Liebe Schwestern und Brüder,
Lockerungen, weiter aufmachen! Das sind Worte, die man in diesen Tagen sehr häufig hört in Gesprächen, in den Nachrichten und auch in den vielen Talkshows. In allen Bereichen unserer Gesellschaft sind die Einschränkungen deutlich spürbar, im Gesundheitswesen, in der Wirtschaft, in Kunst und Kultur, in der Gastronomie, den Schulen, im Privatleben und nicht zuletzt in den Gemeinden. Da ist der Wunsch nach mehr Normalität verständlich. Das ist richtig und soll auch so sein. Die Erleichterungen stehen im Vordergrund. Dafür sind andere Themen in den Hintergrund getreten.
Noch vor wenigen Tagen oder Wochen stand das Gesundheitswesen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Reichen die Intensivbetten? Wie kann die notwendige Schutzkleidung zur Verfügung gestellt werden? Wie groß wird die Zahl der Menschen sein, die diese Pandemie nicht überleben? Wie kann eine zusätzliche Vergütung für Kranken- und Altenpfleger*innen ermöglicht werden?
Von diesen Themen hört man aktuell nicht mehr so viel. In Bezug auf die Krankenhäuser mag das ganz logische Gründe haben, denn die Pandemie ist in Deutschland bisher nicht in dem befürchteten Ausmaß verlaufen. Die Krankenhäuser melden keine Überlastung, zumindest hier bei uns in Deutschland. Man hört aber deutlich weniger von einer Anerkennung für die Pflegenden, die täglich in den verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens ihren Dienst tun. Am letzten Sonntag war der Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Gebetet wurde an diesem Tag dafür, dass sich Frauen und Männer für ein Leben, für einen Dienst in den pastoralen Berufen entscheiden. Dieses Gebet brauchen wir, braucht die Kirche. Aber ist es nicht ebenso wichtig zu beten, dass sich Menschen für einen Pflegeberuf entscheiden? Es ist an der Zeit, einen Gebetstag für Berufungen in soziale Berufe ins Leben zu rufen, denn Pflege ist kein Job, sondern auch eine Berufung. Verbunden damit sollte eine Anerkennung dieser Berufe in unserer Gesellschaft sein. Damit meine ich sowohl die Vergütung als auch die Anerkennung und Wertschätzung. Vergessen wir die Pflegenden nicht, wenn es in den aktuellen Diskussionen auch um andere wichtige Themen geht.
In den Medien hört man derzeit auch weniger von Menschen, die in den Pflegeheimen leben. Häufig sind die Pflegeheime ganz oder zum Teil gesperrt für den Besuch von Angehörigen oder Ehrenamtlichen aus den Besuchs- und Hospizdiensten. Das bedeutet, dass Menschen auch an Einsamkeit sterben. Deshalb dürfen wir jetzt, wenn es um das “weitere Aufmachen“ geht, gerade die älteren Menschen nicht vergessen.
Auch in einer anderen Hinsicht hat sich die Diskussion verändert. In den Medien waren Worte zu hören wie: Wir retten alte Menschen, die sowieso in wenigen Monaten gestorben wären. Solche Äußerungen sind ein Skandal!
Natürlich hat jeder Mensch das Recht, jede medizinische Behandlung für sich selbst abzulehnen und damit auch eine Behandlung im Krankenhaus, aber dann aufgrund einer eigenen freien Entscheidung für die man auch Vorsorge treffen kann. Aber pauschal über andere zu urteilen, sie wären sowieso gestorben, ist menschenverachtend. Leider sind solche Äußerungen kein Einzelfall. Achten wir auf solche Äußerungen und ziehen wir hier klare Grenzen. Hier wird die klare Stimme der Kirche in der Gesellschaft gebraucht, denn auch die älteren Menschen sind Teil unserer Gesellschaft und sie sollen es auch bleiben, weil sie wichtig sind. Jeder Mensch wird von Gott beim Namen gerufen. Das gibt ihm seine von Gott geschenkte Würde und die ist unantastbar. Vergessen wir die älteren Menschen nicht!
Dieser Tagesimpuls ist der 50. Am Wochenende sagte eine Frau aus unserer Gemeinde, dass sie den Tagesimpuls immer ausdruckt und ihrer Mutter vorliest, die keinen Internetzugang hat. So grüße ich auf diesem Weg alle älteren Gemeindemitglieder auch im Namen des gesamten Pastoralteams ganz herzlich und wir widmen – wenn man das so sagen kann – diesen „Jubiläums-Tagesimpuls“ unseren älteren Schwestern und Brüdern unserer Gemeinde.
Bleibt unter dem Schutz des lebendigen Gottes geborgen!
Ihr und Euer Diakon
Benno Bolze
