Impuls

Tagesimpuls 07.04.2020

Liebe Gemeindemitglieder,

 

am Wochenende kam auch in unserer Region die Nachricht, dass 16 Bewohner*innen und sechs Mitarbeiter*innen eines Pflegeheims mit dem Corona-Virus infiziert sind. Das Pflegeheim wurde unter Quarantäne gestellt, keine Besuche mehr erlaubt.  

Zu den Besuchsmöglichkeiten in Hospizen, auf Palliativstationen und in Pflegeheimen erhalte ich in diesen Tagen mehrere Anfragen. Ein Gespräch vom letzten Freitag ist mir noch sehr in Erinnerung:

Eine Frau aus einer Stadt in Nordrhein-Westfalen berichtet am Telefon verzweifelt, dass sie ihre Mutter im Pflegeheim zwei Straßen weiter nicht mehr besuchen darf. Von einem auf den anderen Tag war Schluss, ohne dass dies angekündigt wurde. Aber meine Mutter stirbt doch. Sie ist dement, sie erkennt nur noch mich. Wenn ich da bin, beruhigt sie sich. Ich will zu ihr. Vieles habe ich schon versucht, geredet und telefoniert, aber ohne Erfolg. Jetzt rufe ich in Berlin beim Bundesverband für die Hospizarbeit an. Sie müssen das regeln können!

Wir sprachen dann darüber, wie wichtig Besuche in den letzten Tagen und Stunden des Lebens sind. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr, dass das Virus bei einem Besuch übertragen wird. Deshalb müssen alle Beteiligten auch geschützt werden vor einer Ansteckung. Beides, den Schutz und den Besuchswunsch, zusammen zu bringen, ist nicht immer möglich. Beides ist logisch, aber es passt nicht zusammen.

Im Gespräch am Telefon war mein Vorschlag, noch einmal beim Träger der Einrichtung nach einer Besuchsmöglichkeit zu fragen. Mein weiterer Vorschlag an die Tochter war, dass sie einen Brief an ihre Mutter schreibt, den dann der Palliativmediziner vorliest, der zu ihr darf. Was hilft das, war ihre Antwort. Es ist ein Versuch, so war meine Antwort, wenn sie nicht zu ihrer Mutter kommen, zumindest ihre Worte zu ihr zu bringen.

Beides wollte sie versuchen.  

 

Die Vorschläge waren ein kleiner Tropfen Hoffnung auf einen heißen Stein, wo eigentlich ein ganzer Wasserfall der Hilfe gebraucht wird. Ein kleiner Tropfen, der sicher gut war, aber ich werde nicht anfangen, das alles schön zu reden. Es ist hässlich, es ist furchtbar und unmenschlich, was dieses Virus anrichtet!

 

Der Gouverneur des Bundesstaates New York hat in den letzten Tagen die Nationalgarde des Bundesstaates New York mobilisiert zur Hilfe in der Krisensituation. In seiner Ansprache an die versammelte Nationalgarde hat er die Reservisten vorbereitet auf ihren Dienst. Dabei hat er das zur Sprache gebracht, was auf alle zukommen wird, er hat die Dinge klar benannt. Am Ende seiner Rede hat er den Satz gesagt: So, und nun gehen wir da raus und treten dem Virus in den A… !

Solche Worte sind nicht unbedingt mein Sprachgebrauch, aber recht hat er. Und ich füge hinzu: Ich bin dabei, Herr hilf uns, hilf uns allen dabei - Amen!

 

 

Bleibt unter dem Schutz Gottes geborgen!

 

Ihr und Euer Diakon

Benno Bolze