Impuls

Wort zum Freitag 18.06.2020

„Hört doch mal rein!“ Freitag, 19.06.20

Eine Liebeserklärung - , so könnte die Überschrift über die heutigen Tageslesungen lauten. Es ist das Hochfest „Hl. Herz Jesu“ , … das Herz- es ist das Symbol für die Liebe schlechthin. Was für schöne Texte können wir heute hören! … Mit Dt7, 6-11 beginnen die Tageslesungen heute. Da heißt es: Der Herr hat Euch ins Herz geschlossen und ausgewählt.  Allein dieser Satz macht schon sehr froh und zuversichtlich  und könnte uns schon mal mindestens einen ganzen Tag begleiten. Dann folgt der Psalm 103: „Lobe den Herrn meine Seele und alles in mir deinen heiligen Namen…“ da klingt unter anderem sofort der Kanon von Norbert Kissel im Ohr, den wir schon so oft im Gottesdienst gesungen haben. Ich singe ihn immer wieder gerne, er schwingt freundlich im 6/8-Takt.

In der zweiten Lesung aus dem ersten Johannes-Brief  hören wir: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“. Dieser wunderbare Text  ist von Martin Grabert (1868-1951) vertont worden und zählte zu den ersten Chorstücken, die ich im Kirchenchor mit Frau Prietzel vor vielen Jahren zu singen gelernt habe. Wir haben es zu zahlreichen Hochzeiten, Ehejubiläen, aber auch in Requien  gesungen. Das Stück  ist ein bisschen kitschig, zugegeben, zeitgerecht romantisch auch,- aber es geht  tatsächlich ins Herz,  es ist voller Leidenschaft und die Musik steigert sich von Wort zu Wort und schwingt sich schließlich in der Melodie zu „Gott“ hinauf  und beruhigt sich sanft im „…und Gott bleibt in ihm“.

Doch es kommt noch besser: Im Evangelium Mt 11, 25-30 hören wir:„ Kommt alle zu mir, die ihr mühselig seid und beladen. Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernet von mir und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Und die Töne, die sich mir unweigerlich bei diesen Worten ins Ohr schummeln, stammen von Georg Friedrich Händel. Im Messias (Nr.17/18 je nach Ausgabe) heißt es dort: Larghetto im 12/8 – Takt, eine Pastorale, eine Hirtenmusik. Ich liebe die Dreier-Takte, ….hier schwingt es wie ein Wiegenlied …  wie unsagbar tröstlich ist diese Musik, wie sanft, wie liebevoll, … „Er weidet seine Herde, ein guter Hirte!“

Natürlich gibt es Tausende  von Aufnahmen dieser Arie. Sie ist schwer zu singen, weil sie verleitet, aus ihr eine dramatische Opernarie zu machen. Hören möchte ich persönlich aber die sanfte, mütterliche Stimme, die leise zu mir sagt: „Komm her zu mir, wenn dich etwas drückt“. In der stimmlichen Höhe und gespannten Stimmlage ist das schwer umzusetzen. Noch dazu Barockmusik  von ihrem Inhalt her zu interpretieren und nicht ausschließlich in der Stilistik der Zeit zu bleiben mit der Interpretation, auch das ist eine Herausforderung. Wer dies aber schafft, der wird die Herzen berühren, auch 277 Jahre nach der Uraufführung (!!!) dieses wundervollen Werkes. Ich habe deshalb eine Aufnahme mit Julia Rempe von 2012 ausgesucht und finde, ihr gelingt das sehr gut…

Wir sind von Gott geliebt, - wie von dem Hirten, der  jedes Schäflein liebt, - wie von der  Mutter, die ihr Kind in den Schlaf singt. Und wir sind selbst verantwortlich für die Liebe. „Wer in ihr bleibt…“ , das ist ein Handlungsauftrag! In der Liebe zu bleiben und damit in Gott. Dann dürfen wir uns auch mal zurücklehnen, Ruhe für die Seele finden im Hören der Musik und uns geliebt fühlen von Gott… „Kommt her zu mir…“

https://www.youtube.com/watch?v=8JoBxBTpaOw

Hört doch mal rein! Bis zum nächsten Mal hier auf dieser Seite wünsche ich Ihnen und Euch diese spürbare Zuversicht, geliebt zu sein.

Ihre und Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin