Impuls

Tagesimpuls 11.05.2020

Ein Hauch von Freiheit

In den letzten Wochen haben wir immer wieder Verbote und Gebote in den Nachrichten zu hören bekommen. Jeden Tag gab es etwas Neues, was wir zu beachten hatten. Ich habe sie, wie Sie alle auch, befolgt, da ich hoffte, damit meinen Anteil an der Situation leisten zu können. Ich empfand das auch nicht als Last oder Enge, wie es manchmal Verbote an sich haben. Ständige Verbote von Lehrern, Eltern oder Mitmenschen dagegen wirken streng. Strenge Menschen strengen an. Das Leben wird eng und enger. Der Lebensweg wird schmal und es ist anstrengend dahin durchzukommen. Das war es auch in den letzten Wochen – anstrengend, sich an alles zu halten und alles zu beachten. Das wird uns auch die nächste Wochen weiter begleiten. Aber wir haben schon ein Stück Freiheit zurückbekommen. Ich kann mich nur noch nicht entscheiden, ob diese Freiheit erzwungen ist und ob es diese Freiheit ist, die wir uns wünschen?

 

Die Zehn Gebote, die man als Christ und Christin irgendwann lernt, empfinde ich nicht als eng. Sie sind eine rote Richtschnur in meinem Leben und ich weiß, Gott möchte mir damit ein erfülltes Leben schenken. Fürchterlich eng und streng dagegen war das Leben der Israeliten in Ägypten. Überschritten sie die rote Richtschnur, dann ernteten sie Peitschenhiebe und noch mehr Verachtung. Sie litten, es erschien ihnen sinnlos und sie waren machtlos gegenüber den ihnen gegebenen Gesetzen. Ein Leben in Freiheit war für sie ein großer Traum. Sie wollten nichts mehr als diese Enge verlassen, einen Schritt über die roten Linien hinaus wagen. Sie wussten nur einer kann ihnen diese Freiheit schenken und sie wandten sich an Gott, der ihnen die gewünschte Freiheit zusprach. In dieser gewünschten Freiheit erhielten die Israeliten die 10 Gebote. Sie erinnern die Israeliten auch an ihre Freilassung – denn „Ich bin euer Gott, der euch in die Freiheit geführt hat. Israeliten, vergesst es nicht!“ Das sagt Gott ihnen bevor er ihnen die Gebote gibt. „Wenn ihr meine Gebote haltet, dann bleibt ihr frei.“ Gottes Gebote engen nicht ein. Sie befreien zu einem Leben in Freiheit.

So kann ich das Gebot den Sabbat zu heiligen nutzen, mir eine Auszeit zu gönnen, meinen Körper und Verstand entlasten und überlegen, wie geht es mir gerade? Was hat Gott für mich getan, dass ich frei leben kann, was passiert um mich herum? Ich nutze die Chance, auf ganz neue Gedanken zu kommen, auch wenn mich vieles geradezu erdrückt. Ich kann Gott bitten mir zu helfen. Er befreit mich aus meiner Enge.

 

Ich möchte auf keinen Fall die 10 Gebote mit den Verboten der Coronazeit gleichstellen. Doch finde ich die Situation im Kleinen vergleichbar. Wir waren in unseren eigenen 4 Wänden eingesperrt worden und wenn wir sie grundlos verließen, gäbe es Strafen. Wir sahen die Sonne draußen und wünschten uns Freiheit. Freiheit, so wie wir sie kennen. „Von oben“ bekamen wir Gebote, wie wir uns verhalten können, damit wir die kommenden Tage außerhalb unserer eigenen 4 Wände verbringen können. Halten wir uns dran, dann können wir diese gewünschte Freiheit genießen. Springen wir über die Richtschnüre, die uns gegeben sind, dann wird unsere Freiheit wieder enger. Das ist auch bei den Gottesdiensten so. Viele haben lange darauf hin gefiebert, jetzt dürfen wir wieder im kleinen Kreis feiern... ...wenn wir uns an die Gebote halten.

 

Ich finde es ist einen Versuch wert! Halten wir uns daran, zu unserem Wohl, zu aller Wohl, für unsere eigene Freiheit, für die Freiheit unserer Mitmenschen. Gott hat Gutes für uns im Sinn. Ich bitte ihn für uns alle: schenke uns deinen Geist, dass wir uns an Gebote halten und verändere die Gedanken der Menschen, die sie ausnutzen wollen. Vater, ich vertraue dir. Wie du Israel die Freiheit geschenkt hast, weiß ich wirst du sie auch uns schenken.

 

Herzliche Grüße, Ihre Anja Schmidt

Gemeindeassistentin