Impuls

Wort zum Freitag 14.08.2020

„Zwischen Chronos und Kairos“ -

Vom Verständnis der Zeit und dem Umgang mit der Zeit.

 

Mit der Zeit ist es so eine Sache. Das fällt mir vor allem gerade in dieser Zeit der Corona-Pandemie wieder aufs Neue auf. Sie schreitet voran die Zeit. Bin ich in der Lage, den richtigen Zeitpunkt für Entscheidungen, für neue Ideen, für das Richtige oder das Falsche zu erkennen? Zeit ist eben nicht gleich Zeit. Die alten Griechen haben diese Differenz der Zeit durch zwei Götter symbolisiert. Da ist zum einen Chronos: Er ist der Gott der Zeit, der laufenden Zeit, der die Vergänglichkeit und das Fortschreiten beschreibt. Einfach gesagt, ist er der Gott der Uhr. Chronos wurde und wird oft mit Sichel und Stundenglas dargestellt. Es ist die Zeit, die ablaufen kann, und es ist die Zeit, die vergeht. Der andere Gott der griechischen Mythologie ist Kairos. Bei ihm geht es nicht um die laufende Zeit, nicht um Vergänglichkeit oder Prozesshaftigkeit. Kairos wird dargestellt mit einer Waage in der Hand. Diese Darstellung verdeutlicht bereits, welche Bedeutung dieser Gott der Zeit für die Menschen damals hatte. Er war der Gott, der den richtigen Zeitpunkt beschrieb. Seine langen Haare führen bis heute zu der Formulierung, die eigentlich jede*r kennt: Die Gelegenheit beim Schopfe packen. Chronos und Kairos sind also keine Gegenspieler, sondern sind Teamplayer der Zeit. Ohne die laufende Zeit gibt es keine richtige Gelegenheit, denn wie soll ich denn den richtigen Zeitpunkt erkennen, wenn ich nicht Teil der Geschichte bin. Meinen Papa wird diese Aussage sicherlich mit großer Zufriedenheit erfüllen. Als Verfechter der Philosophie Hegels, der Geschichtsphilosophie, ist er der Meinung, dass Erfahrung den Ablauf der Geschichte maßgeblich und nachhaltig beschreibt und bewirkt. Wie aber kann ohne Erfahrungen Kairos erkennbar werden? Den richtigen Zeitpunkt zu finden, braucht Erfahrung. Und an dieser Stelle bin dann sogar ich als überzeugter Anhänger von Immanuel Kant so weit, dass ich zugestehen muss: Ohne die Erfahrungen der Geschichte kann und wird niemand den richtigen Zeitpunkt entdecken, niemand die wahre Gelegenheit beim Schopf ergreifen.

Unser Gott, in dem sich alles vereint, der vor aller Zeit war und in alle Ewigkeit sein wird, bedarf dieser Götter nicht. Dennoch sind die beiden griechischen Götter Chronos und Kairos für mich zwei, die den Begriff der Zeit verständlicher und erklärbar machen.

Schaut und schauen Sie doch in der kommenden Woche mal hin, wo Euch und Ihnen neben Chronos auch Kairos im Alltag begegnet.

Im Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes, die uns die Zeit schenkt, dass wir sie füllen, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund!

 

Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent