Hineingeschaut

Hineingeschaut – Die Kirchenbänke

„Wenn man sich die alten Fotos ansieht: Das mit den Bänken hat sich aber auch ziemlich gewandelt“ sagte mir jemand kürzlich.

Wie war das eigentlich mit den Sitzgelegenheiten in Salvator? Bevor wir ins Archiv hineinschauen: Wie hat man es überhaupt im Laufe der Geschichte des Kirchenbaus mit Stühlen oder Kirchenbänken gehalten?

 

Abgesehen von den Sitzen für die Zelebranten und dem Chorgestühl – letzteres wird schon im St. Galler Klosterplan um 820 erwähnt – lassen sich bis zum Ende des Hochmittelalters Bänke oder Stühle für die Laien so gut wie nicht nachweisen. Sie nahmen in der Regel stehend am Gottesdienst teil, wie es vielfach heute noch in orthodoxen Kirchen ist. Erst mit der Reformation wurden Sitzgelegenheiten üblich, in protestantischen Kirchen mehr als in katholischen, was gemeinhin mit der zentralen Stellung der Predigt im Gottesdienst erklärt wird. In Deutschland setzten sich Kirchenbänke durch, während z. B. in romanischen Ländern Stühle bevorzugt wurden. Bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts konnte man die Sitzgelegenheit mieten, dann wurden die „Kirchstuhlgelder“ abgeschafft.

 

In Lichtenrade hatte in der Stephanuskapelle Theodor Gast, Vorsitzender des Kirchbausammelvereins, Stühle und eine Bank zur Verfügung gestellt. Deshalb bat er in einem Brief an den Pfarrer von Herz Jesu im Mai 1920, als die Sitzplatzgelder fällig waren, diese nicht dem Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden für Groß-Berlin, sondern dem Stephanus-Verein zu überlassen. 1920 stellte ein anderes Gemeinde-Mitglied 24 Stühle zur Verfügung. Die Stuhlmiete wurde in Salvator übrigens bis zum 1. Oktober 1943 eingezogen.

 

Auch in der Salvator-Kapelle behalf man sich noch mit Stühlen. Es wurden aber Anfang Dezember 1924 zur Weihe auch 3 Bänke angeschafft, wie Pfarrer Heufers an den noch in den U.S.A. auf Predigtreise weilenden Pfarrer Grabe berichtete.

 

Sogar im Februar 1933, als die Kirche benediziert wurde, schrieb Monsignore Grabe noch in einem Zeitungsbericht, die Bestuhlung der neuen Kirche sei noch provisorisch. Fotos vom Erntedankfest 1933 zeigen dann Holzbänke relativ leichter Bauweise. 22 solcher Kirchenbänke waren angeschafft worden. Bis 1954 kamen noch weitere vier hinzu. Sie taten ihren Dienst bis zur Erweiterung der Kirche. Auf der Seitenempore gibt es einige davon noch heute.

 

Sitzplatzprobleme gab es auch bei den Schwestern des Kinderkrankenhauses in den beiden Seitenchören. Sie hatten in der ersten Zeit nur 3 Kniebänke, die hinterste davon ohne Sitz. Die Schwesternchronik weiß zu berichten, dass eine sehr übermüdete Schwester einmal vergessen hatte, dass sie auf dieser Bank kniete und beim Versuch, sich zu setzen, mit lautem Geräusch nach hinten fiel, gottlob, ohne sich zu verletzen. Just an diesem Tag befand sich Prälat Dr. Joseph Tenspolde (1886-1959), der Leiter der Caritas in Münster, als Gast in der Kirche. Er bekam das Malheur mit und spendete spontan Bänke - mit Sitzgelegenheit. 1948 gab es dann Knie- und Sitzgelegenheit für 30 Schwestern. Die Bänke im oberen Chor wurden übrigens vom Mutterhaus in Heiligenstadt geschenkt.

 

Mit dem Erweiterungsbau wurden die neuen Kirchenbänke angeschafft, die wir heute noch benutzen. 2004 mussten sie aufgearbeitet werden, was die Gemeinde in Eigenregie stemmte.

 

Bis zum nächsten „Hineingeschaut“!

Ihre/Eure Regina Mahlke, Chronistin