Impuls

Tagesimpuls 29.05.2020

Bild: Sonja Schek, Ausschnitt des Orgelspieltischs der Seifert Orgel in Salvator-Lichtenrade

Hört doch mal rein!

Es war vor einigen Jahren, manch einer erinnert sich bestimmt mit mir daran: Wir feierten Pfingsten am Vorabend in der Kirche, es war sonnig, ein schöner Tag. Während des Gottesdienstes begann der Sturm und dann, als der Gottesdienst zuende war, kam der Wolkenbruch!!! Kaum einer verließ die Kirche, und nach einem kurzen Moment fingen wir an, weiter Pfingstlieder zu singen… es war eine gelöste Atmosphäre im Hauptschiff der Kirche, - singend warteten wir ab, bis sich das Schlimmste verzogen hatte… für mich eine sehr schöne Pfingsterinnerung.

Was bedeutet für mich Pfingsten? Pentecoste, der 50. Tag nach dem Osterfest? Es ist das Fest der Entsendung des Heiligen Geistes, „Zungen von Feuer, auf jedem (der Jünger) ließ sich eine nieder. (Benno Bolze hat ein Bild unserer Kanzel vor drei Tagen in seinem Tagesimpuls hier eingefügt. Die Feuerzungen sind dort wunderbar zu sehen.) Alle (Jünger) wurden mit dem Hl. Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ So steht es in der Apostelgeschichte und Petrus erklärt der Gemeinde das merkwürdige Verhalten der Jünger, indem er den Propheten Joel zitiert:… „eure jungen Männer werden Visionen haben und eure Alten werden Träume haben. Und sie werden Propheten sein. ….Du, (Herr,) zeigst mir die Wege zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht“.

Geist, BeGEISTerung,… das sind für mich sehr wichtige Worte. Ich wünschte, es wäre ein Wort, das über jeder Kirchentür schwebte: „Dies ist ein Haus der BeGEISTerung! Lies beGEISTert, singe beGEISTert, sprich beGEISTert, bete beGEISTert, höre beGEISTert und geh beGEISTert und gestärkt nach Hause!…“ Eine Überschrift, ein Band, das bindet, es könnte so viel in uns bewirken. Das einzige, was es braucht, ist Offenheit…, oder?

Ich vertraue ganz fest auf den Heiligen Geist und so manches Mal durfte ich eine solche Erfahrung machen. Geist-erfahrungen sind für mich Licht-erfahrungen, sind plötzliche Klarheiten, die auf einmal da sind. Unverhofft. Eine schwierige Entscheidung steht im Raum, eine Situation ist verfahren, alles ist beschwerlich. Und dann ist da dieser Moment, in dem alles klar erscheint... Vielleicht eine Begegnung, die hilft, zu verstehen. Vielleicht ein Gottesdienst, wo Raum ist für Verstehen. Vielleicht ein einsamer Spaziergang am Meer, auf dem eine Erleuchtung, eine Lichterfahrung, möglich wird. Vielleicht Worte, von denen ich gar nicht weiß, wo sie herkommen. Immer ist es unerklärlich und immer zum Guten! Diese Kraft des Heiligen Geistes hilft dort, wo es scheinbar nicht mehr weiter geht. Daran glaube ich, das ist mein Trost. Und dann brauche ich nur „Raum“ um zu hören!

Johann Sebastian Bach hat eine wunderbare Motette geschrieben : „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“. Ich durfte diese Motette, die 8-stimmig vertont ist, in einer Chorwoche mit erarbeiten und im Chor singen. Es gibt in ihr Koloraturen, es ist hoch, es gibt heikle Sprünge…, schwer, aber sie ist einfach toll. Sie hat einen enormen Schwung, eine enorme Kraft, sie bringt das Brausen von Pfingsten mit. Wunderbar bringt J.S.Bach das in Töne, was der Text vermittelt.

Der Motettentext kombiniert eine Bibelstelle des Römerbriefs (Röm 8,26–27) mit der dritten Strophe des Kirchenliedes Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (EG 125), das Martin Luther 1524 geschrieben hat.

Der Geist hilft unser Schwachheit auf, denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sichs gebühret;
sondern der Geist selbst vertritt uns aufs Beste mit unaussprechlichem Seufzen.
Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefället.

Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns, fröhlich und getrost
in deinem Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht abtreiben.
O Herr, durch dein Kraft uns bereit und stärk des Fleisches Blödigkeit,
Daß wir hie ritterlich ringen,
Durch Tod und Leben zu dir dringen.
Halleluja, halleluja.

Hört doch mal rein! Wenn wir den barocken Zierrat der Sprache weglassen, steht in der Choralstrophe: Du Tröster, Geist, lass uns begeistert sein und schenke uns und unserem Körper Kraft. Die Motette beschenkt uns mit einem letzten österlichen Halleluja, denn mit Pfingsten ist nun die Osterzeit beendet. Lasst Euch beGEISTern in 7:41 Minuten pfingstlichem Sturm…

https://www.youtube.com/watch?v=YuSDMe0l5EI

Bis demnächst an dieser Stelle in lockererem Abstand…

Eure und Ihre Sonja Schek, Kirchenmusikerin