Hört doch mal rein…
In der Tageslesung aus der Apostelgeschichte lesen wir heute von der Bekehrung des Paulus. - Paulus, - dessen Briefe an die frühen christlichen Gemeinden, die er auf seinen Reisen durch den östlichen Mittelmeerraum gründete, zu einem wesentlichen Bestandteil des Neuen Testaments wurden. Eine dramatische Geschichte der Bekehrung, von einem, der mordet, … hin zu einem, der so begeistern kann, so dass er christliche Gemeinden gründet, … hin zu einem, der für seinen Glauben einsteht und dafür ermordet wird. Einer der ersten Theologen des Christentums.
Es gibt ein Gemälde „Apostel Paulus“ von dem flämischen Maler Antoon van Dyck (1599-1641); es hängt im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover. Kaum eine Künstlergeneration hat so ausdrucksvoll Licht in Szene gesetzt für das Wesentliche eines Bildes, wie die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Van Dyck war ein hoch geschätzter Portraitist und er haucht diesem Paulus Leben ein…, ich sehe eine gefurchte Stirn, die um etwas ringt, ein strahlendes, helles Licht fällt auf sie (diese Stirn ist das helle Zentrum des Bildes),… ich sehe ein Gesicht, das Kraft ausstrahlt, einen Blick, der auch nach innen schaut, einen Mund, der nicht verkniffen ist und auch etwas Gütiges ausstrahlt,… Ich finde, van Dyck hat in diesem Portrait viel von der Lebensgeschichte von Paulus eingefangen.
Die dramatische Lebensgeschichte von Paulus wird musikalisch von Felix Mendelssohn Bartholdy in Szene gesetzt. Mit 27 Jahren komponiert er ein „Paulus-Oratorium“, das 1836 zu Pfingsten in Düsseldorf uraufgeführt wird und zu seinen Lebzeiten das Beliebteste seiner Werke wird. So wie das Licht in der Malerei eine zentrale, große Rolle spielt, so ist es auch in der Musik eine große Herausforderung, Licht in Tönen, Klängen und Harmonien darzustellen.
Deshalb habe ich für heute den Chorsatz Nr. 15 : „Mache dich auf, werde licht!“ aus dem „Paulus- Oratorium“ als Hörbeispiel ausgesucht. Dieser wunderbare Satz wird eingefügt, nachdem inhaltlich Paulus mitten auf dem Weg nach Damaskus, umstrahlt von Licht, gestürzt ist und die leise Stimme Jesu vernommen hat. Das „Mache dich auf, werde licht!“ ist eine starke Aufforderung, ist eindringlich. Kann man das Licht hören? Ich denke, Ja! Das Orchester beginnt leise, dunkel, wird eindringlicher, starke Bläser kommen strahlend dazu, es gibt Reibungen… Wir sind klar in einer Tonart - in D-Dur,… der Tenor beginnt, der Chor setzt ein, - stark, es wird kraftvoll hoch, die Bläser verstärken die Wucht … immer noch D-Dur. Danach setzt der Sopran alleine ein und er führt uns plötzlich in eine ganz weit entfernte Tonart, - nach H-Dur, …Gänsehaut! Das überrascht das Ohr und das innere Auge… So spüren, hören, sehen wir musikalisch das Licht… Der Satz ist wuchtig, mächtig, strahlend, majestätisch, hat Höhen und Tiefen und endet mit Fanfaren … all das führt dazu, dass man emotional beim Singen gepackt wird und ihn deshalb als Chorsänger überaus gerne schmettert und singt… „Mache dich auf, werde licht, mache dich auf!
Denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir.
Mache dich auf, werde licht!
Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker.
Aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir.
Mache dich auf, werde licht, denn seine Herrlichkeit geht auf über dir.“
https://www.youtube.com/watch?v=za86cy1NH8k
Möge das Licht in der kommenden Woche in Ihren/Euren Augen und Ohren sein! Bis nächste Woche (ausnahmsweise mal am Donnerstag!) - und hört doch mal rein!
Ihre / Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin
