Impuls

Tagesimpuls 18.05.2020

„Vom Geist zur Geistkraft!“ -

Warum ein kleiner Unterschied so viel ausmacht.

 

Jesus spricht mit und zu seinen Freund*innen. Es ist wie so oft, Vieles von dem, was er sagt, ist für sein Umfeld schwierig zu verstehen. Der Anfang des heutigen Tages-evangeliums, Johannes 15, 26f, stellt für mich ganz persönlich eine Beziehungsaussage Jesu mit und zu seinen Freund*innen und uns Menschen dar. Lest und lesen Sie doch mal:

 

„Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.“

 

Selbst wenn Jesus nicht persönlich gegenwärtig ist, nicht physisch zu greifen, ist er auf eine ganz besondere Art und Weise mit seinen Freund*innen

verbunden. Diese Verbindung findet ihren Ausdruck im festen Versprechen des Beistands, den Jesus senden und schenken wird. Es ist ein Beistand, den Jesus aber nicht aus sich, zumindest nicht aus sich allein zu geben in der Lage ist. Nein, der Beistand geht von Gott, der die unendliche Liebe ist, aus. In der Übersetzung steht an dieser Stelle „der Geist der Wahrheit.“ Es ist eine Übersetzung, die, aus meiner Sicht, an dem vorbeigeht, was eigentlich ausgedrückt werden soll. Meine Mama hätte als passionierte Lehrerin wahrscheinlich gesagt: „Da hast du das Thema verfehlt!“ Und ob Ihr es glaubt oder Sie es glauben, selbst als rebellischer Schüler hätte ich der Lehrerin zustimmen müssen. Es ist nicht der Geist, kein männliches Geschlecht, und was ist schon Wahrheit? Das hebräische Wort "ruah" wird mit „der Geist“ zwar übersetzt, leitet aber in der Sache fehl. "ruah" ist erstens weiblich und beschreibt zudem er das Wehen und Wirken einer Kraft. Die Geistkraft ist somit eine gelungenere und auch zutreffendere Übersetzung. Was ist Wahrheit? Diese Frage hat auch Pilatus gestellt und erweist sich dabei inzwischen in einer guten Tradition mit vielen Theolog*innen, Philosoph*innen und ganz vielen anderen Menschen. Auch hier lohnt sich ein Blick in den biblischen Urtext. Da geht es nicht um eine abstrakte oder absolute Wahrheit, sondern um etwas viel Tieferes und etwas theologisch viel Spannenderes. Es geht dabei um die Unverborgenheit. Gott offenbart sich uns Menschen, er versteckt sich nicht, denn er will uns ganz nahe sein, so wie er ist. Die unendliche Liebe offenbart sich selbst, gibt sich selbst und verschenkt sich selbst an eine jede und einen jeden von uns. Der Beistand, den Jesus uns von Gott aus senden wird, ist also die Geistkraft der Unverborgenheit. Gott schenkt sich selbst, damit wir Zeug*innen seiner wesenhaften Liebe sein können.

Der zweite Teil der Zusage, den wir in Vers 27 lesen können, ist ein Geschenk Jesu an seine Freund*innen und damit auch an uns. Seit Anfang an ist eine jede und ein jeder mit gedacht, mit hineingenommen und mit geliebt. Gibt es etwas Besseres, was uns passieren könnte? Ich glaube nicht, denn mit diesem Beistand, der Geistkraft, die mir Gott ganz unverborgen zeigt und schenkt, kann ich mein Leben gelingend leben. Die Geistkraft der Unverborgenheit ist zentraler Teil meiner persönlichen Gottesbeziehung. Ich kann und darf so sein, wie ich bin. Ich muss nicht perfekt sein, denn ich weiß mich geborgen in der unendlichen Liebe der unendlichen Liebe, die sich mir so zeigt, wie sie ist. Für mich ist dies der Ausdruck der bedingungslosen Liebe Gottes zu mir und zu allen Menschen. Ist das nicht ein wunderschönes Geschenk zum Start in diese neue Woche? Lasst Euch oder lassen Sie sich doch einfach ein auf dieses Geschenk, das Gott einer und einem jeden von uns immer wieder aufs Neue macht.

In Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes, die uns seine unendliche Liebe unverborgen zeigt, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!

 

Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent