Impuls

Tagesimpuls 26.05.2020

In der Zwischnezeit

 

Liebe Schwestern und Brüder,

m letzten Donnerstag war das Fest Christi Himmelfahrt und am kommenden Sonntag feiern wir das Pfingstfest. Wir sind zwischen zwei Festtagen, in einer Art Zwischenzeit.

Mir sind die Worte aus der Lesung am Himmelfahrtstag noch in Erinnerung, besonders der Satz: Was steht ihr da und schaut zum Himmel? Jesus ging zum Vater und die Jünger standen da und schauen ihm nach. Vielleicht werden sie gestaunt haben. Wie kann das sein? Warum geht er jetzt? Wir sind ihm gefolgt auf seinem Weg bis hin nach Jerusalem, wo er gekreuzigt wurde. Als er auferstanden war, war unsere Freude groß. Es war einfach gut so, der Tod ist überwunden. Kann Christus nicht immer bei uns sein?

Oder vielleicht waren einige noch immer ungläubig oder konnten das nicht verstehen, was geschehen war. Wenn wir jetzt anderen von Tod und Auferstehung Jesu berichten, werden sie uns das nicht glauben.

Oder vielleicht haben auch einige erkannt, was das für sie bedeutet. Bei der Brotvermehrung hatte er ihnen früher schon aufgetragen: Gebt ihr ihnen zu essen! So richtig erfreut und voller Tatendrang waren sie damals nicht. Und später hat Jesus ihnen noch eine größere Aufgabe übertragen: Gehet hin zu allen Völkern, macht alle Menschen zu meinen Jüngerinnen und Jüngern.

Jetzt war Jesus weg, im Himmel. Nun sind sie dran, sie haben Verantwortung für die Weitergabe des Glaubens, mit Unterstützung von oben natürlich: Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens. Das hatte Jesus ihnen zugesagt. Dennoch, jetzt wird es ernst.

 

Nach dem Himmelfahrtsereignis kehrten sie nach Jerusalem zurück. Sie blieben in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten dort und waren zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, und den anderen Frauen. Sie werden geredet haben über die gute Zeit mit Jesus und auch über ihre Zweifel, die dennoch blieben. Es wird dort im Obergemach aber sicher nicht nur andächtig und ruhig zugegangen sein. Sie werden auch miteinander diskutiert haben. Denn da war Petrus, der öfter mal mit dem Mund vorweg war. Da war auch Simon der Zelot, Anhänger der militärischen Widerstandsbewegung gegen die römische Besatzungsmacht.

Verbunden hat sie alle der Auftrag: Gehet hin in alle Welt! Ohne den Hl. Geist konnte das nicht gehen. Darum haben sie miteinander um ihn gebetet.

 

Drei Haltungen werden deutlich, die ich auch heute in unserer Kirche sehe.

“Die Bewahrer“: Früher war alles schöner. Es gab die Volkskirche und die Gotteshäuser waren voll am Sonntag. Eine Öffnung auf die Welt draußen vor der Tür der Kirche ist nicht notwendig. Glaube ist ein Geschenk Gottes. Er ist verantwortlich, für die Weitergabe des Glaubens. Wir haben uns eingerichtet, warten wir auf die Wiederkunft des Herrn.

“Die Zweifelnden“: Ja, Jesus hat gelebt, das wissen wir auch aus nichtchristlichen Überlieferungen. Er hat eine bessere Welt gepredigt, mehr Nächstenliebe usw. Er ist gekreuzigt worden. Auferstehung? Unwahrscheinlich. Höchstens in der Hinsicht, dass seine Botschaft der Nächstenliebe weiterlebt.

“Die den Aufbruch Wagenden“: Wir müssen die Dinge angehen, hinausgehen bis an´s Ende der Welt und die Frohe Botschaft verkünden, auch wenn uns ein rauer Wind um die Nase weht. Wir müssen uns einbringen in den Diskurs der Wissenschaften, uns einmischen in die Diskussionen in Politik und Gesellschaft, wenn es um ethische Fragen, wenn es um die Fragen des Lebens geht.

Unabhängig davon, welcher der drei Haltungen man nähersteht, uns alle eint - wie damals die Jünger*innen in Jerusalem - der Auftrag der Verkündigung: Geht hinaus in alle Welt!

Der Auftrag hat nichts an Aktualität verloren, auch wenn das Coronavirus unsere Möglichkeiten aktuell noch einschränkt.

Den Weg bis an´s Ende der Welt können wir allen nicht gehen. Beten wir gerade jetzt in der Zwischenzeit um den Heiligen Geist, denn ohne ihn geht´s nicht.

leibt unter dem Schutz des lebendigen Gottes geborgen!

 

Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze