Impuls

Tagesimpuls 13.05.2020

Fünf oder doch nur vier Brote und zwei Fische

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

auf dem Bild ist eine Nachbildung des Mosaiks aus der Brotvermehrungskirche in Tabgha am Nordwestufer des See Genezareth zu sehen. Das Mosaik erinnert an das Wunder der Brotvermehrung, von dem der Evangelist Lukas berichtet: Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus und sagten, dass er die Leute wegschicken soll, damit sie in die umliegenden Dörfer gehen und dort Unterkunft finden können. Jesus aber beauftragte die Jünger, dass sie die Leute bitten sollen, sich zu setzen. Dann segnete Jesus die fünf Brote und zwei Fische und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Alle aßen und wurden satt.

Das Wunder der Brotvermehrung ist uns vertraut und das daran erinnernde Mosaik ist sehr bekannt. Es gibt viele solcher Darstellungen auf Brottellern und Bechern. Kaum jemand, der in Tabgha war, kehrt ohne ein Andenken mit diesem Mosaik zurück.

Auf dem Mosaik sind zwei Fische aber nur vier Brote zu sehen. Das fällt kaum auf. Man muss schon genau hinsehen, um diesen Unterschied zu sehen. Es ist kein Fehler der Erbauer der Kirche, dass es nur vier Brote sind. Das Mosaik ist in der Kirche direkt vor dem Altar in den Fußboden eingelassen. Es soll deutlich werden, dass das fünfte Brot auf dem Altar ist: das eucharistische Brot. Irdisches und himmlisches Brot kommen auf diese Weise zusammen und werden dem Menschen zur Nahrung. Das eucharistische, das himmlische Brot ist Christus. Jesus sagt über sich selbst: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, so lesen wir im Johannesevangelium.

Wenn man das Evangelium von der Brotvermehrung hört, steht klar das Wunder im Vordergrund. Andere Schilderungen oder Worte sind leicht zu überhören. Dazu gehört auch der Satz, den Jesus unmittelbar vor der Brotvermehrung zu seinen Jüngern gesagt hat: Gebt ihr ihnen zu essen!

Schon mehrfach habe ich darüber nachgedacht, wie Jesus diesen Satz bzw. in welchem Tonfall er ihn gesagt hat. Verschiedene Varianten sind möglich. Was ich nicht glaube ist, dass er die Jünger auf die Probe stellen wollte: Gebt ihr ihnen zu essen, ihr werdet schon sehen, wie weit ihr kommt. So wird es nicht gewesen sein, so hat Jesus nicht gehandelt.

Andere Varianten liegen näher: Wir sind jetzt lange Zeit unterwegs. Ich bin euer Meister und ich habe euch alles gelehrt, was ich von meinem Vater erfahren habe. Ich habe Vertrauen zu euch. Ihr könnt den Leuten Nahrung geben, könnt ihnen helfen.

Oder doch etwas deutlicher: Wer an mich glaubt, wird die Wunder vollbringen, die ich vollbringe. Habt ihr denn keinen Glauben? Warum kommt ihr immer zu mir? Warum soll ich´s schon wieder richten, wie letztens auf dem See, als Wind aufkam und es anfing zu regnen? Warum so viel Angst? Nehmt die Dinge in die Hand, packt an und übernehmt endlich selbst Verantwortung!

Aus den letzten beiden Varianten spricht Vertrauen, das Jesus zu seinen Jüngern hat, und spricht Verantwortung, die Jesus seinen Jüngern damals übertragen hat und auch heute jeder Christin und jedem Christen überträgt: Gebt ihr den Menschen heute zu essen. Gebt ihnen, was sie zum Leben brauchen. Ich habe Vertrauen zu Euch, Ihr könnt das vollbringen.  Und werdet auf diese Weise auch selbst zum Brot für die Menschen, die in Not sind und Hilfe brauchen. Dazu stärke ich euch mit dem fünften Brot, dem eucharistischen Brot!

 

 

 

Bleibt unter dem Schutz des lebendigen Gottes geborgen!

 

Ihr und Euer Diakon

Benno Bolze