Impuls

Wort zum Freitag 25.12.2020

„Hört doch mal rein!“

Frohe, gesunde und hoffnungsvolle Weihnachten wünsche ich Euch und Ihnen allen, die Sie mir hier heute  begegnen! Überall auf der Welt ist heute Weihnachten. Der erste Eintrag in einen Kalender für die Geburt Jesu Christi auf den 25. Dezember findet sich beim Kopisten Furius Dionysius Filocalus aus dem 4. Jahrhundert! Ab dem 7. Jahrhundert setzt sich der Brauch, die Geburt Christi an diesem Datum zu feiern, auch in Deutschland durch. Ist das nicht zutiefst beeindruckend und berührend, dass wir in einer so langen, lückenlosen Tradition stehen, die Geburt Jesu Christi zu feiern? - Über den ganzen Erdkreis hinweg, überall dort, wo Christen wohnen, welche Sprache auch immer sie sprechen?! Christus, das Licht, wird Mensch, diese Botschaft soll HEUTE in unseren Herzen Wohnung finden, dieses Licht soll unser Leben heller machen auf dieser Welt, - HEUTE – an Weihnachten, dem Fest der Liebe.

Wo kommt dieses Wort „Weihnachten“ eigentlich her? Es ist abgeleitet aus dem mittelhochdeutschen „ze den wihen nahten“ (Dativ Plural) und daraus wird im 13. Jahrhundert der Nominativ Plural „wihenahten“ und bedeutet in „den geweihten Nächten“. Germanisch „weiha“  bezeichnete heilige Dinge und Personen. „Weihnacht“ heißt  also „Heilige“ oder „Geheiligte Nacht“.  

So kann man es auch im digitalen Wörterbuch der dt. Sprache nachlesen, herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Auf dieser Seite gibt es auch einen Adventskalender und heute öffnet sich ein Türchen mit dem Wort „Jauchzen“ – „Jauchzet, frohlocket!“ und ich muss schmunzeln, aber nein, …. Die erste Kantate des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach empfehle ich heute zwar dringend, - werde ich heute hier aber nicht zum Hören anbieten.

„1988“ steht in meinen Noten eingeschrieben, und 9 DM, gekauft, als ich in der Bischöfl. Kirchenmusikschule angefangen habe zu studieren. Und aus voller Kehle und mit überlaufenden Herzen haben wir Studierenden in der Weihnachtszeit diese wunderbaren Lieder gesungen, die mich seitdem nicht mehr verlassen haben: „Weihnachtslieder“ von Peter Cornelius (1824-1874) und dort heißt es im ersten von sechs Liedern: „…Die Kinder schauen der Bilder Pracht und haben wohl des Singens (der Mutter) acht, das tönt so süß in der Weihenacht.“ Im zweiten Lied „Die Hirten“  wird dann das Weihnachtsgeschehen beschrieben: Hirten wachen im Feld, Nacht ist rings auf der Welt, wach sind die Hirten alleine im Haine. Und ein Engel so licht grüßet die Hirten und spricht: „Christ, das Heil aller Frommen ist kommen!“ Engel singen umher: „Gott im Himmel sei Ehr‘! Und den Menschen hienieden sei Frieden! Eilen die Hirten fort, eilen zum heil’gen Ort, beten an in den Windlein das Kindlein.“ Bei aller Abgeklärtheit des 21. Jahrhunderts sehe ich mir gerne genau diese Szenen auf Gemälden des 17. bis 19. Jrh.s an, die Sprache der Lieder, der Musik,  entspricht der Art der dargestellten Szene, lieblich verklärt und verherrlicht, bei allem dargestellten Elend trotzdem einfach schön. Und dieses Schöne tut meiner Seele gut… in kalter Winterzeit. Keine Zeit hat Traditionen und Wissen aus so vielen Zeiten miteinander verbunden  wie unsere. Meine Hoffnung ist, dass der Kommerz die frohe Botschaft an Weihnachten nicht vollständig verdrängt. Wer wollte über neue Pullover jauchzen und frohlocken?! Gott wird Mensch – für uns alle. Ehre sei Gott in der Höhe! Viel Freude mit dem irischen Tenor Robin Tritschler

https://www.youtube.com/watch?v=wrjgi7hns1g und einer zweiten Variation als Chorstück vom Norddeutschen Rundfunkchor! https://www.youtube.com/watch?v=y2uAROEr8JE

Ein fröhliches, seliges, Wiedersehen-bringendes, sowie gesundes Jahr 2021!

Ihre und Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin