Impuls

Tagesimpuls 12.05.2020

„Shalom ist so viel mehr!“-

Warum das Wort Frieden einfach zu wenig ist.

 

Das heutige Evangelium bietet uns den Abschluss der ersten Abschiedsrede Jesu. Für mich ganz persönlich steckt in diesem Abschluss eine der schönsten und eine der verheißungsvollsten Zusagen Jesu. Ich glaube, es liegt nicht nur daran, dass es das Johannes Evangelium ist, sondern vor allem daran, dass es eines der Worte beinhaltet, die meine Exegese und mein theologisches Denken nachhaltig geprägt haben und prägen. „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ So heißt es in Johannes 14, 27.

 

Mir geht es um das Wort Frieden. Es ist ein großes Wort. Es ist ein viel genutztes Wort. Es ist ein sehr bekanntes Wort. Leider ist es aber auch ein unverstandenes und missbrauchtes Wort. Frieden ist die Übersetzung des hebräischen Wortes Shalom. Aber diese Übersetzung drückt bei Weitem nicht das aus, was das übersetzte Wort alles aussagt. Shalom bedeutet unendlich viel mehr als das, was wir mit dem Wort Frieden sagen. Seit klein auf ist der Friedensgruß Teil meines Lebens: Kein Gottesdienst ohne Friedensgruß, immer brav der oder dem nächsten den Frieden wünschen, denn so ist es üblich und so habe ich es gelernt. Und wenn ich den Frieden gewünscht habe, dann gibt es keinen Streit mehr und die Kriege auf der Welt hören auf. Genau das habe ich gedacht, als ich klein war und auch im Heranwachsen. Aber irgendwann, schon lange vor dem Theologiestudium, kamen mir Zweifel, ob das wirklich alles sein kann, was hinter diesem Wort Frieden steckt. Das Wort Shalom in seiner Tiefe zu verstehen oder gar zu begreifen, ist mir erst gelungen, als ich im Studium die althebräische Sprache gelernt und mich der alttestamentlichen Exegese zugewendet habe. Das, was ich entdeckt habe, ist etwas so Wunderbares, dass ich es als eines der schönsten Geschenke meiner biblischen Studien verstehe. Shalom meint nicht nur einen kleinen Frieden, sondern etwas viel Größeres und etwas ganz Persönliches zugleich. Shalom beschreibt die innere Geordnetheit eines jeden Menschen mit sich selbst und mit Gott. Und genau das, diese innere Geordnetheit mit mir selbst und mit meinem Gott, das gebe ich weiter, wenn ich einem anderen Menschen den Shalom, den Frieden wünsche. Es ist die Weitergabe und das Weiterschenken des eigenen inneren geordnet-Seins sowie meiner eigenen intakten Gottesbeziehung, es ist das persönliche Geschenk meiner tiefsten inneren Haltung an meine Nächste oder meinen Nächsten. Auf diesem Hintergrund habe ich die Zusage Jesu „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ richtig verstehen und damit auch lieben gelernt. Es ist eben kein Frieden, der allein menschenmachbar ist, nein es ist ein Geschenk, das Gott durch Jesus, gewirkt durch die heilige Geistkraft, uns Menschen macht. Und auch wenn es nicht ein weltgemachter Frieden ist, so ist jede und jeder von uns auf dieser Welt dazu in der Lage, das Geschenk des Shalom weiterzugeben. Die einzige Bedingung dafür ist, dass ich selbst sowie jede und jeder Einzelne diesen Shalom selbst lebt und somit erlebbar macht.

Jesus fügt noch hinzu: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Ich mag diese Hinzufügung, denn sie nimmt ganz viel Druck, ja sie entlastet mich. Es muss nicht immer alles auf einmal gehen und es darf auch mal etwas schief gehen: Gott sei Dank muss ich nicht perfekt sein. Es zählen das Bemühen, die innere Haltung, meine gesunde und mit Leben gefüllte Gottesbeziehung und nicht das immer als Erste oder Erster fertig-Sein-Müssen. Für mich bedeutet dies Beruhigung und Entlastung, denn auch wenn ich einmal verzagen sollte, so steht die Zusage Jesu, nicht verzagen zu müssen, weil Gott seine Zusagen niemals zurückzieht, Jesus an meiner Seite steht und die heilige Geistkraft in mir immer wieder neuen Mut zum Shalom erweckt.

 

In Vertrauen auf das Wirken der heiligen Geistkraft Gottes, die uns zum Verstehen und Leben des Shalom befähigt, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und wünsche von Herzen:

Bleiben Sie und bleibt in Gottes Namen gesund! Halleluja!

 

Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent