7. Sonntag der Osterzeit
Evangelium Joh 17,1-11a:
„In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!
Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.
Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.“
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
„Das Ende einer Sache ist zugleich der Anfang einer anderen.“ Dieses Zitat wird dem römischen Philosophen Seneca (+65 n. Chr.) zugeschrieben, der ein Zeitgenosse von Jesus war. Die Vorstellung vom Leben als Zyklus ist uralt. Dinge beginnen, Dinge enden – bauen aufeinander auf. Dieser Zyklus zeigt sich besonders eindrücklich im Ablauf des liturgischen Jahres.
Wir befinden uns am Ende der frohen Osterzeit und kehren zum Alltagsgeschehen zurück. Wie wir nach den freudigen Ereignissen von nun an unser Leben gestalten ist von gleicher Bedeutung wie die Feier des Osterfestes selbst.
Nach der Himmelfahrt Jesu finden wir die Jünger im Abendmahlsaal um Maria versammelt. Alle sind eines Sinnes, als sie um die Herabsendung des Hl. Geistes flehen, den ihnen Jesus zuvor verheißen hat. Es dürfte sich dabei um die ersten Exerzitien gehandelt haben, die je in einer christlichen Gemeinschaft gehalten worden sind.
Nach dem Pfingstereignis nahm das Leben wie gewöhnlich seinen Lauf, doch war dem Leben etwas Neues hinzugefügt worden. Für die Heiden war jedes Leid ein schreckliches Widerfahrnis und abhängig von der Laune der Götter. Die Christen jedoch betrachteten nach dem Leiden und der Auferstehung Jesu das Leid als einen angemessenen Weg echter Christusnachfolge. Nur so konnten sie die blutigen Verfolgungen der römischen Kaiser durchstehen. Das Leiden wurde heroisch aufgeopfert in der Erwartung der Herrlichkeit, die jedem zuteilwird, der im Glauben standhaft bleibt.
Für die täglichen Sünden und Übertretungen wird eine Buße durchaus in Kauf genommen, aber für etwas Gutes zu leiden erwirkt reiche Gnaden. Der gläubige Christ hat so manche Prüfungen zu bestehen; sie lassen ihn in den Tugenden wachsen und dienen der Reinigung seiner Ich-Bezogenheit und Habsucht.
Jesus ist das vollkommene Beispiel für uns. Er hat seine Passion mit einer noch nie dagewesenen Ergebenheit durchlitten. In einem mitreißenden Gebet spricht er von der Verherrlichung seines Vaters durch das ihm anvertraute und nun vollendete Werk auf Erden. Jetzt kehrt er heim in die Herrlichkeit, die er mit Gott teilte, noch bevor die Welt war. Zugleich hinterlässt er eine völlig neue Gemeinschaft, seine Kirche, durch die sein Werk der Erlösung im Glauben an ihn fortgeführt wird.
Jesus betet für seine Jünger. Jeder einzelne von ihnen ist ein Geschenk des himmlischen Vaters an ihn. Nun wird er sie verlassen. Sie aber bleiben zurück, um sein Werk weiter zu tragen. Wir können sicher sein, dass Jesus auch uns in seinen Gedanken hatte, als er für seine Jünger betete. Denn es liegt nun an uns, die Kirche und das Evangelium für unsere Zeit glaubhaft zu verkünden.
Bleiben wir weiterhin im Gebet miteinander verbunden!
Ich wünsche allen einen gesegneten und frohmachenden 7. Ostersonntag.
Seid herzlich gesegnet und gegrüßt von Eurem Pfarrer
Rainer Lau
