Impuls

Tagesimpuls 01.06.2020

Pfingsten

Liebe Schwestern und Brüder,

für den Pfingstmontag stelle ich Ihnen und Euch noch einmal die Gedanken aus meiner Predigt gestern, am Pfingstsonntag im Radiogottesdienst, zur Verfügung. Vielleicht möchte sie jemand noch einmal nachlesen:

 

Im letzten Jahr waren meine Frau und ich mit unseren beiden Kindern im Urlaub für einige Tage in Amsterdam. Auf der Rückfahrt war es sehr heiß. So ging ich im Zug zum Bordbistro, um etwas zu trinken zu kaufen. Personalwechsel dann auf deutscher Seite der Grenze. Das Bistro wurde wieder geöffnet. Vor mir war eine Frau aus den Niederlanden. Sie hat auf Englisch einen Salat bestellt. Der Mann hinter dem Tresen hat das nicht verstanden.

Die Frau zeigte in der Speisekarte auf einen von drei Salaten. Die Sache wurde klarer. Nur war gerade dieser Salat ausverkauft.

Der Mann hinter dem Tresen hat das der Frau gesagt, und dass sie einen von den beiden anderen wählen kann. Nun hat sie ihn aber nicht verstanden. Denn er hat gesagt:

Dette oder Dette! Det is finish!

 

Das mit den verschiedenen Sprachen und Dialekten ist nicht so einfach. Vielleicht haben sie mal eine ähnlich amüsante Geschichte erlebt oder auch ein Missverständnis aufgrund verschiedener Sprachen oder sie erinnern sich an die Zeit, in der sie eine andere Sprache gelernt haben; sicher nicht einfach.

 

In der Lesung aus der Apostelgeschichte am Pfingsttag war es einfacher. Die Menschen liefen zusammen und jeder konnte sie in seiner Muttersprache hören: Juden, Proselythen, Parter, Meder, Elamiter und all die anderen. Sie konnten die Apostel verstehen, die vom Heiligen Geist erfüllt waren. Einer der zentralen Sätze der ersten Lesung ist: “Wir hören sie in unseren Sprachen, die großen Taten Gottes verkünden“. Die Jünger werden mit Begeisterung von ihrem Herrn Jesus Christus gesprochen haben. Sie werden berichtet haben, dass sie mit ihm unterwegs waren, dass er den Menschen bei der Brotvermehrung zu essen gegeben hat, dass er Kranke geheilt hat und Tote zum Leben erweckt hat. Sie werden berichtet haben, dass Jesus seiner Botschaft des Friedens treu geblieben ist, dass er gekreuzigt wurde und gestorben ist. Aber Gott, unser Vater, hat ihn von den Toten auferweckt.

Nach seiner Auferstehung waren die Jünger wieder mit ihm zusammen. Jesus hatte ihnen zugesagt, dass auch die, die ihm gefolgt waren - dass wir alle - auch zum ewigen Leben auferstehen werden. Er ist uns vorausgegangen, um uns eine Wohnung zu bereiten. Er ist kein Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden.

Das werden die großen Taten Gottes sein, die sie verkündet haben, die Taten Gottes, der jeden Menschen liebt, der jedem Menschen nahe sein will.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wir werden es nicht hinbekommen, dass jeder und jede von uns in allen Sprachen dieser Welt spricht.  Wir können aber dennoch in einer Sprache reden, in der uns alle Menschen verstehen: Es ist die Sprache der Nähe, die Sprache des Herzens, die Sprache der ehrlichen Zuneigung. Diese Sprache versteht jeder Mensch.

 

Wir alle sind eingeladen, so zu leben, dass die Nähe Gottes durch uns hindurchscheint, dass der Geist der Liebe durch unser Handeln erfahrbar wird. Jesus hat uns beauftragt, nicht nur für uns selbst zu sorgen, sondern auch für andere da zu sein.

Schon damals bei der Brotvermehrung hatte er zu seinen Jüngern gesagt: Gebt ihr ihnen zu essen. Kommt doch nicht immer zu mir! Ihr könnt das. Ihr seid beauftragt, den Menschen zu helfen, die in Not sind. Denn Gott will auch durch euch den Menschen nahe sein. In der Nachfolge Christi gilt diese Aufforderung auch uns heute.

 

Das ist derzeit nicht einfach, denn das Coronavirus versperrt noch immer viele Wege und hält Türen geschlossen, so dass Begegnungen und Besuche oft nur schwer möglich sind. Suchen wir nach anderen Möglichkeiten, um in Verbindung zu bleiben. Vergessen wir vor allem die älteren und kranken Menschen nicht in den Pflegeheimen, Krankenhäusern und auch zuhause, die einsam sind. Denn was ihr einem anderen getan habt, das habt ihr mir getan, so spricht unser Herr.

 

Die Sprache der Zuwendung versteht jeder Mensch und auch die Sprache der Freiheit versteht jeder Mensch.

 

Am Abend des ersten Tages der Woche hatten die Jünger aus Furcht die Türen verschlossen. Jesus kam zu ihnen und sagte: Empfangt den Heiligen Geist. Der Hl. Geist befreite sie aus ihrer Angst. Die Türen wurden geöffnet. Die Jünger machen sich auf den Weg und verkündeten die Frohe Botschaft in der ganzen Welt.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit, so steht es im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien. Gottes Geist befreit aus aller Angst und Begrenzung.

Wenn es Grenzen gibt, dann sind eher wir es, die diese Grenzen setzen:

Wenn wir versuchen, anderen die Welt zu erklären, das musst du so sehen, wie ich es dir sage. Oder: Diese Vorschriften gibt es und danach musst du handeln!

Als Kirche können wir das sehr gut.

 

Stellen wir uns einmal vor, dass wir Menschen auf der Straße befragen, die nicht direkt etwas mit Kirche zu tun haben: Wenn sie an die katholische Kirche denken, was fällt Ihnen dazu ein? Einige Antworten kann ich mir vorstellen:

Nicht selten wäre die Antwort: Nichts, damit kann ich nichts anfangen. Dann würde sicher auch Papst Franziskus mit guten Worten genannt werden. Folgen würden dann aber sicher bald Antworten wie: Moral, Vorschriften, wie man zu leben hat.

Wir werden, so glaube ich, lange suchen müssen, bis jemand antwortet: Katholische Kirche bedeutet Freiheit!

Aber genau um die Freiheit geht es. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich meine hier nicht Beliebigkeit. Das Zusammenleben mit Gott und den Menschen braucht immer auch Regeln; aber nicht mit dem Vorzeichen des Zwangs, sondern immer mit dem Vorzeichen der geschwisterlichen Liebe und Barmherzigkeit, die dem anderen die Möglichkeit geben, in Freiheit zu antworten.

Denn, wenn man einen anderen zu etwas zwingt, entsteht Unmündigkeit! Geschwisterliche Liebe, durch die Gottes Liebe hindurchscheint, wird aus Zwang nicht entstehen. Liebe braucht Freiheit als Voraussetzung.

 

Wir sind eingeladen, aus dem Geist der Freiheit, der uns am Pfingstfest geschenkt wird, unser Leben zu gestalten. Und auch die Kirche ist eingeladen, in diesem Geist der Freiheit auf die Menschen immer wieder neu zuzugehen.

 

Wenn wir als Christinnen und Christen, wenn wir als Kirche aus diesem Geist leben, dann verstehen uns die Menschen wieder besser und:

Dann is Dette für die Kirche keen Finish, sondern ein Neuanfang im Heiligen Geist!

 

Bleibt unter dem Schutz des lebendigen Gottes geborgen und bleibt geistreich!

 

Ihr und Euer Diakon

Benno Bolze