Impuls

Tagesimpuls 18.04.2020

Bild: Markus Manigatterer In: Pfarrbriefservice.de

Ein Zweifler ist kein Ungläubiger


Meine liebe Gemeinde,


im Evangelium vom zweiten Sonntag der Osterzeit (morgen) hören wir: „Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (Johannes 20, 24-25)


Als Pfarrer höre ich häufig solche Fragen: „Warum glauben die meisten der heutigen Jugendlichen vor allem in Europa und in den reichen Ländern, nicht mehr an Gott?“ „Warum soll man in die Kirche gehen?“ Oder manche sagen: „An einen Gott kann ich glauben, an einen, der die Welt erschaffen hat. Aber dass Jesus der Sohn Gottes ist, daran zu glauben, fällt mir schwer.“ Oder: „Gibt es überhaupt einen Gott?“


Ich glaube, manche von Ihnen haben solche und ähnliche Sätze auch schon gehört. In vielen dieser Sätze geht es um Zweifel. Ich habe mich nicht gewundert, als mir einmal jemand gesagt hat: „Stephen, es gibt manche Priester und Gläubige, die Zweifel in sich tragen, was Gott, Glaube und Kirche anbelangt. Aber sie gehen oft in die Kirche, um zu beten.“


Meine liebe Gemeinde, ich bin immer der Meinung gewesen, im Glauben zu zweifeln, heißt noch lange nicht, nicht zu glauben. „Viele Zweifel sind noch lange kein Unglaube“, hat Kardinal Newmann einmal gesagt.


Thomas hat immer gesucht und gefragt: „Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14, 5-6) Durch die Frage von Thomas an Jesus Christus wissen wir, wer Jesus Christus wirklich ist: Der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer zweifelt, der sucht und fragt. Deshalb ist für mich ein Zweifler kein Ungläubiger. Ich ermutige alle, sich in Zeiten von Zweifeln im Leben nicht entmutigen zu lassen, weil jeder von uns seinen Platz in der Kirche hat, ob wir nun fest glauben oder ein bisschen zweifeln.


Der Apostel Thomas war immer bei den Aposteln dabei und die Apostel haben ihn nicht vertrieben. Die Glaubenden haben den Zweifler nicht rausgeworfen. So ist es auch heute mit denjenigen, die am Glauben zweifeln, die kritische Fragen stellen, die auch andere und ihren Glauben infrage stellen: Sie gehören immer zur Kirche. Trotz seiner Zweifel ist Thomas bei den Jüngern geblieben. Und in ihrer Mitte ist er dem Auferstandenen begegnet. Er konnte gläubig bekennen: „Mein Herr und mein Gott.“


In dieser schwierigen Zeit der Corona-Krise frage ich Sie: Wie gehen Sie mit den Zweifelnden in der Kirche, in ihren Familien, in ihrem Freundeskreis usw. um? Wo haben Sie Zweifel im Glauben?


An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Ostergrüße und vor allem Ihre Gebete. Möge Gott Sie segnen.
 

Frohe und gesegnete Ostern wünsche ich Ihnen!


Stephen Kwasi Duodu
Pfarrvikar