Impuls

Tagesimpuls 14.05.2020

Wenn Worte meine Sprache wären

Es gibt ein Lied von Tim Bendzko, in dem er singt:

Mir fehlen die Worte, ich

Hab' die Worte nicht
Dir zu sagen was ich fühl'
Ich bin ohne Worte, ich
Finde die Worte nicht
Ich hab' keine Worte für dich.“

 

Ich habe in den letzten Wochen und Tagen so viele Gespräche geführt. Erfüllende Gespräche, aufbauende Gespräche, lustige Gespräche, traurige Gespräche, bereichernde Gespräche, ermunternde Gespräche und auch leere Gespräche. Über manche denke ich noch lange nach, bin glücklich und freue mich, dieses Gespräch geführt zu haben. Und dann gibt es diese Gespräche, die mich nicht in Ruhe lassen. Ich denke nach, über ihren Sinn, über ihren Inhalt und darüber, was mein Gesprächspartner mir eigentlich mitteilen wollte. Es kostet viel Zeit und Kraft mir darüber im Klaren zu werden, was dieses Gespräch mit mir gemacht hat. Im besten Fall, kann ich doch noch etwas gutes daran finden oder aber es einfach abhaken. Im schlimmsten Fall beschäftigt mich es noch wochenlang. Dann fehlen mir wiederum andere Gespräche, die zur Zeit einfach nicht stattfinden. Dann fehlen mir die Worte, die ich sagen will, ich finde die Worte nicht und kann nicht sagen, wie ich mich fühl. Ich könnte dann diese endlose Schleife tappen, die mich immer wieder mit dem Gleichen konfrontiert. Das möchte ich nicht. In den letzten Tagen habe ich mir einen neuen Gesprächspartner gesucht. Er ist kein Unbekannter und auch er kannte mich schon bevor ich ihn kannte. Leider ist er mir abhanden gekommen und nun ist er wieder mein wichtigster Gesprächspartner.

 

Es ist Gott. Ich werde ruhig, ruhig vor Gott, denn ich will mich mit ihm verbinden und mit ihm ins Gespräch kommen. Ich bete und wenn ich bete, weiß ich, dass er mir mir zusammen ist und mir zuhört. Ich bin mit Gott verbunden und mit anderen im Gebet. Genau jetzt. Genau so. Ich bin hier. Er ist hier. Das genügt und ich weiß, das ich ihm alles sagen kann und das ich es auch will. Keine Geheimnisse, kein Verstecken, keine Angst vor gefallenen Worten.

 

Nach schweren Gesprächen ist es für mich ein kleines Ritual geworden. Zu aller erst brauche ich Trost, Trost den Jesaja mir schon versprochen hat: Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen, der seine Mutter tröstet. (Jes 66, 13) Ich rufe ihn an, bete und sage ihm, was mich bedrückt und was mich glücklich gemacht hat. Ich genieße die Stille und höre, sehe und spüre seine Antwort. Ich weiß, dass er bei mir ist, wenn sich in mir eine Melodie breit macht: „Das ist ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.“ Wenn ich dann Gott alles erzählen kann, fühle ich mich befreit und vor allen Dingen aufgemuntert. Ich merke, dass mein Empfinden ein Sandkorn in der Wüste ist und ich erzähle Gott von den Zeiten jetzt, wo alles so anders ist und wieviel Schönes daraus erwächst. Ich erfreue mich über das, was der Tag mit sich gebracht hat und staune, wieviel Gutes passiert ist, wenn ich meine Gedanken von dem Negativen ablenke. Und dann weiß ich, er wirkt in mir und weitet meinen Blick. Ich fühle mich getröstet und geliebt. Es ist Gott, der Vater, der mein wichtigster Gesprächspartner geworden ist.

 

Ich wünsche Ihnen Gespräche, die Sie durch diese Zeit tragen und noch darüber hinaus. Die, wenn Ihnen die Worte fehlen und Sie die Worte nicht finden, zu sagen, wie Sie sich fühlen, ermuntern und stärken zu sprechen. In Gesprächen mit Gott zählen nicht die Worte. Da zählen Sie!

 

Herzliche Grüße, Ihre
Anja Schmidt, Gemeindeassistentin