Impuls

Wort zum Freitag 26.06.2020

Macht Gott eigentlich Urlaub?

Es ist Ferienzeit! Es ist Sommer! Es ist Urlaubszeit!

 

Seit Donnerstag sind Ferien. Es fühlt sich dieses Jahr gar nicht so an. All die Jahre habe ich auf diesen ersten Ferientag hin gefiebert. Denn diese Zeit heißt Abstand gewinnen von all der Hektik des Alltags, von den Terminen und vom Müssen. In dieser Zeit darf ich auch mal einen Termin vergessen oder ohne schlechtes Gewissen am Abend länger im Garten sitzen bleiben und den Abend genießen. Dieses Jahr wurde ich durch ein Virus bereits vor Monaten ausgebremst. Und nicht nur ich, sondern die meisten von uns. Das bedeutete nicht, dass wir weniger Arbeit hatten, doch es war und ist noch immer anders. So sind auch die kommenden Ferien anders. Der Urlaub, der bereits vor einem dreiviertel Jahr geplant wurde, musste abgesagt werden. Alle Vorfreude dahin. Für die Kinder sind die Ferien noch unwirklicher, seit Monaten ist kein normaler Unterricht möglich und die sonst so herbeigesehnte Ferienzeit ist eigentlich nur noch mehr Freizeit. Trotzdem – es ist Urlaubszeit!

 

Tatsächlich kommt das Wort „Urlaub“ von „erlauben“. Klar, Urlaub ist die zeitweilige Freistellung der Arbeit mit der Erlaubnis des Chefs. Wenn ich Urlaub mache, habe ich die Erlaubnis auszusteigen aus den manchmal auch mühseligen Alltagsgeschäften. Doch ich kann es auch umdrehen: Was erlaube ich mir selbst in den Urlaubstagen? Als Familienmensch ist man nie ganz freigestellt von allen Alltagsgeschäften und doch behaupte ich, das ich mir mehr erlaube, als wenn ich weiß, der Wecker klingelt am nächsten Morgen wieder um 05:30 Uhr. Ich genieße und das ganz bewusst. Genießen heißt aber nicht, wahllos alles zu konsumieren, was sich anbietet. Es bedeutet auszuwählen und sich auf das zu konzentrieren, was Freude bringt und was mir gut tut. Das ist für mich ein gutes Buch, ein Tag am See, ein Besuch bei der Freundin, ein Picknick mit Freunden oder ein Konzertbesuch. Erlauben Sie sich das auch! Seien Sie langsam und halten Sie inne. Freuen Sie sich über die Natur, lernen Sie wieder neu zu staunen über die Schöpfung, bleiben Sie stehen zum Gespräch und hetzen Sie nicht vorbei, sammeln Sie alle Eindrücke und vielleicht schreiben Sie sogar das Erlebte einfach einmal auf. „Schildkröten können mehr über den Weg erzählen als Hasen.“ las ich letztens dieses alte Sprichwort. Da ist was dran. Erlauben wir uns doch in den kommenden Tagen einen Blick auf den, der noch mehr verspricht als Entspannung und stressfreie Zeit. Auf den, der uns innere Ruhe gibt und uns aufatmen lässt. 

 

Und da stellt sich für mich die Frage, ob Gott eigentlich auch irgendwann mal Urlaub macht. Sicherlich ist die Frage nicht ganz ernst gemeint und doch ist es die älteste Auszeit, die wir kennen: „Und Gott ruhte am siebten Tag von all seinen Werken, die er geschaffen hatte.“ (Gen 2,2) Ob er sie braucht, ist nicht überliefert. Er nimmt sie sich einfach, ganz souverän. Unbestritten war die Schöpfung kein Zuckerschlecken und war sicher auch anstrengend. Doch seitdem hat er meines Erachtens viel mehr zu tun. Jeden Tag ist er damit beschäftigt, um wieder herzustellen, um zu heilen, zu trösten, in Ordnung zu bringen, was sein geliebtes Geschöpf, der Mensch, in seiner Schöpfung zerstört. Seit Jahrhunderten. Das ist anstrengend und da wäre es doch kaum verwunderlich, wenn Gott einen Urlaubsschein ausfüllt, bei sich selbst einreicht (wer sollte denn auch sonst dafür zuständig sein?), seinen Koffer packt und ganz souverän 6 Wochen Sommerurlaub macht. Eine lustige Vorstellung, niemand käme auf die Idee, dass er das wirklich täte. Er selbst am wenigsten. Er würde uns nicht zurücklassen in all dem Ungewissen, mit unserer Angst, im Streit miteinander, im Krieg, ohne jeden Schutz, ohne seine Hilfe und ohne seinen Zuspruch. Nein, das glaube ich nicht! Ich glaube, er nimmt seinen selbst gestellten Urlaubsschein, betrachtet ihn und betrachtet uns, dann nimmt er einen Stift und schreibt mit großen Buchstaben darauf: „Urlaub gestrichen“. Ganz ehrlich – wo hätte er auch hinfahren sollen. Da bleibt er lieber bei uns Menschen, erfreut sich an unserem Urlaub, unserem Müßiggang und bleibt jederzeit für uns ansprechbar!

 

So wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Sommerzeit und allen, die einen genehmigten Urlaubsschein in der Aktentasche haben, einen erholsamen Urlaub!

 

Ihre Anja Schmidt
Gemeindeassistentin