Impuls

Wort zum Freitag 10.07.2020

„Hört doch mal rein“

„Schaffe in mir Gott ein reines Herz und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir!“ Diese eindringliche Bitte lesen wir heute im Psalm 51 in den Tageslesungen. Es ist ein Bußpsalm. Buße setzt Schuld voraus, sonst hätte man ja nichts zu büßen. Schuld, Sünde, Reue und Buße sind keine populären Wörter in der heutigen Kirche. Sich von einer Last zu befreien, die man auf sich geladen hat, ist aber seit Jahrtausenden menschliches Thema. Diese Last und das Lastempfinden aufgrund eigener Unzulänglichkeit im Menschsein ist sicher bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Manch einer grübelt lange über seine Fehler und Fallen nach, manch einer kommt leicht über sie  hinweg. Der Beter in diesem Psalm weiß, dass er etwas getan hat und er weiß, dass er mit seiner Schwäche zu Gott kommen kann. Er sagt: „Ich erkenne meine bösen Taten… wasche mich rein, weißer als der Schnee!“  Er hat die Zuversicht, dass Gott ihn von seiner Schuld befreien wird, trotzdem ist seine Bitte eindringlich: „nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir“.

In diesem Zusammenhang hat sich mir der Satz in meinem Ohr und Gedächtnis eingebrannt, den ich in zahlreichen Predigten zu meinem Berufsstart immer wieder von Pfarrer Kliesch hören konnte: „Gott liebt uns vor aller Leistung und trotz aller Schuld!“ “ - das ist eine wunderbare Zusage, eine Zusage, die uns zu jeder Zeit einen Neubeginn möglich macht. Auch der Beter weiß das: „Mach mich wieder froh…-mit einem willigen Geist rüste mich aus… Dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.“ Das ist schon der Schritt danach, der Schritt nach der Bereitschaft für alles gerade zu stehen, der Neubeginn… „rüste mich aus“.

Das Musikstück zu diesem Psalm, das ich heute ausgewählt habe, ist von Johannes Brahms (1833-1897), der der musikalischen Romantik zuzuordnen ist. Er schreibt die Motette „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ für 5-6-stimmigen Chor im Sommer 1860. Er studierte in dieser Zeit die alten Kompositionstechniken der Barockzeit, die als Kanon und Fuge und in der Kontrapunkttechnik (Begleittechnik) in dieser Motette auftauchen.  Das ist in der Zeit der Symphonien nicht typisch; das Nach-hinten-Schauen schon. Die Motette gliedert sich in 3 Teile:

1)      Andante Moderato, ein Kanon in G-Dur im 2/2-Takt, 5-stimmig mit 2 Frauenstimmen und 3 Männerstimmen…, das gibt ein wuchtiges Bassfundament.

„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist“.

2)      Andante espressivo, Fuge in g-Moll im 4/4-Takt, der Tenor beginnt die Fuge, dann der Alt, wunderbar ist die Stimmenverteilung. Eindringlich flehentlich ist die Bitte, die sich dramatisch aufschwingt zu „Angesicht“ in allerhöchsten Tönen, um dann unheimlich tief und eindrucksvoll einstimmig auf g zu enden, so tief kommt der Sopran nicht mehr, er schweigt … „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.“

3)      Andante, in G-Dur im 6/4-Takt, 5-stimmig im Kanon, hier jubeln die Männerstimmen zuerst. Hier liegt eindeutig der Schwerpunkt auf dem Wort „Geist“ und im folgenden Satzteil dann auf „freudig“. „Tröste mich wieder mit deiner Hilfe und der freudige Geist erhalte mich“

und Allegro, G-Dur 6/4-Takt, dann animato, „Und der freudige Geist erhalte mich.“

Viel Freude beim Hören und Mitbeten dieser romantischen Motette von Johannes Brahms und hört doch mal rein: https://www.youtube.com/watch?v=MuUYNP5P-5k

bis auf ein Wiederhören hier auf dieser Seite und bleibt gesund!

Ihre und Eure Sonja Schek, Kirchenmusikerin