Impuls

Tagesimpuls 03.05.2020

Bild: Martin Manigatterer In: Pfarrbriefservice.de

4. Sonntag der Osterzeit

Dieser 4. Ostersonntag wird auch Sonntag vom Guten Hirten genannt und wird begangen als Weltgebetstag um geistliche Berufungen.

Evangelium Joh 10,1-10:

 „In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.

Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.

Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.

Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.

Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.

Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.

Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.

Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Wer einmal Rom besucht, sollte unbedingt auch in eine der zugänglichen Katakomben an den heutigen Stadträndern gehen. Auf eine ganz besondere Art und Weise führt einen der Gang unter die Erde auch in eine andere Zeit.

In Rom galt das Gesetz, dass kein Verstorbener innerhalb der Mauern der Stadt begraben werden durfte, also brachte man die Verstorbenen nach draußen und beerdigte sie in den Katakomben – der Name kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie herab und Grab. Die Gräber durften oberirdisch nicht sichtbar sein, so dass nur der Weg nach unten blieb, Stockwerk um Stockwerk bis auf eine Tiefe von ungefähr 20 Metern unter der Erde.

Wenn man dort durch die engen Gänge und Treppen hinabsteigt, dann ist man wirklich in einer ganz eigenen Welt. Auf dem Weg nach unten finden sich in und zwischen den Grabstellen erstaunlich gut erhaltene Hinweise über das Leben der frühen Christen in Rom und über ihren Glauben und ihre Hoffnungen im Angesicht des Todes. Auf Wandmalereien haben die Menschen festgehalten, was sie nach dem Tod erwarten, woran sie glauben und was sie erhoffen, für sich selbst, für die Angehörigen, die sie dort zurücklassen mussten.

Eines der bekanntesten Bilder, das sich an den Wänden dort findet, ist das Bild vom Guten Hirten. Ein Mann mit einem Stock in der Hand trägt ein Schaf auf seinen Schultern. Um ihn herum sind weitere Schafe zu sehen, die entweder zu ihm aufschauen oder sorglos grasen. Ein tröstliches Bild inmitten der vielen Gräber. Ein Bild, das für grenzenloses Vertrauen steht – Vertrauen ohne Wenn und Aber.

Das Bild vom Guten Hirten gehört zu den ältesten Christusdarstellungen überhaupt. Vielleicht weil es eine ganz tiefe und ursprüngliche Sehnsucht beantwortet, die Menschen angesichts der Bedrohung durch den Tod empfinden. Die Sehnsucht nach einem Gott, zu dem der Mensch absolutes, unbedingtes Vertrauen haben kann, in dessen Gegenwart mir nichts passieren kann, der mich zur Not auf die Schultern hebt, selbst wenn ich auf Abwege geraten sollte. Tod und Vernichtung können mir nichts anhaben. Ein wirklich österliches Bild ist das – und nicht umsonst feiern wir den Gute-Hirte-Sonntag in der Osterzeit.

Zwischen dem Hirten und den Schafen herrscht ein einzigartiges Vertrauensverhältnis. Er ruft sie beim Namen und die Schafe kennen seine Stimme. Der gute Hirt geht durch die Türe in den Stall hinein, er kommt nicht heimlich oder überfällt die Schafe, so dass sie in Unsicherheit leben müssten. Der gute Hirt ist verlässlich und führt die Schafe auf die Weide, an den Ort, wo sie sorglos grasen können, Nahrung finden für den Leib und für die Seele. Der Evangelist Johannes vertieft sich ganz in dieses Bild. Für ihn ist der auferstandene Christus der Gute Hirte, der mit dem Menschen in eine Beziehung treten will. Eine Beziehung, die von bedingungslosem Vertrauen geprägt ist. Diese Beziehung ist es, die den Menschen rettet. Der auferstandene Christus wird zur Tür in das ewige Leben.

 

Wir beginnen in dieser Woche in unserer Gemeinde entsprechend der Öffnungsankündigung des Senats von Berlin mit Gottesdiensten an den Werktagen. Dabei ist zu beachten, dass nicht mehr als 50 Teilnehmer sich versammeln. Unser Generalvikar P. Manfred Kollig SSCC hat in seinem Rundschreiben 15/2020 vom 24.04.2020 ein Schutzkonzept für die Feier von Gottesdiensten vorgestellt (nachlesbar auf der Website unseres Erzbistums). Wie wir in unserer Gemeinde ab nächsten Samstag die Beschränkung auf 50 Teilnehmer umsetzen können, ist mir noch schleierhaft. Wir hatten vor der Schließung der Kirchen zwischen 150 und 300 Teilnehmer an unseren 3 Sonntagsgottesdiensten. Da warte ich auf die angekündigten weiterführenden Hinweise. Derzeit weigere ich mich, nach 50 Teilnehmern die Kirche zu schließen und alle weiteren Gemeindemitglieder nach Hause zu schicken. Ich hatte gehofft, heute konkrete Umsetzungsmöglichkeiten bekannt geben zu können. Aber weder Erzbischof noch Generalvikar haben sich dazu bisher geäußert.

 

Bleiben wir weiterhin im Gebet miteinander verbunden!

 

Ich wünsche allen einen gesegneten und frohmachenden 4. Ostersonntag.

Seid herzlich gesegnet und gegrüßt von Eurem Pfarrer

Rainer Lau