Impuls

Wort zum Freitag 31.07.2020

Auf einen Kaffee mit Gott

 

Ich bin aus dem Urlaub zurück und ja, es war wundervoll. Ich habe vieles genossen. Die Familienzeit, die Schönheit des Elbsandsteingebirges, der Städte Bautzen, Görlitz und Dresden und die Stille am Morgen. Dann wenn ich die für mich an ein Wunder grenzende Kaffeemaschine überredet bekam, mir einen Kaffee zu spendieren. Wenn ich dieses HighTec-Gerät überlistet hatte und der köstliche Duft von frisch gemahlenem und gekochtem Kaffee in meine Tasse plätscherte, fühlte ich mich kurz vollkommen. Ich nutzte den kleinen Balkon um die Tasse Kaffee zu genießen – und ich kam ins Gespräch, ins Gespräch mit ihm. Ihm, dem ich all das zu verdanken habe. Ihm, dessen Liebe mich immer wieder neu berührt und der mich sein eigen nennt.

Nur ein paar Tage vor meiner ersten Tasse Kaffee in Bautzen, war ich bei meiner Studienfreundin in Bayern. Auch da begleitete unsere Gespräche meist eine Tasse Kaffee. Ihr Mann ist Holländer und er sagte eines Tages zu mir, in Holland würde man eine Tasse Kaffee auch „een bakkie troost“ nennen. Das leuchtet mir ein – eine Tasse Trost. Sie kann im Alltag eine willkommene Unterbrechung sein, sie kann mir Stärkung sein, wenn ich ein bisschen Ruhe brauche, sie kann Wegbegleiter für Gespräche sein und sie kann Durst stillen. Wonach auch immer. Meine Tasse Kaffee oder auch Tee steht für Austausch, Gemeinschaft, Begegnungen im Alltag, für Feste, gemeinsame Pausen, gute Gespräche und den Überraschungsbesuch im Garten.

Langsam werden die Zeiten wieder mehr, wo ich meinen Kaffee nicht mehr allein trinken muss. Viele von Ihnen werden in den letzten Monaten ihren Kaffee oder Tee auch eher allein getrunken haben. Manche in einer stillen Wohnung, manche sogar mit Angst um Angehörige, Freunde oder Weggefährten. Die Bibel kannte auch solche Zeiten und hat dem immer wieder neu Hoffnungsbilder entgegengesetzt. Damit wird die Tasse am Morgen mein Hoffnungsbild für die Zeit jetzt in der wir uns immer noch befinden und die uns wohl auch noch eine Weile begleiten wird. Sie erinnert mich daran, dass es wieder anders werden kann und wird. Es wird die Zeit kommen, wo wir nicht mehr allein vor unserer Tasse Kaffee sitzen, wo wir wieder fröhliche Feste feiern und ich mich mit meiner besten Freundin sorglos im Café verabreden kann. Vor mir projiziert sich ein Bild von Menschen, die wieder zusammen sein können ohne Angst. Ich lasse es lebendig werden, male mir die Szenen aus und das gibt mir Kraft für den ganzen Tag und für die Nachrichten, die auf mich den ganzen Tag aus aller Welt auf mich einprasseln. Und ER war dabei, ER trank mit mir diese Tasse Kaffee auf dem kleinen Balkon in Bautzen. Jetzt sind wir beide wieder Zuhause und auch hier ist ER mit mir. Hier wo wir für uns sein können und ich mich ihm ganz öffnen, ihm alles sagen, ihn um alles bitten kann und wenn mir die Worte fehlen, nehme ich einen großen Schluck aus meiner Tasse. Een bakkie troost.

Bei meiner nächsten Tasse Kaffee denke ich an Sie und wünsche mir, dass Sie auch von Ihm getröstet werden, wenn Sie sich danach sehnen und ich wünsche Ihnen gute Gespräche bei einer guten Tasse Kaffee, heißen Tasse Tee oder einer leckeren Tasse Kakao.  Gott behüte Sie.

 

Herzlichst, Ihre Anja Schmidt

Gemeindeassistentin