Impuls

Wort zum Freitag 19.02.2021

Fastenzeit ist wie eine große Versuchung

Da ist sie wieder – meine „Hassliebe“ – die Fastenzeit. Jedes Jahr bin ich festen Willens eine geliebte Gewohnheit zu opfern, um mehr Zeit für meine Beziehung zu Gott zu haben und jedes Jahr hoffe ich wieder nicht zu scheitern. Die Fastenzeit ist wie eine Wüste für mich. Manches Jahr eine nicht enden wollende Durststrecke oder eine Wanderung, deren Ziel nicht näher kommen will und irgendwann Langeweile verursacht. In so einer Wüste lenkt mich nichts Äußeres ab, das einzige, was mir bleibt sind Träume. Eine klassische Strategie, wenn man sich klein fühlt, träumt man von den Erfolgen, die einen groß machen können. Die Versuchung lockt mich. Sie besteht darin, dass ich gerade nicht ich selbst sein will.

Die Urversuchung kennen wir alle. In der biblischen Erzählung von Adam und Eva wird den beiden die Verlockung, sie würden sein wie Gott, zur Falle. Ihre Gier reizt sie zum Griff nach einer Frucht, die ihnen nicht zusteht. Sie wollen mehr sein als Mensch, ihre Versuchung ist Maßlosigkeit.

Auch Jesus hat sich in der Wüste Versuchungen stellen müssen. Die teuflische Stimme ruft Jesus in Erinnerung, dass er über große Fähigkeiten verfügt: „Du kannst Steine in Brot verwandeln!“ und versucht ihm so zu zeigen, dass er Gott gar nicht braucht, sondern aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten selbst für sich sorgen kann. Doch Jesus wusste es besser, wir können nicht allein vom Brot leben, sondern wir brauchen sein Wort und seinen Zuspruch, der wie eine Liebeserklärung für uns ist. Das Entscheidende in Wüstenzeiten wird uns von Gott geschenkt, der uns segnet und sein Wohlwollen verspricht.

Auch die zweite Versuchung, für einen anbetenden Kniefall vor dem Teufel alle Reiche der Erde zu bekommen, wehrt Jesus ab. Denn ich brauche weder große Reichtümer oder Einfluss auf andere Menschen, um jemand zu sein, denn ich bin immer ein geliebtes Kind Gottes. Meine innere Haltung wird zum Gebet im Vertrauen auf ihn, meinen Ursprung. 

Ebenso schafft es der Teufel nicht, von Gott einen Liebesbeweis zu fordern. Denn Gottes Liebe stellt weder Forderungen noch Bedingungen. Dieser Liebe kann man glauben. Sie ist und bleibt ein Geschenk an uns Menschen.

Wenn das so ist, brauch‘ ich vielleicht ja auch gar nicht auf irgendwas verzichten und in meine Wüstenreise antreten. Oder doch?

Ich kann es nicht machen – und dennoch etwas dafür tun, um dieses Geschenk zu erhalten und zu bewahren. Indem ich mir etwa die geglückten Augenblicke wieder in Erinnerung rufe, in denen ich diese Liebe ganz ursprünglich gespürt habe. In denen ich das Geschenk „ausgepackt“ habe. Jesus erinnert sich selbst und mich in der Trockenheit der Wüste an die Zusage, die er bei seiner Taufe im Jordan erlebt hatte. Die Taufe als Geschenk ohne Vorleistung und Bedingung. In der Kraft dieser Erinnerung widersteht er allen Versuchungen und hält auch die Unsicherheit aus, die der Glaube an Gott mit sich bringt.

Glauben bedeutet eben auch Umwege zu gehen, zu stolpern, vielleicht sogar hinzufallen in der Hoffnung, dass Gott mich begleitet, selbst dann, wenn ich es nicht wahrnehme und ich ihn nicht spüre. Um am Ende sagen zu können: Ich habe ihm geglaubt. Ich habe der Liebe geglaubt.

 

Ich wünsche Ihnen eine segensreiche Fastenzeit mit allen Stolpersteinen, die sie mit sich bringt.

Ihre Anja Schmidt (Gemeindeassistentin)