Impuls

Wort zum Freitag 07.08.2020

 

Hört doch mal rein, 07.08.20, Wochenimpuls

 

„Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Die nahe-liegendste musikalische Brücke, die ich zu den heutigen Tages-Lesungen schlagen kann, geht zu einem Musikschauspiel des mittleren 20. Jrh.s, - zu der kleinen Oper „Der Evangelimann“ von Wilhelm Kienzl, Komponist aus Österreich,  1895 geschrieben. Ich persönlich kenne nur diesen einen Satz als Chorbearbeitung, den wir im Chor mit Frau Prietzel vor gut 30 Jahren gesungen haben. Sieht man bei Youtube nach, so hat anscheinend jeder Heldentenor irgendwann einmal eine Aufnahme von dieser Arie gemacht. Den Musikgeschmack der 60er Jahre (besonders, was die Gesangstechnik betrifft) empfinde ich eher als „schwülstig theatralisch“ mit viel angesteuerten Tönen – das ist aus heutiger Sicht schlichtweg unsauber gesungen … und deshalb für mich auch nur in Maßen erträglich. Trotzdem lohnt es sich historisch gesehen, in diese Aufnahme hineinzuhören: Rudolf Schock, gefeierter Sänger seiner Zeit, singt mit dem Kinderchor der St. Hedwigskathedrale Berlin 1965 dieses Stück. In seiner Opernrolle ist er ein Wanderprediger, der durch Hinterhöfe zieht und den Kindern die Bibel und damit dieses Stück beibringt. Hört doch mal rein… quasi eine gesungene Chorprobe…

https://www.youtube.com/watch?v=6K2fKh_7C3c

Was bedeutet „selig“? Zum Einen bedeutet es laut Dt. Wörterbuch: überglücklich. In seiner religiösen Bedeutung heißt es: von allen Übeln des irdischen Lebens auf ewig frei und der himmlischen Wonnen teilhaftig. Ich habe nie verstanden, warum die Verfolgten glücklich sein sollen, oder die, die da Leid tragen. Sie sind doch todunglücklich… ihr Lohn im Himmel wird groß sein. Also je mehr Leid, desto mehr Lohn? Das ist sicher auch eine Gottessicht, die sich über die Jahre verändert hat. Dann müssten wir ja alle Märtyrer werden, um dereinst bei Gott auch richtig glücklich sein zu können. Das ist in meiner Glaubenswelt nicht der Fall. Für mich bedeutet dieses „selig“ daher eher: erbarmungswürdig. Gott ist bei denen, die ihn besonders brauchen. Aber das Erbarmungswürdige bedeutet für mich auch, dass WIR Erbarmen haben sollen mit denen, die verfolgt werden, mit denen, die „an die Wand gedrückt“ werden, deren Leben nicht mehr froh wird. „Ihr Lohn im Himmel wird groß sein…“ – das entbindet mich nicht der Verantwortung als Christ für eben diese „Mühseligen“ da zu sein.

Reinhard Mey hat unter seinen zahlreichen Aufnahmen auf Youtube leider keine eigene Einspielung von seinem Lied „Selig sind die Verrückten, die an die Wand Gedrückten“ eingestellt. Dieses Lied scheint mir ein zeitgemäßes Beispiel für eine solche Seligpreisung zu sein, dafür, wie Not im Hier und Jetzt aussehen kann. Er beschreibt sie in unmissverständlich deutlicher Sprache, wie wir es von Reinhard Mey kennen. „Selig sind, die Verfolgung leiden“ oder „Selig sind …die Abgebrochenen…“. Reinhard Mey sieht das Leid, und er lässt es uns sehen - . Gott hat uns Menschen, um durch uns an unseren Mitmenschen zu handeln und damit  Leid zu verringern, wo es uns möglich ist.

Hört doch mal rein, (auch wenn es nicht ganz intonationssicher gesungen ist und nicht das Original…)Wer die Original-CD Zuhause hat: es ist seine CD „Immer weiter“, Lied Nr. 12, von 1994

https://www.youtube.com/watch?v=Z_qa5_LrCn4

Eine gute Sommerwoche, bleibt aufmerksam und gesund!

Eure und Ihre Sonja Schek, Kirchenmusikerin