Impuls

Tagesimpuls 05.05.2020

Das richtige Maß

 

Gestern bin ich abends um 8 Uhr auf der Couch bei den Nachrichten eingeschlafen. Dabei hatte ich mich so auf den Abendfilm gefreut. Ich wollte ihn unbedingt sehen, bin dann aber eingeschlafen. Heute morgen bin ich zwar absolut ausgeschlafen aufgewacht, habe mich dann aber doch geärgert, dass ich den Film nicht hatte schauen können. Ich merke diese Zeit zehrt auch an mir und vor allen Dingen an meinen Nerven. Die Brücke zwischen meinem Terminkalender und meiner derzeitigen Alltagsrealität zu schlagen, fällt mir zunehmend schwerer und dann schlafe ich eben auch mal erschöpft auf der Couch ein.

 

Christliche Nächstenliebe heißt für andere da zu sein und ihnen zu helfen. Sei es zuhause, in der Schule, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft und wo immer sonst noch Hilfe benötigt wird. Jeder von uns würde das so unterschreiben. Ich finde das ja auch richtig. Jesus selbst lehrt uns und fordert uns auf, uns um andere zu kümmern. Wir sollen den Armen etwas von unserem Reichtum abgeben, mit den Hungrigen unsere Mahlzeiten teilen, die Kranken besuchen und den Schwächeren helfen. Die Liste ließe sich sicherlich noch weiter ergänzen. Wir könnten Tage damit zubringen uns um andere zu kümmern. Kein Problem, ich mache das auch sehr gern, denn es tut mir gut. Das merke ich. Ich bekomme ja auch etwas zurück – Dankbarkeit, ein Lächeln und Freude. Es ist schön gebraucht zu werden. Und dann merke ich nach einem ausgefüllten Tag, dass ich mich selbst vergessen habe. Meine Aufgaben blieben unbearbeitet liegen. Da ist die dreckige Wäsche, das Unkraut im Garten oder der Geschirrspüler. Außerdem brauchen wir alle Zeit, um neue Kraft zu tanken für den kommenden Tag.

 

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Das sagt Jesus und in diesem Satz ist für mich die Lösung meines kleinen Problems versteckt. Es zeigt mir das richtige Maß zwischen Nächstenliebe und Selbstliebe. Wir können nur andere lieben und sie unterstützen, wenn wir uns selbst lieben. Echte Hilfe kann nur von dem kommen, der mit sich selbst im Reinen ist und sich liebt. Das hört sich egoistisch an, ist es aber nicht. Würde es Ihrer Nachbarin helfen, wenn Sie mürrisch für sie einkaufen gingen, weil Ihre Gedanken bei den unerledigten Aufgaben zu Hause hängen und Sie die Hilfe als Last empfinden? Gott macht beides möglich – die Selbstliebe und die Nächstenliebe. Er kennt uns schon vor unserer Geburt, er liebt uns wie ein Vater seine Kinder liebt und wir sind ihm wichtig. Das gilt für jeden einzelnen von uns und somit auch für alle anderen um uns herum. Die anderen sind nicht wichtiger als wir, aber auch wir sind nicht wichtiger als die anderen. Es muss ein Gleichgewicht zwischen dem Helfen und dem auf sich selbst achten entstehen. Gott möchte auch, dass wir nach uns schauen. Unser Körper gehört nicht nur uns, sondern auch Gott. Wir brauchen ihn für unser Gebet und um Zeugnis für Jesus Christus abzulegen. Genauso sollen wir darauf achten, dass es anderen an Körper und Seele gut geht. Ein ewiger Kreislauf und das Gebot der Nächstenliebe hilft uns dabei, dass es ein Kreis bleibt und keine Einbahnstraße wird. Es gibt eine Zeit, in der wir uns um uns selbst kümmern und es gibt eine Zeit, in der wir für andere da sind.

 

Aus meiner Berufserfahrung bei den Genossenschaftsbanken habe ich eines mitgenommen. „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.“ Friedrich Wilhelm Raiffeisens berühmtestes Zitat und noch heute die Grundlage der Geschäftsidee der Raiffeisenbanken. Diesen Gedanken sehe ich in unserer Gemeinde verwirklicht. Wir haben als Gemeinschaft schon viel auf die Beine gestellt und ich denke, jeder wird seinen Platz in diesem Kreislauf finden. Also haben Sie kein schlechtes Gewissen, auch mal 'nein' zu sagen. Wir sind stark und wir finden eine Lösung. Dazu bleiben wir im Austausch.

 

Ich wünsche Ihnen für die kommenden Tage von Herzen, dass Sie spüren wie sehr Gott sie liebt und möchte, dass es Ihnen gut geht!

 

Ihre Anja Schmidt

Gemeindeassistentin