„Frühling läßt sein blaues Band…“
Als ich eben auf den Balkon ging, um zwischen den Videochats und Karliturgie-Vorbereitungen ein wenig die Sonne zu spüren, kam mir das folgende Gedicht von Eduard Mörike (1804 – 1875) in den Sinn:
„Er ist's
Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!“
Ich kenne es von zuhause und aus der Schule. Meine Mama hat es früher oft zitiert, naja klar, was will man von einer Deutschlehrerin auch anderes erwarten. Irgendwie gehörte und gehört es für mich zu dieser Jahreszeit. Das gilt auch für das Jahr 2020, das so ganz anders ist, als die Jahre zuvor. Aber es ist nicht nur anders, es gibt Liebgewonnenes und Vertrautes, das so ist wie immer. Es wird Frühling, es wird wärmer und es zieht mich in die Natur – und naja, die Nase läuft ein bisschen mehr, die Augen tränen manchmal etwas: das Los eines Allergikers.
Ich freue mich an dieser Jahreszeit. Ich freue mich am Austreiben der Bäume, der Pflanzen, der ganzen Natur. Ich freue mich, dass es länger hell ist und die Sonne die Haut wieder intensiver streichelt. Und Ostern, richtig, das steht ja auch noch vor der Tür. Ostern ist für mich ein ganz besonderes Fest, auf das ich mich in der Karwoche jedes Jahr ganz besonders vorbereite. Da gibt es feste Rituale, die mir wichtig sind. Gottesdienste, Zeit für das Gebet, Osterpost und viele andere Dinge, die es in den Arbeitsalltag zu integrieren gilt.
Ich kann Ihnen und Euch sagen, das war auch mein Plan für dieses Jahr. Aber das ist nun plötzlich, inzwischen nicht mehr ganz so plötzlich, doch anders. Gottesdienste sind nun Livestreams, Aufzeichnungen oder ganz neu formatiert in WhatsApp oder Internetplattformen. Diese zu gestalten, macht gerade ganz viel Arbeit, aber ich spüre einen großen Zusammenhalt und eine unglaubliche Kreativität. Die Einladungen finden Sie und findet Ihr am Ende des Impulses! Natürlich nimmt dies ziemlich viel Zeit in Anspruch, was die Gebetszeiten schon weit vor Gründonnerstag zu Ölbergstunden werden lässt. Aber es ist ja auch so, dass die Vorbereitungen sich mit biblischen Texten und Riten beschäftigen, die damit die Arbeitszeiten irgendwie zu Gebetszeiten werden lassen. Die Osterpost muss auch nicht warten, denn ich verschicke einfach die Einladungen zu den Gottesdiensten, die Impulse oder Gebetstexte an meine Familie, an Freund*innen, an Bekannte und somit in diesem Jahr vielleicht an noch viel mehr Menschen als sonst.
Also ist vieles anders, aber doch irgendwie altvertraut. Was aber auf jeden Fall bleibt, ist das Gedicht von Mörike. Denn, wenn meine Mama mir Bilder aus dem aufblühenden Garten zuhause schickt, dann ist es sofort in meinem Ohr und noch viel tiefer in meinem Herzen, dieses so vertraute Gedicht:
„Er ist's
Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!“
Möge dieses Gesicht Sie und Euch auch begleiten. Und vielleicht sehen, lesen oder hören wir uns in einem der interaktiven Gottesdienste der Kar- und Ostertage?! Ich freue mich auf Sie und Euch!
Im Gebet und in Gedanken miteinander verbunden, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:
Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund!
Benedikt Zimmermann,
Pastoralreferent
