Impuls

Tagesimpuls 11.04.2020

Und, Mensch, was nun?
Von Entscheidungen und ihren Folgen

 

„Rechts, links oder geradeaus, wohin soll ich gehen?“

„Grün, rot oder gelb, was passt wohl besser?“

„Soll ich anrufen oder doch lieber eine Nachricht schreiben?“

Und passend zur aktuellen Situation: „Muss das jetzt wirklich sofort sein oder kann das auch warten?“

 

Wie oft stellen wir uns Fragen, wie häufig stehen wir in unserem Leben vor Entscheidungen?

Für die Kar- und Ostertage ist das, aus meiner Sicht, ein ganz besonders aktuelles Thema. Ich möchte es verdeutlichen an einer der, für mich persönlich, schwierigsten biblischen Figuren im neuen Testament: Judas Iskariot.

Judas war, ist und bleibt eine Figur, an der sich die Geister scheiden. Verräter, heilsnotwendige Person oder einfach nur ein bemitleidenswerter Mann; und schon wieder stehe ich und stehen wir vor einer Entscheidung. Judas hat damals eine Entscheidung getroffen: Er hat Jesus verraten, was zur Festnahme führte. Er hat das Geld genommen und so den Weg Jesu ans Kreuz ermöglicht. Judas hat eine Entscheidung getroffen, die Konsequenzen hatte. Diese Konsequenzen haben ihn selbst betroffen, sie haben Jesus betroffen und sie haben viele Menschen, von damals bis heute, betroffen.

So ist das mit Entscheidungen. Jede Entscheidung zieht Konsequenzen nach sich. Nichts, was ich tue, was jede*r Einzelne tut oder was wir als Gemeinschaft tun, hat Folgen. Haben wir diese Folgen aber immer im Blick? Können wir abschätzen, in welche Richtung sie uns führen? Ist zu ermessen, welche Auswirkungen die Folgen auf wen und was immer auch haben? Ich glaube, dass es eine unglaubliche Herausforderung ist, vor der ich und vor der wir immer wieder stehen. Von mir selbst kann ich nur sagen, dass ich Entscheidungen oftmals sehr unterschiedlich treffe: aus dem Bauch heraus, nach reiflicher Überlegung, gefühlsbedingt und so weiter. Nicht immer habe ich dann alle Konsequenzen im Blick, manchmal weiß ich nicht, was das noch so alles nach sich ziehen kann.

Judas ist für mich daher eine echte Herausforderung. Immer wieder werde ich durch ihn daran erinnert, dass ich mir Gedanken machen sollte, was es bedeutet, eine Entscheidung zu treffen und sie so zu treffen, wie ich mich letztendlich entschieden habe.

Ich lade Sie und Euch ganz herzlich ein, Ihre und Eure Entscheidungen sowie den Verrat des Judas mal in den Blick zu nehmen. Das passt doch irgendwie zu diesem Tag, dem Karsamstag, dem Tag des Zwischen, dem Tag des Aushaltens des Schweigens Gottes, dem Tag der Grabesruhe Jesu.

Was bedeuten Entscheidungen, welche guten und schönen, aber vielleicht auch welche negativen und unerfreulichen Konsequenzen haben sie, und wie kann ich gut mit diesen Entscheidungen leben.

Das bevorstehende Osterfest macht mir persönlich, als kleines Beispiel, die Entscheidung leicht, Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag zu begehen, weil ich weiß, dass die Auferstehung die befreiende, liebe- und lebensschenkende Konsequenz des Leidens Jesu ist. Ich nehme sie nicht billigend in Kauf, sondern ich fülle sie mit meinem Leben und freue mich auf das Licht der Osterkerze(n) und das Gloria der Osternacht. Es ist meine Entscheidung für ein Leben im und aus dem Glauben!

 

Im Gebet und in Gedanken miteinander verbunden, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund!

 

Benedikt Zimmermann,
Pastoralreferent