Impuls

Tagesimpuls 21.04.2020

Heraus – fordernd

 

Wie oft habe ich in den letzten Wochen das Wort 'heraus' in allen seinen Wortvarianten benutzt. „Nein, du kannst nicht raus.“, „Ja, wir gehen einen kurzen Moment hinaus.“, „Die Situation fordert uns alle heraus...“ und sicher kennen Sie alle noch viele Beispiele mehr!

 

Herausfordernd ist die Situation allemal, aber was steckt in diesem einen Wort, wenn man es auch aus christlicher Perspektive betrachtet? So viel mehr! Ich habe in den letzten 6 Wochen gemerkt, wie ich mich immer wieder selbst herausgefordert habe. Ich habe mich mit Texten, Büchern, Programmen und Menschen auseinandergesetzt, was ich im Alltag sicher nicht gemacht hätte. Nicht nur weil mir schlichtweg die Zeit gefehlt hätte, sondern weil mein innerer Schweinehund keine Veranlassung dafür gefunden hätte. Wir Christen sind herausgefordert worden! All das was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, funktionierte auf einmal nicht mehr uneingeschränkt. Es gab keinen geraden Weg mehr, der neue Weg hatte Kurven und Abzweigungen und doch habe ich eine Gemeinde kennengelernt, die jeden Stein, der unüberwindbar schien, nicht einfach ausgewichen ist, sondern ihn aufgehoben hat und eine neue Straße gebaut hat. Die Salvator-Gemeinde hat die Herausforderung angenommen und sich ihrer gestellt. Dafür ein herzliches Dankeschön.

 

Auch Jesus forderte die Jünger ständig heraus. Heraus aus ihrem gewohnten Lebensumfeld, aus ihren Familien, heraus aus der Bequemlichkeit des Tages – heraus auf eine steinige Straße und fordernd neue Wege zu bauen. Wir alle wissen, dass sie es getan haben. Nicht immer verstehend, aber vertrauend. So wie wir in diesen Tagen. Nicht immer verstehen wir, vor welche Herausforderung uns der Herr gestellt hat, aber wir vertrauen ihm, dass er das Gute für uns möchte und uns diese Zeit als Herausforderung an uns selbst geschenkt hat. Sehen wir die Zeit nicht als böse Herausforderung sondern als das Geschenk uns herausfordernd der Situation zu stellen und neue Kräfte zu wecken, neue Blickwinkel zu sehen und neue Wege zu gehen. In der Familie, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, bei uns selbst und eben auch pastoral. Wir haben bisher gezeigt, was wir schon alle können. Was hält uns auf?

 

Christliche Gemeinschaft ist herausgefordert und herausfordernd zugleich. Kirchliches Leben ist aufgefordert immer wieder andere neue Wege zu gehen und vor allen Dingen rauszugehen. Draußen das Evangelium, die frohe Botschaft zu verkünden. Wie Jesus – raus gehen, draußen sein und andere herausfordern. In dieser Zeit ist das eher bildlich gemeint. Unsere Gemeinde hat in den letzten Wochen gezeigt, daß wir innerhalb unserer Gemeinschaft viele gute Ideen entwickeln konnten und wir haben es geschafft, sie in die Welt zu tragen. Wir haben herausgefordert Zeichen gesetzt. Wir haben eben nicht überlegt, was wir in unserem nahezu leeren Gotteshaus machen können, sondern sind buchstäblich vor die Tür gegangen. Denken Sie einfach mal an unsere bunte Hecke. Es ist uns sicherlich nicht alles leicht gefallen und einfach war es auch nicht. Viel liebgewonnenes haben wir in den letzten Tagen der Herausforderung Gottes aufgeben müssen. Doch was blieb? Gott hat sein Volk damals in Ägypten ebenso herausgefordert. Es war für alle nicht leicht, doch es blieb Befreiung und die damit verbundene Freiheit in Gottes Hand. Ist das nicht so viel mehr? Vielleicht lernen wir aus der uns gestellten momentanen Herausforderung, endlich wieder befreiter zu sein. Befreit aus veralteten Strukturen, aus Hamsterrädern, die uns die Tage gestalten, aus „hätte, wäre, könnte“. Durch Gott erleben wir soviel mehr und wir haben verlernt aus den herausfordernden Geschichten von Noah, Abraham, Josef und Maria und vielen anderen selbst zu lernen und uns herausfordernd unserem Leben im Vertrauen auf den Herrn zu stellen.

 

Ich freue mich Teil einer Kirchengemeinde zu sein, von der ich fest glaube, daß sie die herausfordernde Coronazeit als Chance sieht und Menschen von der tragenden Botschaft begeistern kann – „draußen“ und wenn wir wieder dürfen, in einem 'draußen' in allen seinen Facetten.

 

Ich grüße Sie alle von Herzen,
Ihre Anja Schmidt,
Gemeindeassistentin