Warum bist Du so glücklich?
Ich war gestern im Bildungszentrum unseres Erzbistums in Charlottenburg. Ich war lange nicht da und so traf ich auf viele Kollegen und Kolleginnen, die ich eben lange nicht gesehen hatte. Jede und jeder fragte: Wie geht es Dir? Meine Antwort, dass es mir prima ginge und ich mich mit der Situation arrangiert habe, wurde mit einem Nicken bekräftigt. Doch sah ich an den Blicken, dass der ein oder andere vielleicht auch etwas enttäuscht war, da ich nicht in einen Klagemonolog verfiel, weil ja alles so schlimm gerade ist.
Ja, ich bin glücklich! Auch wenn es nicht immer einfach ist, die Frage nach dem Glück zu beantworten. Eher die Frage, wann ich glücklich bin. Als aufmerksamer Leser und aufmerksame Leserin können Sie die Frage mittlerweile auch ganz gut für mich beantworten. Aber hat Glücklichsein immer etwas damit zu tun, dass etwas Schönes passiert ist oder etwas Schönes in Aussicht gestellt ist? Kann ich nicht auch einfach glücklich sein ohne äußere großartige Ereignisse? Ja, auch mir fällt das nicht immer leicht zu glauben, aber ich denke, man kann. Die Mauer zwischen mir und dem Glücklichsein hat nie die gleiche Höhe. Es gibt Stellen, die sind zu hoch, es gibt Stellen, da kann ich einfach durchlaufen. Aber wir wissen alle: Mit meinem Gott springe ich über Mauern!
Wenn auf vieles, was um mich herum geschieht, habe ich gar keinen Einfluss. Ich kann das Wetter nicht einfach manipulieren, wenn es regnet und ich lieber Sonnenschein haben will. Wenn mein Glücklichsein tatsächlich abhängig ist von Sonnenschein und wolkenlosem Himmel, dann wäre ich wohl im Winter meist ein absolut unglücklicher Mensch. Es gibt hunderte von Büchern zum Thema Glück. Wenn man nur mal den Buchrücken kurz anliest, erfährt man in den guten Büchern, dass wir einem Irrweg folgen, wenn wir meinen, dass unser persönliches Glück von äußeren Faktoren abhängig ist. Glücklichsein ist eine Haltung. Ich möchte glücklich sein und aus diesem Blickwinkel betrachte ich mein Leben.
Das wusste der Psalmschreiber des Psalms 73 bereits vor 2500 Jahren:
„Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn; dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück.“
Obwohl seine Situation keine leichte war, kann er diesen Satz sagen. Sein Glück macht er nicht abhängig von äußeren Einflüssen. Sein Glück ist es zu Gott zu kommen, ihm nahe zu sein, ihm alles zu erzählen, was er auf dem Herzen hat. Er findet Freude und Glück in seiner Beziehung zu Gott, weil er sich darin geborgen und sicher fühlt. Getragen von der festen Gewissheit von Gott getragen und versorgt zu werden. Wenn ich den Psalm lese, habe ich das Gefühl, er hat Gottes Hilfe und Trost bereits erfahren und weil er eben um diese Nähe und Treue Gottes zu ihm weiß, fühlt er sich nicht allein, auch wenn es äußerlich so aussehen mag.
So kann ich zu Gott beten und das Vertrauen haben, wenn es mal nicht so läuft, zu wissen, dass sein Trost nicht vergeht. Da macht mich zu einem glücklichen Mädchen.
Dieses Glück zu erfahren wünsche ich Ihnen allen sehr. Vertrauen Sie darauf, es findet Sie!
Ihre Anja Schmidt
Gemeindeassistentin
