern um die kleinen Alltäglichkeiten, die so lange gar nicht alltäglich erschienen: beim Einkaufen an die Nachbarn denken, ein lieber Anruf bei einem Menschen der Gemeinde oder der Umgebung, beim Nähen von Mund-Nase-Masken und unzähligen weiteren scheinbar so kleinen guten Taten. Es muss auch nicht immer das große Geschenk sein oder das große Hilfspaket, es ist das kleine Wort „Dankeschön“, das in dieser Zeit unglaublich viel bewirkt und bewirken kann. Unterwegs auf der Straße ein kleines Lächeln oder die Nachfrage „Wie geht es dir?“ oder der Wunsch „Bitte bleiben Sie gesund“! sind für mich keine hohlen Phrasen. All dies ist für mich der Ausdruck ehrlichen und ernst gemeinten Interesses an allen Menschen. Ich sage dies ganz bewusst, denn es geht dabei nicht nur um die Familie, um Freunde und Bekannte oder um Menschen, die mir schon bekannt sind; nein, es geht um eine jede und einen jeden von uns. Im tiefsten Inneren meines Herzens hoffe ich, dass diese Sorge um den Nächsten nicht nur einen Effekt in der Corona-Zeit hat, sondern dass dies zu einer neuen Grundhaltung unserer Gesellschaft und im Miteinander der Menschen weltweit führt.

Auch ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder unbeschwert und persönlich mit Ihnen und Euch sowie den mir wichtigen Menschen zusammen sein zu können: auf eine Tasse Kaffee, zu einem Spaziergang, für einen kleinen Plausch oder ein gutes Glas Wein, am liebsten weiß und trocken, oder so vieles mehr! Aber es geht nicht um meine ganz persönlichen Wünsche, sondern um viel größere Ziele, die vor allem Gemeinwohl und Gesundheit heißen. Und im Sinne dieser Ziele gelten Regeln, die es zu befolgen gilt und für deren Einhaltung ich mich persönlich und auch in der Gesellschaft einsetze.

Ich hoffe, die Tagesimpulse können einen kleinen Beitrag leisten, einander nicht aus den Augen oder aus den Ohren zu verlieren. In einem bin ich mir aber sicher: Im Herzen und im Gebet bleiben und sind wir miteinander verbunden.

 

In diesem Bewusstsein grüße ich Sie und Euch auf die Fürsprache des Heiligen Vinzenz Pallotti ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!

 

Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent