Impuls

Tagesimpuls 22.05.2020

Hört doch mal rein

Beim Recherchieren traf ich in der letzten Woche auf eine Internet-Seite der evangelischen Kirche  Hessen /Nassau, die Seite hieß  „Schlüsselmusik“. Dort gab es viele verschiedene Hörbeispiele, um kirchliche Musik vorzustellen, zu beschreiben, und zu vernetzen. Dort hieß es:

„Musik ist ein himmlisches Geschenk. Sie ist der Schlüssel zu einer anderen Dimension, ein Zugang:

zu Gott als Himmelsöffnerin (Musik schafft Begegnung mit Gott)

zu mir als Seelenventil (Musik läßt die Seele atmen)

oder zu anderen Menschen als Klangverbindung (Musik schafft Gemeinschaft)“

Was für eine schöne Zusammenfassung und Beschreibung all dessen, wozu Musik in der Lage ist. Sie wird vielerorts wirklich kräftig unterschätzt.

Das Seelenventil kennen bestimmt viele von Euch/Ihnen… die Lieblingsmusik läuft , vielleicht mache ich sie lauter und sie nimmt den ganzen Körper mit, alles andere wird unwichtig und leicht. Oder eine Musik nimmt mich gefangen und bringt eine Saite in mir zum Schwingen. Der Stress des Tages weicht der Entspannung… die Seele wird frei…

Die Klangverbindung kennen auch viele von Euch/Ihnen: Wie gut tut es, gemeinsam in der Gruppe am Lagerfeuer, im Chor, im Gottesdienst zu singen. Alleine ist Singen auch schön, aber mittendrin zu stehen, umgeben von lauter schönen ergänzenden Stimmen, das ist ein Genuss, ein gutes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Dieses  ist sogar messbar, da Bindungshormone ausgeschüttet werden beim gemeinsamen Singen, wie ich auf meiner alljährlichen Tagung in Leipzig vor 3 Jahren erstaunt lernen  durfte.

Aber die Himmelsöffnerin, die hat es mir heute angetan. Was für ein Wort: Musik ist HIMMELSÖFFNERIN. Manchmal trifft der vertonte Text als Gebet zu Gott oder als Vertonung des Neuen Testaments mich ins Mark. Ich höre und eine Tür öffnet sich…ich bete selbst mit durch die Musik, die durch mich hindurch fließt. Ich werde zum hörenden, fühlenden Gebet, …das Gebet  eines anderen findet seinen Weg durch mein Ohr zu Gott hin und nimmt mich mit.

Ein solches Lied möchte ich Euch und Ihnen heute mit auf den Weg geben, es hat den Titel „Wo die Sonne aufgeht“ und ist geschrieben und gesungen von Miriam Buthmann. Sie ist Sängerin, Texterin und Komponistin und B-Kirchenmusikerin für Popularmusik. Sie hat Lieder für den Ökumenischen Jugendkreuzweg geschrieben, daher kenne ich ihre Musik. Ein Himmelsöffner?… Schon durch die Worte „Flieg ich dahin“… entsteht ja genau dieses Bild des Himmels. Und Miriam Buthmann malt mit der Musik einen Bogen der  Sonnenlaufbahn. „…oder ans Ende des Meers, wo sie versinkt.“ „wird deine Hand mich halten, …weil dein Licht in die Dunkelheit dringt“… vertraute Psalmzeilen… sie finden ihren Weg durch mein Ohr zu Gott hin und nehmen mich mit. Besonders berührt mich die „Bridge“ des Liedes, ein eingefügtes Stück, das nur einmal vorkommt innerhalb dieses Strophenliedes: „Sieh dir mein Herz an, wenn ich Gefahr lauf’ mich zu entfernen von dir. Sieh dir mein Herz an, zeig mir den Weg auf, den Weg zurück zu dir.“ In dieser Zeile kommt für mich meine eigene Begrenztheit zum Ausdruck. Ich werde meinen Ansprüchen an ein christliches Leben nicht immer gerecht werden, aber DU Gott, bitte sieh in mein Herz, wenn ich mich von Dir entferne… und dann zeig mir den Weg zurück zu dir… Das sind Lieder, die mich erden, obwohl sie mich fliegen lassen, leicht machen. Ist das ein Widerspruch? Ein Paradoxon? Lieder, die mich nachdenken lassen, oder die mich abholen können aus einer Entfernung von Gott , und dann singe ich mit und der Himmel tut sich wieder auf… Probiert es aus/ Probieren Sie es aus! Nach dem zweiten oder dritten Mal Hören, wird der Text noch intensiver. Spannend für mich ist darüber hinaus, dass es die Dreier-Rhythmen leichter haben ins Schwingen zu bringen. Jeder Walzer schwingt… und dieses Lied steht im 6/8-Takt. Ich mag diese schwingenden Rhythmen sehr.

Lasst Euch / Lassen auch Sie sich den Himmel öffnen von Miriam Buthmann:

https://www.youtube.com/watch?v=yN3z-Fpw-II

„Hört doch mal rein“ hier wieder am nächsten Freitag und bis dahin passt gut auf Euch auf/Passen Sie gut auf sich auf.

Eure/Ihre Sonja Schek, Kirchenmusikerin