Impuls

Tagesimpuls 17.05.2020

von: Peter Wiedemann in Pfarrbriefservice

6. Sonntag der Osterzeit

 

Evangelium Joh 14,15-21:

 

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.

Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.

Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.

An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

26. Juli 2016: Eine bis dahin im Europa des 21. Jahrhunderts nicht vorstellbare Tat erschüttert religiöse und nichtreligiöse Menschen. Während einer Morgenmesse im kleinen Kreis wird der 85-jährige französische Priester Jacques Hamel, ein Mann Gottes, in einer Kleinstadt-Kirche in der Normandie auf brutale Weise durch muslimische Terroristen angeblich im Namen Gottes getötet. Ein Mord in einem sakralen Raum, das Opfer ein Priester, der sich noch in seinem hohen Alter nicht zur Ruhe gesetzt hatte, sondern weiterhin als Zeuge des Evangeliums seinen liturgischen Dienst ausübte, in engem Kontakt mit den Christen vor Ort stand sowie mit muslimischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen und Religionsvertretern. Aus dem lebenslangen Dialog mit Gott erwuchs seine dialogische Denk- und Lebensweise. Dem Leben und Wirken dieses Mannes Gottes wurde ein grausames Ende gesetzt, doch der Geist Gottes, der in ihm und durch ihn gewirkt hatte, erlosch nicht, sondern wirkte weiter in Menschen verschiedener Religionen, die aus Solidarität mit Père Jacques den Mut aufbrachten, Dinge zu tun, die sie niemals zuvor getan hatten. Zahllose jüdische und muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger betraten eine katholische Kirche und nahmen an der Trauermesse für den verstorbenen Priester teil. Katholiken betraten eine Moschee und folgten der Einladung zum dortigen Trauergebet. Und die Menschen kamen ins Gespräch miteinander, ein Dialog begann.

Kurz vor seinem Tod hat Jesus seinen Freunden angekündigt, dass er sie nicht als Waisen zurücklassen wird, weil der Vater im Himmel ihnen einen Helfer, einen Beistand schicken werde, der immer bei ihnen bleibe. Manche übersetzen das verwendete griechische Wort „paraklet“ auch mit „Mutbringer“. Gemeint ist der Heilige Geist, der mit der Taufe verliehen wird.

Ja, als Christen haben wir den Geist in Taufe und Firmung empfangen und dennoch ist es keineswegs ein Automatismus, dass wir wirklich im Alltag aus diesem Geist Gottes reden und handeln. Überdenken wir einmal selbstkritisch unsere Wortwahl, wenn wir über hilfsbedürftige Menschen in unserer Gesellschaft sprechen oder über die Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind! Überprüfen wir einmal unsere Gesten und Taten im Umgang mit Menschen, die anders denken, anders leben als wir. Wessen Geistes Kind sind wir? Zu welchem geistlichen Klima tragen wir bei?

Geist und Ungeist wirken in der Welt zum Guten oder zum weniger Guten, wir können auch sagen: zum Bösen. Beten wir jeden Tag neu zu Gott, dass ein jeder, eine jede von uns immer mehr vom guten Geist Gottes erfüllt werde und davon Zeugnis ablegen könne, selbst in herausfordernden und schwierigen Situationen. Das gute Zusammenleben mit anderen Menschen in der eigenen Familie, in Nachbarschaft und Stadtteil braucht vom Geist Gottes durchdrungene Christen, braucht uns.

 

Was die Gottesdienste an Samstagen und Sonntagen in unserer Kirche betrifft, hat sich das Pfarrteam entschlossen, an der verordneten Teilnehmerzahl von 50 pro Gottesdienst festzuhalten. Das bedeutet natürlich, dass wir wahrscheinlich etliche Gemeindemitglieder nach Hause schicken müssen. Mir bereitet das erhebliche Bauchschmerzen! An den Werktagen bleiben die Messen zu den gewohnten Zeiten. Nur anderweitige Gottesdienste wie Maiandachten, Fatima-Gebetsstunde u.a. finden nicht statt. An den Sonntagen und Hochfesten finden auch keine Familiengottesdienste statt. Am kommenden Donnerstag, dem Hochfest Christi Himmelfahrt, gilt die Sonntagsordnung: 9.30 und 11.00 Uhr.

 

Bleiben wir weiterhin im Gebet miteinander verbunden!

 

Ich wünsche allen einen gesegneten und frohmachenden 6. Ostersonntag.

Seid herzlich gesegnet und gegrüßt von Eurem Pfarrer

Rainer Lau