Tagesimpuls Freitag, 03.04.2020
Die Heilige Woche liegt vor uns, die mit Palmsonntag, mit dem festlichen Einzug Jesu in Jerusalem beginnt.
Dann folgt mit Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern das sogenannte „Triduum“: eine Dreizahl von so unterschiedlichen Festen, mit dem Tag der Grabesruhe am Karsamstag dazwischen. In dieser Heiligen Woche wird das Geschehen, das wir sonst innerhalb eines einzigen Gottesdienstes begehen, auf drei Feiertage gestreckt und jeweils ein einziger Aspekt, ein Ausschnitt aus dem Leben und Sterben Jesu gestaltet den einzelnen Tag.
Für mich als Kirchenmusikerin haben diese 3 Tage des Triduums auch eigene Überschriften/Assoziationen:
Gründonnerstag:
festlich, dann Abbruch/Absturz der Musik nach dem letzten Gloria, die Orgel schweigt ab da
(zu harmonischer Unterstützung dienen nur noch leise Klaviertöne)
Agape/Ölbergstunde 22 Uhr:
Da sein, klagen mit Jesus im Garten Gethsemane, aushalten, müde sein. (Klage in den Karmetten fortführen)
Karfreitag:
Einzug still, warten, Passion aushalten, sehr lange Fürbitten, Kreuzverehrung – innehalten-dasein, klagend den Tod besingen, Auszug still
Ostern:
Dunkel, Lichtfeier leise, Einzug des Lichts, es wird immer heller, viele Lesungen – den Morgen abwarten, dann Gloria, die Orgel ist voll da, seit 7 Wochen strahlt sie erstmals voll auf, Mixturen und Trompeten spielen mit, es ist sehr festlich… , Eucharistie in Freude. Osterkerze mit nach Hause nehmen.
Ostermontag:
Noch einmal Zeit haben für die große Freude, dass Christus für uns auferstanden ist, die Musik festlich gen Himmel jubeln lassen, um zu feiern, „mit allem, was geht“…. Pauken, Streicher, Oboen und Trompeten, großer Chor. G.F. Händel: Halleluja! Freude in den Augen sehen!!!
Sich die Zeit nehmen, um anzukommen bei den so unterschiedlichen Kartagen, bedeutet für mich Anlauf zu nehmen, um dann wirklich froh werden zu können an Ostern! Und all das tun zu können in der Gemeinschaft aller, die auch daran glauben, ist … nein, dieses Jahr wird anders, aber die Kartage und ihre Impulse sind die gleichen. Gehen wir sie mit. Widmen wir ihnen Zeit. -
Dann kann Ostern auch wieder froh werden – im Kleinen, und im Bewusstsein, dass wir es gemeinsam begehen, jeder bei sich Zuhause.
Auferstehung – es gibt ein danach, es gibt ein Wiedersehen nach diesem einschneidenden Verzicht auf Gemeinschaft durch „Corona“. Und dann wird die Feude groß sein!!!
Von Benno Bolze habe ich in der Sakristei einmal folgendes Zitat gehört (wahrscheinlich ein Zitat von Fernando Sabino, fälschlich auch Oskar Wilde und John Lennon zugeschrieben), das in diesem Sinne guten Sinne verstanden werden kann: „Am Ende wird alles gut sein. Wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende“.
Hört doch mal rein: Nach Sakro-Pop und klassischer Romantik habe ich heute ein Musikbeispiel aus dem Barock: „Die Johannespassion“ von Johann Sebastian Bach, aufgeführt vom WDR Rundfunkchor am 12.08.2018.
J. S. Bach verwendet nicht nur den Passionstext aus dem Johannes-Evangelium, sondern fügt ausdeutende Texte, die das Geschehen betrachten sollen, ein. Die einleitenden Worte von Bach sind:
„Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Ländern herrlich ist! Zeig uns durch deine Passion, dass du der wahre Gottessohn, zu aller Zeit, auch in der größten Niedrigkeit, verherrlicht worden bist.“
Ein prachtvoller Beginn der Musik! Ein festlicher Einzug wie an Palmsonntag? Der schon ahnen lässt: da kommt noch was…?
Im letzten „Hört doch mal rein“ habe ich geschrieben, dass die Musik dem Text eine zweite Dimension verleiht, die Emotion. Dies versucht der WDR mit einer dezenten szenischen Aufstellung um eine dritte Dimension zu erweitern, und auch mit ihr Emotio zu transportieren, über das Sehen. Das ist heikel, schwierig, sicher nicht historisch, aber vielleicht eine Hilfe für uns, um zu begreifen, was der Text, den wir so gut kennen, transportiert.
https://www.youtube.com/watch?v=1C72g2GYxFY
Bis zum nächsten „Hört doch mal rein“ am Freitag nach Ostern eine gesegnete Zeit des Miteinanders im Gebet. Das wünscht Ihnen und Euch
Sonja Schek
Kirchenmusikerin
