„Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich!“- Neues vom guten Hirten?!
Nachdem schon gestern der gute Hirte Thema des Evangeliums und auch des Tagesimpulses gewesen ist, wird dieses Bild in den biblischen Texten des heutigen Tages und somit auch im Tagesimpuls weiter ausgeführt. Zwei Mahnungen, die damals wie heute für uns als Kirche, als Gesellschaft, aber auch schlicht als Menschen wichtig sind, gibt es in der frohen und befreienden Botschaft zu entdecken. Lesen Sie oder lest doch einmal selbst, um später meine Gedanken dazu mitvollziehen zu können.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 10, 11-18)
In jener Zeit sprach Jesus:
Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe die Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.
Wie Rainer Lau gestern schon in seinem Impuls sagte, besteht zwischen dem Hirten und seiner Herde - warum eigentlich nicht auch zwischen der Hirtin und ihrer Herde? - ein ganz besonderes Verhältnis. Es ist das Verhältnis absoluten Vertrauens, das Verhältnis des Sich-verlassen-Könnens auf jemanden, das Verhältnis einer ganz besonderen Vertrautheit: Die Schafe kennen die Stimme ihres Hirten und verlassen sich auf ihn; doch auch der Hirte muss seinen Auftrag ernstnehmen, zuverlässig erfüllen und bereit sein, alles für seine Herde sowie für jedes einzelne Schaf zu geben.
Dieses wechselseitige Vertrauensverhältnis kommt für mich in der Aussage Jesu zum Ausdruck, wenn er sagt: „Ich bin der gute Hirt: Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ Das Unglaubliche an diesem Bild ist für mich, dass Jesus niemanden ausschließt. Er denkt nicht exklusiv, sondern hat vielmehr jede einzelne und jeden einzelnen im Blick, so dass niemand vergessen wird oder werden kann. Es ist dies die Mahnung an alle, sich um die Einheit der ganzen Menschheitsfamilie im Leben, im Glauben und vor allem in der Liebe zu bemühen.
Doch damit nicht genug, denn Jesus sagt: „Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“ Er meint den Auftrag zur Hingabe, und diesem Auftrag zur Hingabe sind die Hirten immerzu verpflichtet. Für die Herde da zu sein, mit der Herde zu arbeiten, das eigene Leben mit der Herde zu teilen und so Vorbild zu sein, ist die zweite große Mahnung des heutigen Evangeliums.
Jetzt könnte ich es mir ja einfach machen und sagen: Die Hirten sind die Oberhäupter in Kirche, Politik und Gesellschaft. Aber nein, so einfach will ich mich selbst nicht der Pflicht entziehen oder mich aus der Verantwortung stehlen. Eine jede und ein jeder von uns hat im eigenen Leben und im sozialen Umfeld ihren und seinen Auftrag als Hirtin oder Hirte. Es ist etwas unglaublich Schönes, sich auf diese Art und Weise mit- und untereinander verbunden zu wissen. Hirtin oder Hirte, aber auch Teil der Herde zu sein, macht uns alle zu einer großen Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft kennen wir einander, wir kennen die Stimme der und des anderen, wir tragen füreinander Verantwortung und sorgen uns um jede und jeden einzelnen.
Selbst wenn der gute Hirte jetzt zweimal Gegenstand eines Tagesimpulses gewesen ist, so kann ich nicht sagen, dass dieses Bild nicht noch viel mehr zu bieten hätte, weil es einerseits so herrlich vertraut sowie andererseits immer wieder zu neuen Gedanken und Interpretationen einlädt. „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ - Ich bin mal gespannt, welche Ideen und Inspirationen die heilige Geistkraft Gottes mir in meinem Leben zu diesem Bild noch so schenken wird.
In Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes grüße ich Sie und Euch auf die Fürsprache des Heiligen Vinzenz Pallotti ganz herzlich und wünsche von Herzen:
Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!
Benedikt Zimmermann,
Pastoralreferent
