Impuls

Tagesimpuls 27.04.2020

„Das wollte ich unbedingt noch erzählen!“-

Letzte Woche war Geburtstagwoche mit zwei auf einen Streich.

 

Letzte Woche, am 21.04., hatten zwei Menschen Geburtstag, die in meinem Leben eine ganz wichtige Rolle spielen. Und: „In der Oktav ist noch brav!“ – daher kann ich das auch noch für meinen heutigen Tagesimpuls verwenden. Mein Bruder Dominik hatte Geburtstag und, welch ein Zufall, der heilige Vinzenz Pallotti auch. Da hat sich mein Bruderherz einfach einen tollen Termin ausgesucht oder, anders gesagt, meine Eltern haben ganze Arbeit geleistet, vor allem meine Mama. Von meinem Bruder kann ich aber ein anderes Mal gerne berichten, und den können Sie oder könnt Ihr vielleicht auch (noch) mal live und in Farbe erleben. Ich möchte Ihnen und Euch heute den Heiligen vorstellen, der mich und meine Spiritualität aufs Tiefste geprägt hat, prägt und prägen wird. Ich möchte Ihnen und Euch Vinzenz Pallotti, von mit oft liebevoll „Papallotti“ genannt, etwas näherbringen.

Vinzenz Pallotti lebte von 1795 bis 1850 in Rom. Er stammte aus einer religiösen Familie. Aufgrund seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung konnte er nicht Kapuziner werden, wie er ursprünglich wollte. Franz von Assisi, in dessen Tradition der Kapuzinerorden steht, blieb er zeitlebens verbunden. Pallotti wurde Priester. Zeitgenossen beschrieben ihn so: klein, leicht gebeugt, mager und bleich, mit Glatze und einer hohen Stirn, dunkelblaue Augen-stechend und gütig. Er pflegte immer schnell zu gehen, war meist höflich und achtete darauf, niemandem auf die Nerven zu gehen. Er war in Rom allgemein bekannt. Viele Menschen fühlten sich von ihm angezogen, man zollte ihm hohen Respekt.

1835 hatte er eine Inspiration. Er erkannte die Notwendigkeit, zunächst seine Gefährten, dann aber darüber hinaus möglichst viele Menschen, Laien wie Priester, zusammenzuführen, um für die Reform der Kirche, die sich in einem desolaten Zustand befand, zu arbeiten und den Not leidenden Menschen beizustehen. Gemeinsam sollten sie einer dreifachen Aufgabe nachgehen:

  • den Glauben innerhalb der Kirche neu entfachen und vertiefen,
  • der weltweiten Armut entgegenwirken,
  • die grenzenlose Liebe Gottes allen Menschen auf der Welt weitergeben, was bedeutete, einer weltweiten Mission zu folgen – in der damals üblichen Sprache hieß das: den katholischen Glauben auf der ganzen Welt verbreiten.


Als Meister der Netzwerkarbeit führte er engagierte Menschen zusammen und formte mit ihnen „eine Vereinigung, […] so gestaltet, dass alle Katholiken, Kleriker und Laien, Männer und Frauen, Gebildete und Ungebildete, Arme und Reiche, Adelige und Bürgerliche, wie auch immer ihr Stand, ihr Beruf und ihre Vermögenslage seien, daran teilnehmen können.“ Ein solches Miteinander auf Augenhöhe war in der Kirche des 19. Jahrhunderts etwas Unerhörtes und Neues. Die Verwirklichung dieser Idee wurde deshalb durch den Vatikan zunächst blockiert.

Pallotti war eine Persönlichkeit, die große Gegensätze in sich vereinte: Zeit seines Lebens blieb er in Rom und Umgebung. Dennoch hatte er einen Blick für die Gesamtdimension der Kirche und die weltweiten Nöte der Menschen. Politisch dachte er konservativ, war aber in Vielem überraschend innovativ und seiner Zeit weit voraus, was ihm selbst allerdings kaum bewusst wurde. Demokratie als Regierungsform blieb ihm zwar fremd, zugleich aber war ihm die Beteiligung möglichst vieler, letztlich aller an der Verantwortung in Kirche und Welt wichtig. Pallotti war papsttreu und zugleich auch laienorientiert.

Ein bestimmtes Patronat oder Aufgabenfeld wird dem Heiligen Vinzenz Pallotti nicht zugeschrieben. Sein Wirken und die Vielfalt der Aufgaben seiner Gesellschaft sowie der Vereinigung des katholischen Apostolats (SAC und UAC) sind jedoch von weltweiter Bedeutung. Die Sorge um die Seele der Menschen, um das Wohl der Kirche und um einen lebendigen Glauben zeichnen ihn und alle, die sich auf ihn berufen, aus:
„Suchen Sie Gott und Sie werden ihn finden.
Suchen Sie Gott in allen Dingen, und Sie werden ihn in allem finden.
Suchen Sie ihn immer, und Sie werden ihn immer finden.“
Aus diesem Zitat lässt sich die Vielfalt pastoralen Wirkens und Handelns ableiten sowie eine Grundhaltung in einem gesunden Verhältnis von Aktion und Kontemplation erkennen. Gebet und pastorale Praxis sind untrennbar miteinander verbunden, und dazu kann jede und jeder den eigenen Beitrag leisten, weil niemand Nichts und niemand Alles kann bzw. können muss.

Der Heilige Vinzenz Pallotti steht, aus meiner Sicht, für eine Abbildung der Vielfalt und Diversität von uns Menschen sowie unserer Gesellschaft. Die individuellen wie die gemeinsamen Stärken zu entdecken und so eine starke Gemeinschaft zu werden, sehe ich als Anspruch des Heiligen Vinzenz Pallotti, dem ich in meiner seelsorglichen Arbeit, meinem pastoralen Handeln sowie mit meinem ganzen Leben zu entsprechen versuche. Menschen zu stärken sowie jede und jeden als wichtig mit den je eigenen Charismen und Kompetenzen eindeutig anzuerkennen, versinnbildlicht die Grundidee meines Arbeitens und Lebens. Gelebte Spiritualität im Geiste des Heiligen Vinzenz Pallotti lohnt sich, ist achtsam und wertschätzend. Sie gründet im und lebt aus dem Gebet, und das lohnt sich, das können Sie und könnt Ihr mir glauben.

Wie sagte er doch einmal so schön: „Gott ist in seiner Milde und Barmherzigkeit zufrieden, wenn wir tun, was wir können. Und er verlangt nicht, dass wir ein Ziel erreichen, zu dem wir niemals gelangen können.“

Versuchen Sie und versucht es doch mal zu machen wie Vinzenz Pallotti, denn Ansätze und Ideen bietet dieser Heilige mehr als genug!

Am 22. Januar, seinem Todestag, begeht die katholische Kirche jährlich das Fest des Heiligen Vinzenz Pallotti.

 

Im Gebet und in Gedanken miteinander verbunden, grüße ich Sie und Euch auf die Fürsprache des Heiligen Vinzenz Pallotti ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!

 

Benedikt Zimmermann,
Pastoralreferent