Impuls

Tagesimpuls 27.05.2020

„Werde, was Du bist! Werde Mensch!“ -

Jede* ist Gott wichtig und für Ihn einmalig.

 

„Mensch werden ist eine Kunst“, sagte der Dichter Novalis. Ich glaube, da ist wirklich etwas dran. Es geht um einen Prozess, der, und das hoffe ich aus tiefstem Herzen, nicht an ein Ende kommt. Werden ist für mich eine lebenslange Entwicklung, es ist der zentrale Inhalt lebenslangen Lernens. Einfach ist das sicherlich nicht, aber das hat ja auch niemand gesagt, es geht darum, das eigene Leben, mein ganz eigenes Leben, mit allen Höhen und Tiefen anzunehmen und zu leben. Sind wir doch mal ganz ehrlich, es ist nicht leicht, zu den eigenen Schwächen, dem eigenen Unvermögen und dem eigenen Scheitern zu stehen. Lieber kaschieren wir diese Teilbereiche, unsere dunklen oder blinden Flecken. Es ist doch schließlich so viel schöner, als gut, als jemand, der oder die alles schafft, geradezu als perfekter Mensch vor den anderen Menschen aufzutreten und zu erscheinen. Aber ist das wahres Menschsein? Ich glaube nicht, denn zu meinem Menschsein gehören auch die Schattenseiten meines Lebens. Ich muss und will nicht so sein, wie andere mich gerne hätten oder wie andere mich gerne sehen: Ich bin ich und ich verbiege mich nicht und lasse mich nicht verbiegen. Anthony de Mello ist jemand, der mich mit seinen Gedanken und Aphorismen auf meinem Weg des Werdens im Leben in ganz besonderer Weise begleitet. Im Rahmen von zehntägigen Exerzitien habe ich mich mit zwei seiner Sätze in sehr besonderer Weise auseinandergesetzt beziehungsweise auseinandersetzen müssen. Ich möchte Euch und Ihnen diese beiden Sätze im heutigen Tagesimpuls ganz besonders ans Herz legen. „Das, was nicht gut war, das lass gut sein“, ist der erste der beiden Sätze. „Nur zu oft sehen wir die Menschen nicht, wie sie sind, sondern wie wir sind“, ist der zweite und nicht weniger bedeutsame Satz. Der Mensch zu werden, der ich heute bin und von wo aus ich mich weiterentwickeln kann, nimmt mich in die Pflicht, alles, was zu mir und meinem Leben gehört, anzunehmen und in mein Sein und Werden zu integrieren. Nur wenn ich wirklich ehrlich zu mir selbst bin, kann dies gelingen und bringt mich dahin, ein lebenslang Werdender und Lernender zu sein. Doch gelingt das auch nur dann, wenn ich mich so annehme, wie ich bin, Selbstwahrnehmung und mein Selbstwertgefühl sich nicht von anderen her definiert. Ich bin ich, so wie ich bin und werde. Das gilt auch für meine Mitmenschen, denn niemand muss oder soll so sein, wie ich sie oder ihn sehe. Jede*r ist einmalig, so wie jede*r ist. Ich weiß, das ist eine echte Herausforderung, aber es lohnt sich, diese Herausforderung anzunehmen und selbst die oder der zu werden, die jede*r Einzelne schon ist und noch werden kann und will. Die größte Hilfe, die es dafür, aus meiner Sicht, gibt, ist der Glaube. Gott, die unendliche Liebe, hat eine*n Jede*n von uns nach seinem Bild, als Abbild der unendlichen Liebe, geschaffen und gewollt. Er kennt uns beim Namen, eine*n Jede*n von uns. Er liebt uns, so wie wir sind, und nicht, wie andere uns gerne hätten. „Mensch werden ist eine Kunst“, sagte Novalis. Ich glaube, es stimmt, da aber Kunst von Können kommt und Gott uns mit unglaublichen Fähigkeiten und Begabungen beschenkt hat, sind wir alle Künstler*innen, die diese Kunst des je eigenen Menschwerdens in unserem Leben meistern können. Die heilige Geistkraft, die an Pfingsten, also ganz bald, auf eine*n Jede*n von uns herabkommen wird, wird uns dabei das schönste und größte Unterstützungsgeschenk Gottes sein. Diese Überzeugung lehrt mich, wie könnte es auch anders sein, ein Spruch des heiligen Vinzenz Pallotti: „Gott wird an alles denken, wenn wir alles tun in der festen Überzeugung, dass wir ohne ihn nichts tun können.“

Im Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes, die auf uns herabkommen wird und uns im Werden unterstützt, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!

 

Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent