Impuls

Tagesimpuls 21.05.2020

„Vom Schon und Noch-Nicht!“ -

Warum Christi Himmelfahrt ein Fest unter Vorbehalt ist.

 

Heute feiern wird das Fest Christi Himmelfahrt. Ich kann mich gut erinnern, wie meine kindlichen Vorstellungen zu diesem Fest ausgesehen haben. Jesus auf der Rolltreppe, der in den Himmel, auf seine Wolke, hinauffährt. Oder der Aufzug, in den Jesus einsteigt, um nach oben, in den Himmel zu fahren. Das war für mich immer ganz klar. Heute, viele Jahre und ein Theologiestudium später, habe ich ganz andere Assoziationen zu diesem Tag, zu diesem Fest. Die Lesung aus der Apostelgeschichte, die an diesem Tag dazu gehört, ist mir dabei eine große Hilfe. Lest oder lesen Sie doch einmal selbst:

1Im ersten Buch, lieber Theóphilus,
habe ich über alles berichtet,
was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat,
2bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde.
Vorher hat er den Aposteln,
die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte,
Weisung gegeben.
3Ihnen hat er nach seinem Leiden
durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt;
vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen
und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen:
Geht nicht weg von Jerusalem,
sondern wartet auf die Verheißung des Vaters,
die ihr von mir vernommen habt!
5Denn Johannes hat mit Wasser getauft,
ihr aber
werdet schon in wenigen Tagen
mit dem Heiligen Geist getauft werden.
6Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn:
Herr, stellst du in dieser Zeit
das Reich für Israel wieder her?
7Er sagte zu ihnen:
Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren,
die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8Aber ihr werdet Kraft empfangen,
wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;
und ihr werdet meine Zeugen sein
in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien
und bis an die Grenzen der Erde.
9Als er das gesagt hatte,
wurde er vor ihren Augen emporgehoben
und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten,
siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11und sagten: Ihr Männer von Galiläa,
was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?
Dieser Jesus, der von euch fort
in den Himmel aufgenommen wurde,
wird ebenso wiederkommen,
wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Ja, da sind sie wieder, die Männer von Galiläa, die Frauen, wie in der Bibel so oft vergessen, stehen da und starren in den Himmel, natürlich nach oben, denn wo soll der Himmel auch sonst sein?! Und die weiß gewandeten Männer, die wir noch von Ostern kennen, sind auch dabei, selbstverständlich auch Männer. Aber heute geht es mir weniger um die patriarchalische Orientierung der Bibel oder das ihr zugrundeliegende chauvinistische Bild der damaligen Zeit, sondern um die Botschaft, die in diesem Text verborgen ist. Wir leben in einer Zeit des Zwischen, wir befinden uns, genau wie die Menschen damals, in einer Zeit des Vorbehalts. Wir haben schon Ostern gefeiert, aber noch nicht Pfingsten. Auferstehung ist schon geschehen, aber die Geistsendung, die Herabkunft der Heiligen Geistkraft, steht noch aus. Das erklärt mir das Starren und Schauen zum Himmel, denn es fehlt noch etwas, es wird noch etwas erwartet. Wir erwarten das, was uns zugesagt, was uns von Gott und Jesus versprochen worden ist: Die Kraft, die heilige Geistkraft, die uns alle zu Zeug*innen der unendlichen Liebe Gottes und ihrer Geschichte mit uns Menschen machen wird. Es ist die Kraft, die es möglich machen wird, alle Menschen zu begeistern, was sich darin ausdrückt, wenn Lukas in der Apostelgeschichte davon schreibt, dass wir Zeug*innen „bis an die Grenzen der Erde“ sein werden.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Fest Christi Himmelfahrt unabdingbar zur Geschichte des Reiches Gottes auf Erden dazu gehört. Es lässt sich für mich verdeutlichen, wenn wir einen Blick in die digitale Welt von heute werfen. Um sich eine Datei, ein Bild oder sonst etwas auf den Computer herunterladen zu können, muss diese Datei, dieses Bild oder ähnliches vorher hochgeladen worden sein, neudeutsch gesprochen: Ohne Upload kein Download! Wie soll etwas auf uns herunterkommen, wenn es nicht zuvor oben gewesen ist?! Also ist es an Christi Himmelfahrt irgendwie doch so: Jesus musste in den Himmel auffahren, um gemeinsam mit Gott uns Menschen die heilige Geistkraft zu schenken.
Aber mal ganz ehrlich, Fragen bleiben: Wo ist eigentlich der Himmel? Ist der Himmel oben? ist Der Himmel somit nur Vertröstungsort für später? Ist die Erde Jammertal, und so etwas wie den Himmel auf Erden gibt es nicht? Ist mein und unser Leben nicht auch schon Mitarbeit an der Verwirklichung des Reiches Gottes auf Erden?

Heute bleiben am Ende des Impulses viele Fragen, aber ich hoffe und bin mir sicher, dass sich der Vorbehalt, nämlich das Noch-Nicht der Herabkunft der Heiligen Geistkraft, verwandeln wird. Pfingsten kommt, doch lasst uns Christi Himmelfahrt feiern, damit dem Download an Pfingsten der Upload am heutigen Tag vorausgehen kann.

Im Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes, die uns geschenkt werden wird, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!

 

Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent