Hört doch mal rein!
Die Osteroktav ist eine besondere Festzeit! - Wir haben intensiv Anlauf genommen… über 7 Wochen Fastenzeit haben wir uns vorbereitet, dann haben wir den Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag, gefeiert. Wir haben das letzte Abendmahl betrachtet am Gründonnerstag, um dann über das Sterben Jesu am Karfreitag ans Ziel zu kommen: Ostern, die Auferstehung Jesu! Das darf und soll von jeher eine Woche (eine Oktav, 8 Tage) lang festlich nachklingen … und danach bleiben wir in der österlichen Festzeit bis Pfingsten.
In der Tageslesung aus der Apostelgeschichte 4,1-12 heute verkündet Petrus, nachdem im Tempel ein Gelähmter geheilt wurde: Durch Jesus Christus steht dieser Mann geheilt vor euch. Er – Jesus- ist der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist aber zum Eckstein geworden. Durch ihn wird Heilung möglich.
Petrus bezieht sich mit dem Eckstein auf den Psalm 118, der auch heute zu den Lesungen gehört. Im ökumenischen Kirchenlied „Nun saget Dank und lobt den Herren“ GL 385 wird der Psalm 118 (der später auch auf Jesus bezogen wird) besungen. In der 3. Strophe heißt es: dies ist der Tag, den Gott gemacht hat. In sehr vielen Osterliedern taucht genau diese Textstelle immer wieder auf: Dies ist der Tag… Tag der Auferstehung und Erlösung. Ein Jubellied…
„Nun saget Dank und lobt den Herren…“ Sind wir noch in österlicher Stimmung? Spüren wir noch das Hoch nach diesem Tief an Karfreitag? Sind wir noch voll des österlichen Jubels? Dieser Jubel, der dieses Jahr so anders stattgefunden hat, im Kleinen, nicht im Großen…
Können wir überhaupt so richtig jubeln? Ich denke, dass es uns Berlinern besonders schwer fällt, zu jubeln. Grummeln, meckern, muffeln… es gibt so viele Möglichkeiten seinen Unmut zu äußern und alles und jeden zu verunglimpfen, zu verbessern, klein zu machen, sich hinter dem Rücken über andere zu beschweren. Und der Berliner fühlt sich wohl dabei. Und er ist stolz darauf, dass er ehrlich seine Meinung sagt. Sein höchstes Lob: „Da kann man nicht meckern!“ Ja, wer den Berliner kennt, wird das Lob ein bisschen durchschimmern hören…
Aber täte es uns nicht besser, vor allem das Gute bei uns zu behalten? Auch Ostern ganz lange bei uns zu behalten? Die Kirche legt uns genau das ans Herz: Osteroktav!
Ich glaube, dass wir das Loben und Jubeln trainieren müssen. So wie eine Personaltrainerin im Radio in der dritten Corona-Woche einer alleinerziehenden Mutter, die mit der 24-Stundenbetreuung der Kinder am Ende ihrer Kräfte war, empfahl: JEDEN Abend 5 Dinge aufzählen, für die wir dankbar sein können. Dankbar sein, heißt Loben. 5 Minuten Rückzug am Tag dafür! Das ist nicht viel und doch so wirksam. Es verändert den Blickwinkel.
Gott danken. Und Ostern nachwirken lassen mit Jubel…
Ein weiterer Aspekt ist, dass vor allem Menschen in der Lebensmitte mit Zynismus und Bitterkeit kämpfen, oder mit Kraftlosigkeit und Mutlosigkeit, mit Ausgebranntsein … Viele Lebenspläne sind nicht in Erfüllung gegangen… Die körperliche Kraft ist nicht unendlich, Schwächen machen sich bemerkbar… Loben und Danken hilft, nicht die Defizite zu sehen, sondern die kleinen Dinge, die uns glücklich machen können, so wir sie zu sehen vermögen.
Mit den Worten von Friedrich Rückert (1788-1866)heißt das: „Dein Auge kann die Welt trüb‘ oder hell Dir machen. Wie Du sie ansiehst, wird sie weinen oder lachen.“ Nehmen wir Ostern immer wieder in den Blick, ins Auge…
Versuchen wir uns im Loben! Musik kann vielleicht dabei helfen! In der Musik loben wir ganz häufig. Deshalb tut es so gut zu singen und Musik zu hören.
Mit den schlichten Worten: „I will sing with the spirit, halleluja. And I will sing with the understanding also. Halleluja“ führt uns der Komponist John Rutter ins Loben. Frei übersetzt vielleicht: „Lasst uns Halleluja singen mit Seele und Verstand!“ Es ist nicht der rauschende Jubel des Händel- Hallelujas, aber es ist der Nachklang des Jubels, das Frohmachende, das nachhallt. Vielleicht spüren Sie mit diesem Musikstück dem Osterjubel nach? Hört doch mal rein!
https://www.youtube.com/watch?v=zyiatXbGeHQ
Bis nächsten Freitag hier auf dieser Seite wünsche ich Ihnen ein Stück Osterfreude!
Ihre Sonja Schek
Kirchenmusikerin
