Impuls

Wort zum Freitag 11.12.2020

Taufbecken Nabatäische Siedlung Foto: Pfr. Marra

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
Denn der Herr ist nahe.
“ (Phil 4, 4.5).

Mit diesen Worten beginnt der Gottesdienst am dritten Adventssonntag. Es ist ein Zitat aus einem Brief, den der Apostel Paulus an die Christen der Gemeinde Philippi schreibt. Paulus und die ersten Christen seiner Zeit waren überzeugt, dass der Auferstandene Christus bald wieder auf die Erde kommt. Deshalb beteten sie in ihren Gottesdiensten: Marana Tha! Das ist aramäisch und bedeutet: Komm, Herr!

Ja, die Ankunft eines erfreulichen Besuches, das verabredete Treffen mit einer geliebten Person, ein geplanter Urlaub, ein bestimmtes Vorhaben, die erwartete Beförderung auf der Arbeitsstelle oder eine versprochene Lohnerhöhung bewirken in der Regel eine – ich würde fast sagen kindliche – Vorfreude. Und das ist schön!

Wie sieht es aber aus, wenn gar nichts Erfreuliches in Aussicht steht, wenn sich die Zukunft als düster und ungewiss abzeichnet? Wenn man unter einer Krankheit oder einem tragischen Verlust leidet? Gerade in unseren Tagen erleben wir, wie die Pandemie sehr vielen das Leben zum Teil wirklich unmöglich macht: lästige Hygienemaßnahmen, belastende Planungsungewissheit, keine rosigen Aussichten, was die Weihnachtszeit angeht. Um nicht von der ansteigenden Zahl der Schwererkrankten zu reden, die zum Teil die schwierige Zeit ganz allein verbringen müssen, oder von den alten Menschen, die oft ganz zu vereinsamen drohen, oder von den vielen Opfern häuslicher Gewalt. Wie kann man da noch sagen: Freut euch!

Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Jes 61,1-2a). Diese Aussage aus dem Buch Jesaja hat Jesus am Anfang seines öffentlichen Wirkens für sich in Anspruch genommen, als er in der Synagoge seiner Heimatsstadt Nazareth genau diese Passage las. Er wusste sich von Gott gesandt gerade für jene, die sich in der Not, in der Aussichtslosigkeit, im Leid und in der Verzweiflung befinden. Er ist der Gottessohn, der Stärkung, Hoffnung, Versöhnung, Leben bringt. Er ist die sichtbare Zuwendung Gottes zum Menschen, Ausdruck seiner unendlichen Liebe für sein Geschöpf.

Manchem werden diese Worte als abstrakte, weltfremde oder sogar leere Begriffe klingen. Ich wage einen Vergleich: Wir versprechen uns, bald eine Normalität wieder zu erlangen dank der Impfstoffe, die in der Lage sind, das Coronavirus abzuwehren. Wir vertrauen darauf, dass es Wissenschaftlern gelingt, Medikamente herzustellen, die die Menschen heilen können. Wir haben in der Vergangenheit solche Erfahrung gemacht. Deshalb stimmt uns diese Aussicht positiv, vielleicht sogar fröhlich, auf jeden Fall hoffnungsvoll.

An Weihnachten gedenken wir eines großartigen Ereignisses: Der Ewige ist in die Endlichkeit, der Vollkommene in das Unvollkommene, der Schöpfer in seine Schöpfung gekommen. Gott hat sich zum Menschen gemacht, um die Menschen in seine Göttlichkeit aufzunehmen. Das ist aber nicht bloß vor etwas mehr als 2000 Jahren in einem verdreckten Stall zu Bethlehem passiert, weit weg von uns. Christus kommt im Hier und Jetzt, immer, wenn wir in seinem Namen versammelt sind, immer, wenn wir in seinem Sinne handeln, immer, wenn wir uns von seinem Geist inspirieren und bewegen lassen. Auf diese Erfahrungen in unserem täglichen Leben dürfen wir uns aus ganzem Herzen freuen. Der Herr ist uns viel näher, als wir denken, als wir uns vorstellen können. „Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe!

Ihnen allen gesegneten und besinnlichen Advent!

Ihr Pfr. Arduino Marra